Kategorie
Autor:innen
Jahr

Tango statt Auto

Die Appenzeller Bahnen fahren künftig im Takt des Tango. So heissen die neuen Züge. Der erste rollte am Montag testhalber aus dem Depot Speicher. Er soll noch mehr Pendler auf die Schiene holen.
Von  Peter Surber , 
Bilder und Video: Erich Gmünder/Tüüfner Poscht. Titelbild: Su.

Die Bezüge seien strapazierfähig auch bei Ketchup- und Hotdog-Attacken, verspricht der Bahndirektor. Auch andere Vorzüge von der Klimaanlage bis zum Brandsicherheit sieht man den neuen Wagen nicht auf Anhieb an. Was man jedoch sieht: Die von Stadler Rail produzierten Züge sind mit 52,6 Meter deutlich länger als die heutigen Wagen, sie bestehen aus zwei aneinandergekoppelten Halbzügen (mit 147 Sitzplätzen, davon 12 in der 1. Klasse, und 218 Stehplätzen), haben bequeme Niederflureinstiege und die gewohnte knallrote Farbe.

 

Modernisiert wird umfassend. Elf Züge haben die AB in Bussnang bestellt, sie werden circa im Dreiwochentakt ankommen und kosten 96 Millionen Franken. Dazu werden weitere 90 Millionen verbaut, der weitaus grösste Betrag für den Ruckhaldentunnel, daneben für den Durchmesserbahnhof, für Perronverlängerungen, Gleisausbauten, den Depotumbau in Speicher, neue Betriebsgebäude in Teufen und Appenzell und weiteres.

Es sei «keine Selbstverständlichkeit», dass im Appenzellerland ein solches Infrastrukturprojekt realisiert werden könne, sagt Verwaltungsratspräsident Fredy Brunner. Die ersten neuen Züge werden ab August 2018 unterwegs sein und laufend in den Fahrgastbetrieb genommen. Bis dahin werden die Fahrzeuge getestet.

Das dreifache Ziel umschreibt AB-Direktor Thomas Baumgartner an der Medienorientierung so: Der Kundennutzen soll steigen, dank neuen Zügen und dichterem Fahrplan. Betrieb und Unterhalt sollen effizienter und die Sicherheit vor allem an Bahnübergängen verbessert werden.

Am Montag zeigt sich bei der Medienbesichtigung: Der Tango fährt, er pfeift ausgesprochen laut, er ist bequem und wirbt auf witzigen Einnähern im Polster damit, dass die Appenzeller Bahnen in allen Lebenslagen nützlich seien: AB i d Stadt, AB in Alpstee, AB a d Ärbet, a d Olma, an Mätsch und is Theater, aber auch AB a s Meer oder AB is Bett.

Die «Charmeoffensive» (Baumgartner) kann die Bahn tatsächlich brauchen. Zum einen hat sie im Zug der Modernisierung auch unpopuläre Entscheide gefällt: Die Bahnschalter in Speicher und Teufen gibt es nicht mehr, zudem ist in Trogen der Abbruch und Neubau des alten Bahnhofs umstritten.

Millionen für Material, und kein Geld für Personal? Die Bahnleitung sieht das anders. Was kaum noch nachgefragt werde, könne nicht aufrechterhalten werden. Die Schliessung sei eine Reaktion auf das veränderte Kundenverhalten, Stichwort Swiss-Pass, und die Digitalisierung, sagt Fredy Brunner. Die Ticket-App sei stark gefragt. Und insgesamt gebe es keine Angebotsverschlechterung: In Speicher ersetzt künftig (wie in Teufen schon jetzt) ein Laden mit Billetausgabe den bisherigen Schalter.

Blick zurück nach vorn: Fredy Brunner, Verwaltungsratspräsident, und AB-Direktor Thomas Baumgartner.

Zum andern hofft die Bahn auf zusätzliche Umsteigerinnen und Umsteiger – Städter Fredy Brunner richtete seinen Appell ausdrücklich an die Appenzeller Autopendler, mit Blick vor allem auf den Engpass an der Teufenerstrasse. Dieser wird im nächsten Halbjahr auch die Bahnpassagiere beschäftigen: Am Ostermontag, 2. April um 21.40 Uhr fährt der letzte Zug via Ruckhalde, danach verkehren bis zur Tunneleröffnung am 7. Oktober Busse. Sie brauchen vier Minuten länger – dafür verkürzt sich danach die Reisezeit nach Teufen um sechs Minuten.

Das Ziel, Ende 2021, wenn auch die Durchfahrt durch Teufen doppelspurig realisiert sein wird, heisst: In 31 Minuten und im Viertelstundentakt von Appenzell nach St.Gallen. Heute sind es 44 Minuten.

Zukunftsmusik bleibt vorerst noch die selbstfahrende Appenzellerbahn. Das wäre technisch zwar bereits heute denkbar, sagt Fredy  Brunner auf Nachfrage, aber noch fehle die gesellschaftliche Akzeptanz. Die Testfahrt des ersten Tango, gesteuert von einer leibhaftigen Lokomotivführerin, fand aber auch so viel mediale Aufmerksamkeit.

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
7228 dsc00923

Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
1000229093

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2

Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
2609 RIO Gerd Zikeli 01 IMG 1149

Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
Peter Kamm Kunst am Bau Erweiterungsbau Paedagogische Hochschule Kreuzlingen

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

Von Pius Frey und David Gadze,
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von Mia Nägeli,

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von Vera Zatti,
Dieses

Musik

Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

Von René Hornung,
Verwaltungsgebaeude appenzell pd