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Agglo-Verkehr: Mehr Tram? Mehr Autobahn?

Die Agglomeration St.Gallen-Bodensee, in der eine Viertelmillion Menschen leben, plant das dritte Infrastruktur-Programm: Diskutiert werden Themen wie der Ausbau der Stadtautobahn und das St.Galler Tram.  
Von  Harry Rosenbaum

Das dritte Infrastruktur-Programm der Region St.Gallen-Bodensee wird derzeit erarbeitet, bis Ende 2016 muss es zwecks Mitfinanzierung beim Bund eingereicht werden. Hauptthema des Programms ist der Verkehr: Die Frage ist etwa, ob das S-Bahnnetz weiter optimiert werden soll – oder ob die Entwicklung eines Tramnetzes im Kern der Agglomeration bessere Lösungen bietet. Diskutiert wird im Programm zudem, wie mehr Qualität in die Landschaftsgestaltung einzubringen ist.

Die erste Generation der Programme (ab 2008) betraf die S-Bahn St.Gallen, die Durchmesserlinie der Appenzeller Bahnen, die Entlastungsstrasse in Arbon und die Umgestaltung der St.Galler Strasse in Gossau. Die zweite Generation (ab 2012) umfasste die Massnahmen rund um die Bahnhöfe Rorschach, Goldach, St.Fiden, Winkeln und Arnegg sowie ein Gesamtpaket zugunsten des Fuss- und Veloverkehrs in sämtlichen Agglomerationsgemeinden.

Dafür ist bisher ein Investitionsvolumen von rund 200 Millionen Franken ausgelöst worden. Rund 80 Millionen Franken steuert der Bund an das noch laufende Programm bei.

Autobahnausfahrt Güterbahnhof bleibt auf dem Tisch

Das nun anstehende, dritte Programm wurde vergangene Woche in der Lokremise am öffentlichen Agglomerationsforum vorgestellt. «Wir wollen Einblick in die Planungsarbeiten geben und zeigen, wo wir stehen», sagte der St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin. Interessiert an der Diskussion waren vor allem Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinden und Wirtschaft und Industrie, aber auch Mitglieder der kantonalen Verwaltungen der Region St.Gallen-Bodensee. Die Region umfasst die Kantone St.Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden. In ihr leben eine Viertelmillion Menschen in 27 Gemeinden und 7 Städten.

Der Geschäftsleiter der Regio-St.Gallen, Rolf Geiger, sagte, dass es bei der dritten Etappe vor allem um die Entwicklung der Siedlungsräume nach innen und um die Verbesserung der Verkehrssysteme gehe.

Der St.Galler Kantonsingenieur Urs Kost beschwor einmal mehr die dritte Röhre im Rosenbergtunnel und den Autobahnausbau auf sieben Spuren, um das Problem Individualverkehr in der Stadt St.Gallen zu lösen.

Finanziert würde die Teilspange nicht über das Aggloprogramm, sondern durch das Bundesamt für Strassen, führte Kost weiter aus. Auf die umstrittene Ausfahrt beim Güterbahnhof St.Gallen und den dreistöckigen unterirdischen Strassenkreisel kann laut Kost bei der Realisierung der Teilspange nicht verzichtet werden.

Er sei überzeugt, dass das Strassenbauwerk «Dritte Röhre/Teilspange» die heutige Verkehrssituation im Bereich Teufenerstrasse, Oberstrasse und Kreuzbleiche nachhaltig entlasten wird. Die 1987 eröffnete St.Galler Stadtautobahn leide an «Altersschwäche» und müsse dringend saniert werden, meinte Kost.

Mehr Qualität und weniger Quantität

Nachdem die Teilnehmer das dritte Aggloprogramm in Themengruppen diskutiert hatten, wurde Bilanz gezogen. Allgemein wird von der dritten Etappe mehr Qualität und weniger Quantität verlangt. Eine Verdichtung des Programms wurde als problematisch erachtet. Wegen der geltenden Baureglemente in den Gemeinden würde automatisch Widerstand erzeugt.

Beim Zukunftsbild Landschaft gilt die Hauptsorge der Qualität der Landschaft am Bodensee, weil hier enormer Siedlungsdruck herrsche. Es kamen auch Erbsünden wie die Zerschneidung der Landschaft durch die Autobahn zu Sprache. Dies zu reparieren sei heute zu teuer. Im Zusammenhang mit dem Schwerpunkt Siedlung und Verkehr stosse man bei einigen Projekten des Langsamverkehrs bezüglich Finanzierung an Grenzen, hiess es.

Die Teilnehmer des Forums kritisierten auch, dass stets über Pendlerverkehr, aber kaum über Freizeitverkehr und die Schaffung von Hubs diskutiert werde. Beispielsweise könnten Hubs in Verbindung mit einem Tramnetz in der Stadt die Funktionalität des S-Bahnverkehrs verbessern. Busse müssten so nicht mehr in die Stadt fahren.

Weiter wurden mehr Anstrengungen für die Ansiedlung von Arbeitsplätzen in der Region verlangt. Wohnen und Arbeiten müssten räumlich wieder näher zusammengebracht werden, was bedeutend weniger Verkehr erzeugen würde.

 

Infos: regio-stgallen.ch

Titelbild: Das Güterbahnhof-Areal, Standort der umstrittenen neuen Autobahn-Teilspange.

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Heftvorschau 07/08/26
Kunst im Sittertal, Sommertipps

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