Titel und Aufhänger des Artikels in der «Ostschweiz am Sonntag » vom 9. November schmeicheln den rund um die Goldach lebenden Ausserrhoderinnen und Ausserrhodern. Speicher, Trogen und Wald haben in ihren Gemeindeordnungen verankert, dass ausländische Staatsangehörige das kommunale Stimm- und -Wahlrecht erhalten können, wenn sie seit zehn Jahren in der Schweiz und davon seit fünf Jahren im Kanton wohnen und dem Gemeinderat ein entsprechendes Begehren stellen.
Rehetobel hätte 1996 die erste Gemeinde der Deutschschweiz mit Ausländerstimm- und -wahlrecht sein können: 40 Ja-Stimmen fehlten. Wald sprang in die Lücke und eroberte sich 1999 den Titel. Die Kommission zur Erarbeitung einer neuen Gemeindeordnung hatte den Artikel geschickt in die Verfassung integriert und keine separate Diskussion darüber eröffnet. Nach der Annahme der Gemeindeordnung, als das Fernsehen im Restaurant Krone die Stammtischgäste interviewte, als die ganze Schweiz nach Wald schaute und gratulierte, gab es bei einigen Eingefleischten verdutzte Gesichter, die nichts davon wissen wollten, zu sowas Ja gesagt zu haben.
Die Grundlage dafür, das Stimmrecht für Ausländerinnen und Ausländer auf kommunaler Ebene zu ermöglichen, bietet die Kantonsverfassung von 1995 – im Unterschied zu den Kantonen St.Gallen und Thurgau etwa, denen diese Grundlage fehlt. Und es hätte noch besser kommen können: Beflügelt durch eine Aufbruchsstimmung, nachdem die Hürde des Frauenstimmrechts an der Landsgemeinde 1989 endlich genommen worden war und andere Innovationen tatsächlich in Richtung «Oase Ausserrhoden» tendierten, fand die generelle Gewährung des Stimmrechts in kantonalen und kommunalen Angelegenheiten an ausländische Staatsangehörige in der Verfassungskommission fast eine Mehrheit. Eine einzige Stimme gab den Ausschlag, dass die Kantonsebene wieder rauskippte und der Kantonsrat schliesslich «aus Rücksicht auf die Gemeindeautonomie» die Kann-Formulierung einführte.
So kommt es, dass jede einzelne der 20 Gemeinden die Stimmbürgerschaft über diese Kann-Möglichkeit entscheiden lassen muss, wenn sie davon Gebrauch machen will. 2010 scheiterte eine entsprechende Vorlage in Bühler. Rehetobel stimmt am 30. November zum zweiten Mal darüber ab: Man rechnet mit einem Erfolg. Die Lesegesellschaft Dorf hat im Frühjahr eine Volksinitiative lanciert und den Meinungsbildungsprozess mustergültig begleitet.
Ich selbst habe die seltene Chance, zum zweiten Mal mit meiner Stimme daran beteiligt zu sein, wenn die Vorlage angenommen wird: 1999 inWald, 2014 in Rehetobel. Und wer weiss, vielleicht gelingt sie ja irgendwann dann doch noch, die Verankerung auf kantonaler Ebene? Die Erfahrungen in den drei Pilotkommunen zeigen, dass nichts, aber auch gar nichts dagegen spricht.
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
24/7 Traumacore
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.