Eigentlich müsstest Du das viel öfter machen, lieber Mike, spontan mit irgendeiner Initiative drohen, wie am Dienstag an der Juni-Session. Grosses Kino im Kantonsrat, mol du, und unter uns: völlig wurst, ob die Grossen mitspielen, Hauptsache gross rauskommen. Hauptsache du, der Präsi der Kleinen, beschützt endlich unsere Kleinsten vor Kopftüchern und «unziemlicher Kleidung». Letztere mögen wir übrigens auch nicht – haben ihr kürzlich sogar ein Heft gewidmet, da, schau!
Wir hätten auch noch ein, zwei Exemplare auf Lager – nur so, falls Du nochli Verstärkung brauchst im Kampf für Anstand und Moral, dort vorne an der Front, in den kantonalen Kinderreserven. Aber genug der Tipps in Sachen Nachwuchs und Kleidung, schliesslich bist Du ja Experte und auch entsprechend gestylt. Verdient hättest Du ihn jedenfalls, den Titel «Mr. Kantonsrat», so geschmackvoll wie Du stets daherkommst.
Drum verehren Dich ja mittlerweile selbst die Jungen vom gegenüberliegenden Ufer. Völlig fasziniert beobachten sie, wie Du es schaffst, aus dem kleinen Polit- einen grossen Modezirkus zu machen, und wie es sich für eine echte Ikone gehört, lassen sie sich natürlich inspirieren von Dir – wie heute zum Beispiel, beim Bärenplatz, als sie Dir zu Ehren ihre Körper feierten. Saggstarch, dass Du schon über 20 Egger-Addicts hast, die Dir mit Fashion-Tipps unter die Arme greifen, Dir frische Inputs liefern und sich spontan mitengagieren im Kampf gegen unziemliche Kleidung.
Ach Mike, würdest Du doch nur öfters für Schlagzeilen sorgen, vielleicht würde sich die «Jung & Sexy»-Fraktion dann regelmässig für Dich ausziehen, dann hätten wir alle etwas davon. Du müsstest auch kaum etwas tun dafür, nur keine Sorge. Wir liefern gerne einen Initiativ-Vorschlag, falls es Dir an Ideen mangelt: «Strafbar macht sich, wer jemand anderem Vorschriften macht bezüglich seiner oder ihrer Kleidung.» Was mainsch, Mike?
Einen «Angriff auf die Selbstbestimmung», nannte Juso-Co-Präsidentin Andrea Scheck die geplante Initiative von SVP-Kantonsrat und JSVP-Prasident Mike Egger, die «das Tragen von Kopftüchern» und «unziemlicher Kleidung» an den Schulen im Kanton St.Gallen verbieten will. Passend zum Schnee von gestern, lud die Juso denn auch kurzentschlossen zum sommerlich-freizügigen Flashmob gegen Eggers Kleidervorschriften – in «unziemlicher» Kleidung, «möglichst freizügig», «halbnackt», mit Kopftuch oder auch Krawatte. Gut 20 Personen sind dem Aufruf gefolgt und haben sich am Freitag um 18 Uhr beim Bärenplatz in St.Gallen besammelt. Anschliessend sind die Freizügigen gutgelaunt und unter den Augen einiger Polizisten Richtung Bahnhof gezogen.
Bilder: Dani Fels
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.
Geschlechterspezifische Gewalt ist auch in Appenzell Realität, und doch wird zu wenig darüber geredet. Mit der Diskussionsveranstaltung «werom – schwätze statt schwiige» luden drei junge Appenzellerinnen zum offenen Austausch über Gewalt, Prävention und Zivilcourage.
Heimat – ein vielschichtiger Begriff. Das Kunstmuseum St.Gallen spürt ihm gemeinsam mit der Werksammlung der Schweizerischen Post nach. Zu sehen ist die entstandene Schau «Heimatflimmern» bis Ende Oktober in St.Gallen.
Die St.Galler Festspiele laden, nach der letztjährigen Pause, wieder zum Tanz in die Kathedrale. Choreograf Antonio Ruz und die Tanzkompanie nehmen den Raum mit Respekt in Beschlag – samt dem Klosterplatz.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 1: Openair-Kinos, Blablabor – «Guerilla Radio», Michail Pirgelis – «HYLE», «Heimatflimmern», Kulturfestival St.Gallen, Leonce und Lena, Kunstspaziergänge und Musik im «Flöözli» sowie Rundgänge zum Blumenwies und zur Schwammstadt.
Der «Landesverräter» war gern am Fluss
Musik im Rorschacherberg
In Konstanz gastiert derzeit die Gruppe As Karuana – ein politischer Frauenchor aus dem Amazonas. Sie zeigt mit ihrer Musik, ihrem Tanz, ihrer Kunst und ihrem Wissen politische Résistance und kämpft für die Rückeroberung ihrer indigenen Kultur.
Malerin, lesbisch und glühende NS-Anhängerin. Stephanie Hollenstein (1886-1944) war vieles. Ein Widerspruch? Der neue Dokumentarfilm von Birgitta Weizenegger befasst sich mit dem Leben der vorarlbergischen Künstlerin.
Gastkommentar von Jacques Michel Conrad
Zum 20. Mal bringt das Kulturfestival internationale Entdeckungen und lokale Lieblingsbands in einen der schönsten Konzertorte St.Gallens. Zum Jubiläum blickt Organisator Lukas Hofstetter zurück – und behauptet sich zugleich in einem Musikgeschäft, das für kleinere Festivals immer schwieriger geworden ist.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Florian Fuchs arbeitet an einer antik anmutenden, 2,5 Meter hohen Marmorstatue. Warum interessiert sich ein junger Bildhauer für diese klassische Herangehensweise? Ein Werkstattbesuch in Flawil.