Bye, bye Forster-Tribüne

Arbonia Forster, Sponsor der St.Galler Fussballarena, hat die beiden Geschäftsbereiche Forster und Piatti verkauft. Es braucht neue Beschriftungen der Tribünen.

Von  Andreas Kneubühler

Eine kleine Zeitreise zurück ins Jahr 2008.

Die AFG-Arena wird eröffnet. In der zentralen Loge der Haupttribüne sitzt wie ein kleiner Sonnenkönig Edgar Oehler, CEO und Verwaltungsratspräsident der Arbonia Forster Gruppe. Wer sich als Mittelpunkt des Stadions fühlte, war damit nicht mehr zu übersehen. Auch nicht in der Nacht: War der Chef mit der Darbietung auf dem Rasen zufrieden, leuchtete die Loge grün, war die Laune schlecht, wechselte die Farbe auf rot.

Das gleiche System war übrigens auch im Entrée des AFG-Hauptsitzes in Arbon installiert.

Die Sonderrolle von Oehler hatte ihren Grund. Der Unternehmer und frühere CVP-Nationalrat war massgeblich dafür verantwortlich, dass überhaupt genügend Aktienkapital für den Stadionbau gezeichnet wurde – mit eigenen Mitteln und mit seinem Beziehungsnetz. Später kaufte sich Oehlers Firma auch noch die Namensrechte der neuen Arena. Die Tribünen heissen seither nach den Unternehmensbereichen: Piatti, Forster, EgoKiefer, Arbonia. Diese Namen sind auch auf den Tickets aufgedruckt oder stehen im Ticketsystem.

Oehlers Einfluss war damals gross. Es gab dafür weitere Zeichen: Als sich nach Abstieg und Abschied vom Espenmoos im Mai 2008 die Crew des FC St.Gallen mit ihrem neuen Präsidenten Michael Hüppi den Medien vorstellte, fand der Anlass nicht in der Arena statt, sondern im luxuriösen AFG-Hauptsitz in Arbon.

Mit der Besetzung der grössten Loge in der Mitte der AFG-Arena wurden scheinbar die neuen Machtsverhältnisse visualisiert. Zuvor, im Stadion Espenmoos, hatte der zentrale Platz auf der Haupttribüne über dem Spielereingang noch dem früheren Bundesrat Kurt Furgler gehört. Oehler sass rund zehn Plätze rechts davon.

Bald zeigte es sich aber, dass Oehler keineswegs der starke Mann im Klub war. Die wirtschaftlichen Probleme mit seiner zusammengekauften Firmengruppe wurden nach 2008 immer grösser. Die Banken setzen ihn unter Druck. Oehler trat als CEO zurück, er verlor die Aktienmehrheit und ist auch nicht mehr Verwaltungsratspräsident. Als der FC St.Gallen und die Arena 2010 vor dem Konkurs standen, spielte Oehler kaum noch eine Rolle. In der Loge gibt es schon lange keine Lichtspiele mehr. Heute sitzen darin AFG-Manager und -Verwaltungsräte – darunter auch Oehler. Der Vertrag für die Namensrechte läuft aber noch bis 2018. Er kostet jährlich einen bisher allerdings nie bestätigten Betrag um eine Million Franken.

Am Freitag gab nun die AFG bekannt, dass sie die Unternehmensbereiche Forster und Piatti an die deutsche Allno mit Sitz in Pfullendorf verkauft hat.

Damit gibt es in der Arena ein weiteres sichtbares Symbol für den Aufstieg und Fall von Edgar Oehler – oder für eine Kooperation, die sich schon lange als Irrtum erwiesen hat.

Entweder werden nun die Tribünen umgetauft oder der FC St.Gallen macht in seiner besten Saison seit langem Werbung für Produkte einer deutschen Firma – bezahlt von der AFG.

 

Nachtrag: Laut dem AFG-Sprecher kann das Logo von Forster bleiben. Das «Tagblatt» hat nachgefragt. Hier.

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