Drum’n’Bass und Dubstep spürt man, bevor man sie hört: Der mächtige Bass, der zuerst in den Bauch und dann in die Beine geht, unterstützt von wirbelndem Hi Hat/Snare-Gezitter. Dieser musikalischen Urkraft huldigt das Partylabel Local Bass Movement (LBM), das am Samstag in der Tankstell Bar geboren und würdig getauft wurde.
Auf der länger nicht mehr so pumpenvoll gesehenen Tanzfläche der Tankstell versammelten sich Jungs und Mädels aller Couleur, (Sub-)Kulturen und Musikgeschmäcker und gaben sich friedlich und schweisstreibend dem Bass hin. «Genau darum geht es uns mit dem LBM: Leute zusammenbringen, die diese Musik genauso lieben wie wir», sagt Roger Berhalter, der sich als Beat-Bändiger nice nine nennt. Mit nice nine stehen JD (Urs Wild) und SNES (Indra Testolin) als Ostschweizer Enthusiasten der Bassmusik hinter LBM: Nice nine und JD waren jahrelang als ¡Bassda! unterwegs und brachten mit Schlagzeug und elektronischem Equipment beeindruckenden Live-Drum’n’Bass auf die Bühne. SNES wiederum ist seit einigen Jahren solo als DJ unterwegs.
Bassmusik wummert in der Nische
Auslöser für die LBM-Gründung war das Ende der Bar CMC im vergangenen Oktober: Einer der letzten Zufluchtorte für sperrige Musik und Gestalten in St.Gallen war damit verschwunden – auch für ¡Bassda!, die regelmässig im CMC-Keller auflegten. «Also mussten wir uns etwas Neues einfallen lassen», sagt Berhalter. Nebst dieser Not, neue Räume aufzutun, hat LBM einen weiteren Antrieb: Die Bassmusik in der Ostschweiz fördern.
Denn wer heute elektronische Musik sagt, meint zumindest im St.Galler Nachtleben meist Minimal oder House. Drum’n’Bass und Dubstep fristen hier nach schnell wieder verebbten Trendwellen in den Nullerjahren eher ein Nischendasein. Raum für Experimente gibt es kaum: Das Kugl etwa stand in den vergangenen unsicheren Jahren unter Druck, kommerziell erfolgreiche Partys zu schmeissen. Drum’n’Bass und Dubstep als streunende Köter der elektronischen Musik – verwildert, aber liebenswert – mussten den Platz räumen für Massentauglicheres wie Minimal, House und Co.
Die Szene testen
Der Eröffnungsabend in der Tankstell war für das LBM denn auch ein Test, «ob es in St.Gallen überhaupt noch eine Szene und ein Interesse gibt», sagt Berhalter. Angesichts des Andrangs am Samstag kann man Ja dazu sagen.
Ein gutes Vorzeichen für die nächsten LBM-Parties, die schon fix im Kalender stehen. «Wir lassen offen, wo es mit LBM genau hingehen soll. Ich könnte mir vorstellen, dass es Parties wie heute in der Tankstell regelmässig gibt», sagt Berhalter. Es gehe auch darum, mit solchen Anlässen die lokale Szene zusammenzubringen und mehr Leute ins Label-Boot zu holen, die mithelfen wollen. Und: LBM schmeisst nicht nur Parties, sondern ist auch musikalisch aktiv und produziert eigene Beats.
LBM live:
21.2. im TapTab Schaffhausen
21.3. im Talhof St.Gallen
Anlässe/News: facebook.com/localbassmovement
Beats: soundcloud.com/localbassmovement
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.