Wen trifft es?
Wenn ein wirtschaftliche eher schwacher Kanton wie St.Gallen innert zwei Jahren zuerst eine Verzichtsplanung beschliesst, dann ein erstes Sparpaket von rund 80 Mio. Franken und dann ein zweites von 200 Mio. Franken ausarbeitet – dann trifft es jede und jeden: In der Bildung, in der Gesundheitsversorgung, beim Kulturangebot.
Der wenig attraktive Randkanton hatte schon immer eine vergleichsweise schlanke Verwaltung, war schon immer vergleichsweise sparsam und ist im Gegensatz zu den meisten anderen Kantonen und praktisch allen Nationalstaaten dieser Welt nicht verschuldet. Das Problem ist allgemein bekannt. Hätte der rechtbürgerliche Kantonsrat nicht eine Steuerreduktion nach der anderen durchgedrückt, wären beispielsweise 2010 850 Mio. Franken mehr in der Staatskasse gelandet.
Der Kanton kommt einem vor, wie ein übereifriger Streber, der sich mit aller Macht auf einem Gebiet auszeichnen will, das überhaupt nicht relevant ist. So hat St.Gallen die strikteste Abschreibungspraxis alle Kantone. Alles was mehr kostet als 9 Millionen Franken muss innert 10 Jahren abgeschrieben werden. Die Frist beginnt zu laufen, sobald das Projekt beschlossen ist. Oder im Klartext: Die St.Galler schreiben schon ab, bevor überhaupt gebaut wird.
Das ist nicht nur Buchhaltung: Im Sparpaket wird ausnahmsweise die Abschreibungsfrist für die schon lange aufgeschobene Sanierung der Spitäler von 10 auf 25 Jahren verlängert. Das macht satte 50 (!) Mio. Franken aus, die weniger eingespart werden müssen.
Wenn man so will: Hätte St.Gallen eine Abschreibungspraxis wie andere Kantone, müssten nicht den Ärmsten und den Behinderten das bisschen Sackgeld gestrichen werden, um die Rechnung aufzupolieren. Aber über die Kürzungen bei den Ergänzungsleistungen stimmen wir zum Glück noch ab.
Es ist nicht so, dass mit dem von der Regierung vorgeschlagenen Kahlschlag Schluss wäre.
Es soll immer so weiter gehen:
Das sagt die SVP zum Sparpaket: «Die aufgeführten Massnahmen sind unwirksam, ungenügend oder unannehmbar.»
Das meint die FDP: «Aus Sicht der FDP sind die vorgeschlagenen Kürzungsmassnahmen zu bescheiden ausgefallen».
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.
Es ist seine letzte Session nach zehn Jahren im St.Galler Kantonsrat. SP-Kulturpolitiker Martin Sailer setzt künftig ganz auf den Zeltainer. Das Geld für den Neubau in Wildhaus ist fast zusammen, 2027 soll es losgehen.
Die Ansiedlung des Internet Archive Switzerland in St.Gallen ist Piero Stinelli zu verdanken. Er kontaktierte vor zehn Jahren die Verantwortlichen von archive.org aus eigenem Antrieb. In den 90er-Jahren war der Mitgründer von Vadian.net und Klang und Kleid ein Internetpionier.
Ohm41 stellen wieder aus
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.