Eines seiner liebsten Objekte ist gar nicht ausgestellt. Es ist ein scheinbar simples Metallteil: ein Stück der Oberleitung der einstigen Trolleybuslinie Berneck-Altstätten. Der Bus hatte in den 1940er-Jahren das Tram abgelöst, das seit der Jahrhundertwende die Arbeiter zu den Fabriken der Jacob Rohner AG transportiert hatte. «Was sich an dem Objekt illustrieren lässt: Sein Wert besteht darin, dass es Anlass wird für eine Geschichte», sagt Marcel Zünd.
Nicht Dinge ausstellen, sondern Geschichte mittels Geschichten vermitteln: Das ist die Haltung, die Zünd als neuer Kurator im Museum Prestegg in Altstätten realisieren will. Das Gebäude, der frühere Kaufmannssitz der Textilhandels-Familie Custer, ist imposant. Sein Inhalt aber ist in die Jahre gekommen, wie in vielen Ortsmuseen, wo sich über die Jahrzehnte Kostbares und auch Beliebiges angesammelt hat. Mit Marcel Zünd hat sich die Trägerin, die Museumsgesellschaft Altstätten, für einen Neuanfang entschieden, und der heisst in der ersten Ausstellungsreihe programmatisch: aufbruch.
Aufbrechen hiess erst einmal: ausräumen. Nun sind die Museumsdinge fein säuberlich geordnet – aber ungewöhnlich präsentiert, nämlich auf dem Boden ausgelegt. Ein Steg führt durch das Sammelsurium. Im Erdgeschoss sind Löffel, Haushalt- und Messgeräte, prächtige kleine Himmelsgloben, hölzerne Kruzifixe, Lutherbibeln oder Schabmadonnen zu bewundern. Die Zeugen der Volksfrömmigkeit sind für Zünd eines der interessantesten Sammelgebiete.
aufbruch: bis 27. November, Museum Prestegg, Altstätten, jeweils Sonntag von 10 bis 17 Uhr museum-altstaetten.ch
Publikumsmagnet war und ist aber im ersten Stock der Waffensaal (unter anderem mit dem Richtschwert, mit dem 1849 die Mörderin Anna Koch in Appenzell «unter nicht unerheblichen Schwierigkeiten vom Scharfrichter geköpft wurde»), sowie noch einen Stock höher der «Göttersaal», ein Festsaal mit griechisch-römischem Göttergewimmel im Deckengewölbe. Hier steht ein weiteres Glanzstück: das älteste noch spielbare Cembalo der Schweiz.
In einer nächsten Etappe wird Zünd diesen Sommer Objekte aus der industriellen Frühzeit, darunter Radios und Kameras zeigen. Der museale Aufbruch wird nächstes Jahr, im Rahmen der acht Museen umfassenden Kollektivschau zur Textilgeschichte, in eine Ausstellung über die Jacob Rohner AG und die Arbeitergeschichte des Rheintals münden.
Und klar ist für Zünd, dass auch das Ausstellen selber Thema sein und bleiben wird: Welche Aufgabe hat ein Museum heute, was ist wie ausstellenswert, und kann ein Museum liebgewordene Gegenstände auch wieder «loswerden»? Solchen Fragen widmet sich im Herbst ein Symposium und schon jetzt eine kleine Bibliothek im Museumsfoyer.
Längerfristig hofft Zünd, die Prestegg zu einem Museum für das ganze Rheintal formen zu können. Und dann auch länger als momentan bloss an den Sonntagen offen zu haben.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.
Naturmuseum Thurgau
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.
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Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.
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Eleanor Antin ist seit 60 Jahren künstlerisch tätig. Früh hat sie sich mit Technologie, Rassismus und Genderfluidität beschäftigt, doch zwischenzeitlich war sie fast in Vergessenheit geraten. Nun macht die erste europäische Retrospektive Station im Kunstmuseum Liechtenstein.
Der Musiker und Künstler Nicolaj Ésteban veröffentlicht ein neues Album seiner Band Loveboy And His Imaginary Friends. Es führt in eine faszinierende Welt – und in sein Inneres, wo es manchmal dunkel ist.
Nach vierzig Jahren kehrt Guido R. von Stürler in die Kunsthalle nach Wil zurück. Der Künstler, mit einem Faible für Fliegen, zeigt in «Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt» eine Werkübersicht, die Organisches und Digitales vereint.