«Schöne Aussicht» prangt in grossen Lettern an der Fassade des früheren Versandhauses. Hier sollen Lofts und Wohnungen entstehen, doch bis es soweit ist, setzen die Besitzer, die Architekten von Archplan, auf Zwischennutzungen. Die St.Galler Künstlerin Anita Zimmermann hat seit einiger Zeit hier ihr Atelier, und jetzt stürzt sie sich für drei Wochen wieder in ihre andere Existenz als Leila Bock und plakatiert im Dorf, was am 9. Juni startet: eine dreiwöchige Show (Anita Zimmermann mag das Wort) mit 30 Kunstschaffenden aus der Ostschweiz und aus Berlin.
Geiler Block: 9. bis 25. Juni, Cornelia-Haus Trogen
geilerblock.ch
Im ersten Stock des am Dorfeingang prominent aufragenden, etwas in die Jahre gekommenen Gebäudes hat Anita Zimmermann eine Bar gebaut. «Die Bar ist das Herz», sagt sie. Die anderen künstlerischen Arbeiten kommen im Moment nach und nach hinzu. Noch Mitte Mai, im Leerzustand, war umso eindrücklicher zu sehen, wie grosszügig das Gebäude ist und wie gewaltig das Licht in die hallenartigen Räume fällt. Eine schöne Aussicht auch im Innern, mit viel Platz, wie er der Kunst in Gruppenausstellungen sonst kaum je zur Verfügung steht.
«Grosse Räume machen den Geist auf, das ist die schönste Art von Kulturförderung», sagt Anita Zimmermann. Und als Leila Bock befreundete Künstlerinnen und Künstler in den Block einzuladen, dieser Moment sei für sie «wahnsinnig glückbringend». Mit dabei ist fast alles, was Rang und Namen in der Region hat – die Namen finden sich auf der Website geilerblock.ch. Offen ist die Show an drei Wochenenden, jeweils 10 bis 24 Uhr.
Zu den Ausstellungen hinzu kommt eine imposante Zahl von «Schnörkeltexten». Kunstprofis, Museumsmacherinnen, Journalisten reden freitags (um 20 Uhr) und sonntags (um 17 Uhr) über ein von ihnen gewähltes Thema: Roland Wäspe, Nadia Veronese, Lorenzo Benedetti, Kristin Schmidt, Ursula Badrutt, Josef Felix Müller, Agatha Nisple, Corinne Schatz, Jordan Theodoridis, Elisabeth Blum, Ueli Vogt, Margrit Bürer, Isabelle Chappuis, Marcel Elsener und Hanspeter Spörri. Am Samstag gibt es Vinyl mit Germann/Lorenzi und Tanz.
Leila Bock sagt: «Man muss die Leute fördern, die hier bleiben und hier arbeiten. Künstler brauchen Auftrittsmöglichkeiten.» Leila Bock schreibt: «Im Heimspiel werden die hier lebenden Künstler nur in Ausnahmen gezeigt; aus Qualitätsgründen, sagen sie im Museum. Hier muss ich mich wehren. Wir haben ganz tolle Kunstschaffende in der Stadt. St.Gallen ist sehr konservativ und aufgeräumt. Ich finde genau deshalb die Kunst umso wichtiger. Nicht die internationalen Werte. Sondern die Kunst, die in diesem Biotop entsteht.»
In der Stadt und in der Ostschweiz gebe es eine starke Off-Szene. Ihr bietet der Block von Trogen, ebenso wie die Ausstellungsreihe Hiltibold, die Zimmermann mit Marianne Rinderknecht in der St.Galler Goliathgasse betreibt, eine temporäre Plattform. Leila Bock stellt klar: «Es geht mir nicht darum, alte Häuser zu retten, sondern allein um den kulturpolitischen Aspekt.»
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.