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Der Kinosommer 2023

Es ist Sommer, es ist heiss, Kino findet jetzt draussen statt. Saiten hat ein paar Tipps zusammengestellt, meistens im Freien – aber nicht nur: in Appenzell, Arbon, Kreuzlingen und St.Gallen und weiteren Stationen in der Region.
Von  Andreas Kneubühler

Filmnächte in Appenzell und Arbon

Eigentlich gibt es nicht viele Veranstaltungen, für die so wenig Aufwand notwendig ist: Ein Filmprojektor, ein Leintuch, ein paar Festbänke und fertig ist das Openair-Kino. Kein Wunder haben sich die Freiluftfilmprogramme in den sonst eher veranstaltungslosen Sommermo- naten längst etabliert.

Natürlich gibt es da auch die grossen Anbieter. Viel Aufwand betreibt das «Coop Openair Cinema» mit Freiluftaufführungen in der ganzen Schweiz. In der Region sind Arbon und Kreuzlingen – hinter der Leinwand der See – die traditionellen Standorte. Das Programm stützt sich auf Filme ab, die in den letzten Monaten im Kino erfolgreich waren.

Der Kinosommer auf einen Blick

Arbon: 14. Juli bis 19. August
Kreuzlingen: 5. bis 31. Juli
open-air-kino.ch

Appenzeller Filmnächte: 10. bis 12. August, Kunsthalle Appenzell
kultur-appenzell.ch

Solarkino: 3. bis 16. August, Vorstellungen in St. Gallen, Rorschach, Schwellbrunn, Wil, St.Margrethen, Arbon und Herisau
www.solarkino-sg.ch (funktioniert nur mit „www.“)

Kinok-Openair: 13. Juli bis 12. August, jeweils Donnerstag, Freitag und Samstag im Rund der Lokremise St.Gallen
kinok.ch

Aber muss immer alles draussen stattfinden? Da gäbe es beispielsweise auch die Appenzeller Filmnächte, die unter dem Motto «Mit Herz und Gefühl» vom 10. bis 12. August in und um die Kunsthalle Appenzell veranstaltet werden. Start ist am 10. August mit Ennio Morricone – Il Maestro, dem Dokumentarfilm von Giuseppe Tornatore. Danach ist der Spielfilm Die Fabelmans an der Reihe, in dem Steven Spielberg seine von der Kinoleidenschaft geprägte Kindheit nacherzählt. Dazu gibt es Hot Dogs, warmen Käsefladen und Kuchen in der Festwirtschaft.

Solar-Kino auf dem Gallusplatz

Dicht gedrängt sitzt das Publikum auf Bänken oder Campingstühlen vor der Leinwand. Langsam wird es dunkel. Alles ist bereit, der Akku für den Projektor wurde über Solarpanels aufgeladen, bald beginnt der Film.

Es sieht jeweils schön aus, wenn das Solarkino auf dem Gallusplatz gastiert. Die Filmreihe, welche die Genossenschaft selber veranstaltet, beginnt am 3. August mit dem Doku Das geheime Leben der Bäume. Darin geht es um den Förster und Autor Peter Wohlleben, der 2015 mit dem gleichnamigen Bestseller bekannt wurde und danach durch die deutschen Talkshows tingelte. Der Film ist einerseits ein Porträt Wohllebens, illustriert aber auch seine Botschaft. Kurz gesagt: Bäume sind soziale Wesen und kommunizieren miteinander.

Zum Programm gehört weiter eine Sammlung von Kurzfilmen zum Thema Natur unter dem Motto «Kurzfilme für die Erde». Zur Reihe gehören aber auch Spielfilme. Für Molière auf dem Fahrrad könnte sich entscheiden, wer das französische Kino allgemein und den Schauspieler Fabrice Luchini besonders mag oder wer sich auf die Bilder von der Île de Ré freut. Soul bekam 2021 den Oscar für den besten Animationsfilm. Regisseur ist Pete Docter, der für Pixar bereits Oben oder Alles steht Kopf realisierte.

Ménage-à-trois im Kinok-Openair

Der zumeist eher wortkarge Westernheld Gary Cooper (High Noon) käme nicht vielen in den Sinn, wenn sie eine Komödie besetzen müssten. Ernst Lubitsch aber schon, der 1933 den späteren zweifachen Oscargewinner für Design for Living engagierte. Der Film gehört zum Openair-Programm des St.Galler Kinok, das dieses Jahr unter dem Thema «Ménage-à-trois» zusammengestellt wurde. Natürlich gehört Jules et Jim zur Auswahl von 15 Filmen. Ebenso passend ist aber die frivole Komödie, in der sich Cooper gut schlägt – so gut, dass ihn Lubitsch später noch in zwei weiteren Filmen einsetzte.

Im stimmungsvollen Freiluftkino im Rund der Lokremise sind weiter etwa The Wedding Banquet von Ang Lee oder Beyto von Gitta Gsell zu sehen. Eine amüsante Variante des Filmgenres «Banküberfall» bietet Bandits von Barry Levinson. Mit viel Raffinesse und ausgesuchter Höflichkeit rauben Joe (Bruce Willis) und Terry (Billy Bob Thornton) Banken aus. Kompliziert wird es erst, als sie Kate (Cate Blanchett) als Geisel nehmen. Der aktuellste Film in der Reihe der Dreiecksgeschichten ist Past Lives von Celine Song, der an der letzten Berlinale gezeigt wurde. Etwas grob zusammengefasst geht es darin um die Frage, ob verpasste Gelegenheiten nicht doch verpasst bleiben sollen.

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