Filmnächte in Appenzell und Arbon
Eigentlich gibt es nicht viele Veranstaltungen, für die so wenig Aufwand notwendig ist: Ein Filmprojektor, ein Leintuch, ein paar Festbänke und fertig ist das Openair-Kino. Kein Wunder haben sich die Freiluftfilmprogramme in den sonst eher veranstaltungslosen Sommermo- naten längst etabliert.
Natürlich gibt es da auch die grossen Anbieter. Viel Aufwand betreibt das «Coop Openair Cinema» mit Freiluftaufführungen in der ganzen Schweiz. In der Region sind Arbon und Kreuzlingen – hinter der Leinwand der See – die traditionellen Standorte. Das Programm stützt sich auf Filme ab, die in den letzten Monaten im Kino erfolgreich waren.
Der Kinosommer auf einen Blick
Arbon: 14. Juli bis 19. August Kreuzlingen: 5. bis 31. Juli open-air-kino.ch
Appenzeller Filmnächte: 10. bis 12. August, Kunsthalle Appenzell kultur-appenzell.ch
Solarkino: 3. bis 16. August, Vorstellungen in St. Gallen, Rorschach, Schwellbrunn, Wil, St.Margrethen, Arbon und Herisau www.solarkino-sg.ch (funktioniert nur mit „www.“)
Kinok-Openair: 13. Juli bis 12. August, jeweils Donnerstag, Freitag und Samstag im Rund der Lokremise St.Gallen kinok.ch
Aber muss immer alles draussen stattfinden? Da gäbe es beispielsweise auch die Appenzeller Filmnächte, die unter dem Motto «Mit Herz und Gefühl» vom 10. bis 12. August in und um die Kunsthalle Appenzell veranstaltet werden. Start ist am 10. August mit Ennio Morricone – Il Maestro, dem Dokumentarfilm von Giuseppe Tornatore. Danach ist der Spielfilm Die Fabelmans an der Reihe, in dem Steven Spielberg seine von der Kinoleidenschaft geprägte Kindheit nacherzählt. Dazu gibt es Hot Dogs, warmen Käsefladen und Kuchen in der Festwirtschaft.
Solar-Kino auf dem Gallusplatz
Dicht gedrängt sitzt das Publikum auf Bänken oder Campingstühlen vor der Leinwand. Langsam wird es dunkel. Alles ist bereit, der Akku für den Projektor wurde über Solarpanels aufgeladen, bald beginnt der Film.
Es sieht jeweils schön aus, wenn das Solarkino auf dem Gallusplatz gastiert. Die Filmreihe, welche die Genossenschaft selber veranstaltet, beginnt am 3. August mit dem Doku Das geheime Leben der Bäume. Darin geht es um den Förster und Autor Peter Wohlleben, der 2015 mit dem gleichnamigen Bestseller bekannt wurde und danach durch die deutschen Talkshows tingelte. Der Film ist einerseits ein Porträt Wohllebens, illustriert aber auch seine Botschaft. Kurz gesagt: Bäume sind soziale Wesen und kommunizieren miteinander.
Zum Programm gehört weiter eine Sammlung von Kurzfilmen zum Thema Natur unter dem Motto «Kurzfilme für die Erde». Zur Reihe gehören aber auch Spielfilme. Für Molière auf dem Fahrrad könnte sich entscheiden, wer das französische Kino allgemein und den Schauspieler Fabrice Luchini besonders mag oder wer sich auf die Bilder von der Île de Ré freut. Soul bekam 2021 den Oscar für den besten Animationsfilm. Regisseur ist Pete Docter, der für Pixar bereits Oben oder Alles steht Kopf realisierte.
Ménage-à-trois im Kinok-Openair
Der zumeist eher wortkarge Westernheld Gary Cooper (High Noon) käme nicht vielen in den Sinn, wenn sie eine Komödie besetzen müssten. Ernst Lubitsch aber schon, der 1933 den späteren zweifachen Oscargewinner für Design for Living engagierte. Der Film gehört zum Openair-Programm des St.Galler Kinok, das dieses Jahr unter dem Thema «Ménage-à-trois» zusammengestellt wurde. Natürlich gehört Jules et Jim zur Auswahl von 15 Filmen. Ebenso passend ist aber die frivole Komödie, in der sich Cooper gut schlägt – so gut, dass ihn Lubitsch später noch in zwei weiteren Filmen einsetzte.
Im stimmungsvollen Freiluftkino im Rund der Lokremise sind weiter etwa The Wedding Banquet von Ang Lee oder Beyto von Gitta Gsell zu sehen. Eine amüsante Variante des Filmgenres «Banküberfall» bietet Bandits von Barry Levinson. Mit viel Raffinesse und ausgesuchter Höflichkeit rauben Joe (Bruce Willis) und Terry (Billy Bob Thornton) Banken aus. Kompliziert wird es erst, als sie Kate (Cate Blanchett) als Geisel nehmen. Der aktuellste Film in der Reihe der Dreiecksgeschichten ist Past Lives von Celine Song, der an der letzten Berlinale gezeigt wurde. Etwas grob zusammengefasst geht es darin um die Frage, ob verpasste Gelegenheiten nicht doch verpasst bleiben sollen.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.
Naturmuseum Thurgau
Das St.Galler Theater Trouvaille entdeckt den Musiker und Juristen Mani Matter neu. «’S isch einisch eine gsy»– 90 Jahre Mani Matter verbindet zahlreiche Lieder und literarische Texte des Berners zu einem abendfüllenden Programm. Saiten hat mit dem Theaterleiter Matthias Flückiger gesprochen.
Vier Jahre nach ihrem Debüt kehren Lev Tigrovich mit einer neuen EP zurück. Diese handelt von Kontrollverlust, Illusionen und grossen Gefühlen – und enthält erstmals einen Song, der nicht auf Russisch gesungen ist.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun - einen Sieger gibt es nicht.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.
Gastkommentar
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Eleanor Antin ist seit 60 Jahren künstlerisch tätig. Früh hat sie sich mit Technologie, Rassismus und Genderfluidität beschäftigt, doch zwischenzeitlich war sie fast in Vergessenheit geraten. Nun macht die erste europäische Retrospektive Station im Kunstmuseum Liechtenstein.
Der Musiker und Künstler Nicolaj Ésteban veröffentlicht ein neues Album seiner Band Loveboy And His Imaginary Friends. Es führt in eine faszinierende Welt – und in sein Inneres, wo es manchmal dunkel ist.