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Der Stoff, aus dem die Schäume sind

Mit dem Buch «Sapphische Flaschenpost» legen der Künstler Peter Z. Herzog und der Lyriker Florian Vetsch ein Bild-Text-Panoptikum aus der Welt der Schäume und (erotischen) Träume vor, das sich gewaschen hat. von Clemens Umbricht
Von  Gastbeitrag

Dass der Eros schäumt, wissen wir seit Aphrodite. Der griechischen Mythologie zufolge schnitt Kronos, Uranos’ Sohn, seinem Vater die Geschlechtsteile mit einem Sichelhieb ab und warf sie ins Meer. Dieses vermischte sich schäumend mit Blut und Samen und gebar Aphrodite. Ihres Zeichens Göttin der Schönheit und der Liebe, trug sie fortan den Beinamen «Schaumgeborene».

Mit dem Thema Schaum hat sich vor einigen Jahren auch der Philosoph Peter Sloterdijk befasst: Shakespeare paraphrasierend summiert er im dritten Band seines Sphären-Werkes: «We are such stuff the foams are made on.» Mächtige anthropologische Blasen-Cluster bieten hier Anlass zu menschheitsgeschichtlicher Schaumdeutung.

Auch Peter Z. Herzog und Florian Vetsch widmen sich in ihrem Kunstband dem Schaum, genauer: dem «entsetzlich aufschäumenden Eros». Wem es ihre gischtende Flaschenpost an die heimatlichen Gestade schwemmt, der taucht ein in ein prickelndes Seh- und Leseerlebnis.

Shampoos als gesellschaftliche Spiegel

Über 300 Shampoo-Flaschen hat der in Zürich wohnende Künstler Herzog in der Zeit von 1999 bis 2001 anlässlich eines Aufenthalts in Paris gesammelt und neu gelabelt. Entstanden ist ein lustvolles Panoptikum der Markenwelt unseres Hygiene-Verständnisses, um nicht zu sagen: Hygienewahns.

Beispiele gefällig? Ein nachhaltiges Dusch-Vergnügen bietet das Produkt «timeless. Ewig Verwandelt». Für übernächtigte Reisende empfiehlt sich das revitalisierende «étrange. Viel Durchgemacht». Sanftes Re-Shaping der intellektuellen Silhouette insinuiert «Zettel’s Dream Profiler». Ob für die reife Mutter («maternelle. Klytemnästra Erosetta»), für den leidenschaftlichen Gamer («délurée. Patty Yuniverse 3.0») oder für den spirituellen Sucher («intuitive. Silzenium Om») – Duschen ist das halbe Leben, in Markennamen kristallisieren sich Sehnsüchte!

Wer es härter mag, greift zu «douteuse. Wilma Mankiller». Für den finalen Waschgang empfiehlt sich «médusée. Straight Shot». In der modernen Zeus-Hera-Beziehung hat «résistance. Penthesilia Sirach» seinen Platz. Exquisite Duschnoten versprechen schliesslich Artikelnamen wie «aquatique. The Beholder’s Share», «étrange. Kaltes Plasma» oder «polarisée. Emma Facekini».

Peter Z. Herzog, Florian Vetsch: Sapphische Flaschenpost. Vom entsetzlich aufschäumenden Eros, Vexer Verlag, St. Gallen 2016, Fr. 48.–

Wem das auf den ersten Blick absurd erscheint, dem ist der Schaum noch nicht aufgegangen. Die fantasievollen Produktebezeichnungen mit realen oder fiktiven Namen führen, ebenso wie die Bildcollagen auf den Etiketten, mitten in Fragen zu Körperpflege und Identität, Vergänglichkeit und Bleibendem. Das Haar- und Körperwasch-Shampoo als Spiegel identitätsergänzender Versprechungen und damit verbundener gesellschaftlicher Codierungen – damit treibt Herzog ein hintergründiges Spiel. Seine regenbogenfarbene Kollektion der Duschgels ist die Geschichte eines Wegwerfartikels, erzählt auf der schwarzen Bühne, auf welcher der Witz in den Aberwitz kippt. Die Rekonstruktion der Duschmitteldosen führt direkt zu ihrer Dekonstruktion, Bezeichnetes und Bezeichnendes schäumen grenzenlos.

«So will Sappho ihren Kentaur»

Peter Z. Herzogs Shampoo-Flaschen stehen 101 Sapphische Odenstrophen des St.Galler Lyrikers Florian Vetsch an der Seite. Auch für sie gilt, was Sloterdijk geschrieben hat: «Es ist die Mischbarkeit der gegensätzlichsten Stoffe, die im Schaum zum Phänomen wird.» Das klingt beispielsweise so:

Sappho bringt, mir lieb, die Geräte hierher:
Mittenheiss trochäisches Tempo, Lenden
Hebung, Senkung, daktylisch ökozentrisch
Klackende Stäbe

Die antike griechische Dichterin Sappho, die um 600 v.Chr. auf Lesbos lebte, war berühmt für ihre Liebes- und Hochzeitsgedichte. Nach ihr wurde ein Versmass benannt, das bis in die Neuzeit gepflegt wird. Gerhard Tänzer beschreibt es in seiner kleinen erotischen Versschule Schönes Blumenfeld so: «Die ersten drei Zeilen bestehen aus jeweils vier Trochäen, in deren Mitte ein Daktylus eingebettet ist. Die vierte Zeile besteht aus einem Adonischen Vers (Daktylus und Trochäus).»

Sappho ist für Vetsch nicht nur die formale Inspirationsquelle, sondern auch die in verschiedenen Gedichten direkt Angesprochene. Doch sie ist nur eine unter vielen. Der aufschäumende Eros schweift, flottiert von der schaumgeborenen Göttin zur linkisch schmunzelnden Helena, vom römischen Dichter Catull zur lieblichen Coiffeuse und von ihr zu Amy und ihrer verschlüsselten braunen Haut. Denn:

So will Sappho ihren Kentaur: Er schwitzt &
Schnaubt, die Venen prall, die Gelenke sehnig
Prescht er über Thrakiens Hügel, verhofft im
Schatten der Pappeln

Liebesgedichte, erotische Gedichte, ja – «Gnadenschaum von morgen, du blinzelst aus den / Venushügeln heute. Die Pforten, Grotten / Stehen offen» – aber nicht nur. Diverse der Sapphischen Vierzeiler nehmen Bezug auf Aktuelles, auf 9/11, auf das Bienensterben, auf Kochkünste, auf die wachsenden Abfallberge und «Petflaschenhalden» (auch Plastik hat Ewigkeitscharakter!) und die Ödnis von Siedlungen, in denen «die Witwenstelze erschaudert». Die von Florian Vetsch mit neuer Energie aufgeladenen Sapphischen Odenstrophen sind von jenem perlenden Gleiten der Signifikanten durchwirkt, das den Betrachter auch durch Peter Z. Herzogs Illuminarium der Schaumzonen begleitet.

Amys braune Haut ist verschlüsselt. Oder?
Undercover blättert sie Topoi auf &
Lyrics, grölt durch 1000 Gezeiten, stösst an
Trommeln & Saiten

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

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Senf

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Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

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Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

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Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

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Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

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Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

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Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

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Stadtkultur2

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Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

Von  Veronika Fischer
Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

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Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
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Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

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Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
Daemmerung Prates de Matos 4

In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
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«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
Ingeborg Bachmann Still 01 Elliott Kreyenberg 1920x1080 jpg

Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze