Die Mängelliste des Quartiervereins Rosenberg zur Entwicklung Bahnhof Nord erhält man problemlos, diejenige der Fachhochschule nicht: Es handle sich um ein Arbeitspapier, «welches wir aktuell mit den zuständigen Stellen der Stadt St.Gallen als Grundeigentümerin bearbeiten», erklärt Verwaltungsdirektor Carlo Höhener. Man wolle deshalb «zum heutigen Zeitpunkt» von einer Veröffentlichung absehen.
Kritikpunkte gibt es allerdings genug – auch ohne den Beitrag der Fachhochschule. Das «Tagblatt» hat bereits eine kleine Serie darüber veröffentlicht. In einem Beitrag stellte der Stadtentwicklungsexperte Peter Röllin rund um den Neubau der Fachhochschule «eine beispielslose Kälte» fest. Der Vorplatz gleiche «einer seelenlosen Anlieferungsrampe». Sein Fazit: «Quartierstrukturen und Nischen für eine lebendige Stadt wurden hier regelrecht entsorgt.»
Dies alles könnte erstaunen, beispielsweise wenn man an die lange Vorgeschichte des Projekts denkt: Es wurde das 2003 erstmals vorgestellt. Dabei war immer klar, dass nicht nur ein Neubau geplant ist. Die Rede war von einem belebten neuen Stadtquartier zwischen der Lokremise mit ihrem urbanen Kulturangebot und der Fachhochschule mit den vielen Studierenden.
Zu sehen ist davon nichts.
Dafür gibt es zwei Erklärungen:
– Die machtlose Stadt kann sich einmal mehr nicht gegen Investoren und den Kanton durchsetzen. Der Beleg dafür ist die Vermietung des grossen Parkfelds neben der Lokremise an die SBB durch den Kanton – und zwar für 20 Jahre. Damit ist die wichtigste freie Fläche für alle Projekte gesperrt – obwohl gleich daneben eine Tiefgarage gebaut wurde.
– Die Stadt hat die Quartierplanung vernachlässigt. Es wurde einfach nur gebaut: Eine Fachhochschule, eine Tiefgarage, fertig. Wie sich die Passanten rund um den Bahnhof bewegen, welche Bedürfnisse die Quartierbewohner haben, spielte keine Rolle. Beleg dafür ist, dass die Lifte am anderen Ende des Perrons West vergessen gingen.
Auf der Liste des Quartiervereins finden sich weitere Beispiele, die zeigen, dass es vielfach nur Kleinigkeiten sind, die falsch oder gar nicht geplant wurden. Die Schrägfläche, auf der die Cafeteria Gleis 8 der Fachhochschule ihre Tische aufstellen soll, ist nur das offensichtlichste Exempel.
Ein weiteres: Man kommt aus der Bahnhofsunterführung Ost und will über die Rosenbergstrasse in Richtung Quartier. Dort gibt es aber keinen Fussgängerstreifen.
Der Zugang zur Bahnhofsunterführung West samt dem kleinen Platz vor der Cafeteria der Fachhochschule kommt gänzlich ohne Wegweiser und Beschilderung aus. Als gebe es in St.Gallen keine Touristen oder Ortsunkundigen.
Weitere Beispiele von der Liste des Quartiervereins:
Die stark frequentierte Haltestelle der VBSG für den Bus Nummer 9 habe kein Dach.
Auf dem Grundstück der Fachhochschule wachse kein Grashalm, Sitzgelegenheiten seien lieblos improvisiert.
Der Fachhochschule fehle der Bezug zur Strasse. Die Fenster seien verblendet, es gebe keinen Eingang auf der Strassenseite.
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