Dass die Stiftung Suchthilfe für ihre Jubiläumswoche das St.Galler Waaghaus als Ort ausgesucht hat, ist kein Zufall. Ehemals unbestrittener Brennpunkt der Gasse, befindet es sich heute entlang der Hauptachse zwischen Marktplatz und Kantipark – und somit an einer symbolträchtigen Stelle.
Von Montag bis morgen Freitag geben Helferinnen und Helfer in der «Ad-hoc-Volksküche» gratis Mahlzeiten und Getränke aus, die Gassenküche bleibt während dieser Zeit geschlossen. Ein Augenschein am Mittwoch zeigt: Das Angebot kommt sowohl bei den Randständigen als auch bei Passantinnen und Passanten an.
Gleiche Regeln wie in der Gassenküche
Dirk Rohweder, Betriebsleiter der Gassenküche, zeigt sich zufrieden: «Am Dienstag konnten wir rund 100 Malzeiten ausgeben», sagt er. In der Gassenküche sind es an kalten Spitzentagen etwa 40. Diese Mehrbelastung konnte und wollte Rohweder den Mitarbeitern der Gassenküche nicht zumuten, das Catering kommt deshalb vom Restaurant Bierfalken und wird fertig geliefert.
Menü am Mittwoch: Beinschinken oder Fleischkäse mit Kartoffelsalat. Zwar schenken die Verantwortlichen keinen Alkohol aus, sie hindern aber auch keinen der Gäste daran, ihren eigenen mitzubringen. Es gilt das gleiche Regime wie in der Gassenküche.
«Das hehre Ziel des Anlasses ist es, den Austausch und die Begegnung zwischen den Gästen der Gassenküche und der übrigen Stadtbevölkerung zu ermöglichen», sagt Dirk Rohweder. Es sei aber illusorisch, von einer 50:50-Verteilung der beiden Gruppen zu sprechen. Dennoch sei das Experiment, wie Rohweder es nennt, ein voller Erfolg. Der Mittagstisch diene nämlich nicht nur zum Feiern, sondern auch dazu, die Notwendigkeit einer Institution wie der Stiftung Suchthilfe aufzuzeigen.
Im Vergleich zur Gründung vor 25 Jahren habe man inzwischen die offene Szene in den Griff bekommen. «Die Menschen hier dürfen deshalb aber nicht vergessen gehen», sagt Rohweder. Im Gegenteil: Setzte man vor lauter behördlicher Sparwut den Rotstift bei Unterstützungsangeboten wie der Methadon- und Heroinabgabestelle, der Suchtfachstelle oder der aufsuchenden Sozialarbeit an, ginge es nicht lange und die offene Drogenszene wäre zurück.
Neue Sucht-Problematiken
Derweil beschäftigt sich die Stiftung Suchthilfe längst nicht nur mit Alkohol- oder Drogensüchtigen. Das Anforderungsprofil habe sich, im Vergleich zu den Anfangsjahren, verändert, die Aufgaben seien vielfältiger. Heute stehe die Suchthilfe vor neuen Herausforderungen wie etwa der Internetsucht. Prävention sei heute wichtiger denn je, so Rohweder – auch in Schulen, wo die Stiftung Suchthilfe regelmässig auf die Gefahren von Alkohol, Cannabis und Internet aufmerksam macht.
Nicht nur der Mittagstisch im Waaghaus, der morgen von 11 bis 14 Uhr zum letzten Mal stattfindet, soll auf diese Anliegen aufmerksam machen. Am kommenden Samstag öffnen zusätzlich sämtliche Institutionen der Stiftung Suchthilfe ihre Türen für die Öffentlichkeit.
Weitere Infos: stiftung-suchthilfe.ch
Bilder: Ladina Bischof
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.