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Die Trikont-Story

Das Münchner Label Trikont hat seit 1967 Musik- und Widerstandsgeschichte geschrieben. Heute abend wird in St.Gallen das Jubiläumsbuch gefeiert, mit Co-Autor Franz Dobler. von Pius Frey
Von  Gastbeitrag , 
Christof Meueler: Die Trikont-Story

Erstaunlich diese Geschichte! 1967 beginnt alles. In München nimmt ein neuer Verlag seine Arbeit auf. Trikont. Er startet mit der Mao Bibel und dem Bolivianischen Tagebuch von Che Guevara. Der Name Trikont wird bewusst gewählt. Es ist die Zeit des Vietnamkriegs, des Anti-Imperialismus, der neuen StudentInnenbewegung.

Ein Buch wird verboten

Trikont bringt eine grosse Anzahl Bücher und Schriften heraus. Es entstehen die Reihen «Schriften zum Klassenkampf», «Trikont Aktuell» oder «Trikont Texte» mit dem bis heute wirkenden Buch Wir wollen alles von Nanni Balestrini. Unter dem selben Namen Wir wollen alles erscheint Mitte der 70er auch eine autonome Politzeitung, welche sich von sturen Parteiideologien abgrenzte.

Langsam ändert sich das Verlagsprogramm. Feministische Literatur wird veröffentlicht. Daraus entsteht dann der einflussreiche Verlag Frauenoffensive. 1975 erscheint bei Trikont der Szene-Bestseller Wie alles anfing von Bommi Baumann, eine Auseinandersetzung mit der Stadtguerilla. Bommi Baumann war bei der Bewegung 2. Juni dabei, stieg aus und setzte sich kritisch mit dem Projekt Stadtguerilla auseinander. Die Staatsmacht begriff das nicht. Das Buch wird verboten, Trikont durchsucht. Eine Anzahl bekannter Intellektueller solidarisiert sich mit dem Verlag.

Mehr und mehr widmet sich der Verlag in der Folge den Indianerinnen und Indianern, der Subkultur und der Musik. Langsam verschwindet das Buch. Das Plattenlabel Trikont wird  bedeutender. Bis heute kann sich das Label halten. Unabhängig, vielfältig und immer wieder überraschend. Auch die Trikont- Urgesteine Eva Mair-Holm und Achim Bergmann sind immer noch dabei.

Jetzt ist das reich bebilderte, schön aufgemachte Buch über Trikont erschienen, herausgegeben von Christof Meueler und Franz Dobler. Die Trikont Story – Musik, Krawall & andere schöne Künste wirft auf über 450 Seiten einen gekonnten Blick in die Trikont-Geschichte.

Die Kunst der Kompilationen

Chronologisch aufgebaut, bringt es nicht nur die Geschichte von Trikont näher. Es bringt auch einen lustvollen Überblick über das, was seit 1967 so alles geschah. Nicht nur beim Label, auch weltweit. Dazu wird gut skizziert, wie Trikont entstand, was für Menschen dahinter standen und stehen. ProtagonistInnen kommen zu Wort. Alle erschienenen Bücher und Platten werden kommentiert aufgeführt. Dokumente werden abgelichtet.

Das Buch:

Christof Meueler mit Franz Dobler: Die Trikont-Story. Musik, Krawall & andere schöne Künste. Reich bebildert. Mit Discografie und Register. Heyne Hardcore. Fr. 39.90

Die Veranstaltung:

Freitag, 3.November, 20 Uhr. Palace St.Gallen: Die Trikont-Story. Lesung, Gespräch, Disco mit Franz Dobler und Marcel Elsener.

Trikont veröffentlichte anfänglich hauptsächlich Agitationsmusik. Frauenlieder, Häuserkampfmusik, Anti-AKW-Songs, Musik der Befreiungsbewegungen. Dazu wurde der Politrock von Ton Steine Scherben vertrieben; Platten des amerikanischen Folkways-Label kamen dazu. Grosse Bedeutung haben bis heute bei Trikont die mit viel Liebe und Engagement gemachten Musik-Kompilationen, etwa zu amerikanischer und britischer Underground-Musik, widerständiger bayrischer Volksmusik oder zur Musik der Indianer.

Das Label nennt sich nun «Trikont – Unsere Stimme». Bands werden produziert: Schroeder Roadshow, Werner Südwind. 1980  wird das Label selbständig und aus dem Trikont-Verlag herausgelöst. Dann die grossen Politmusiker Walter Mossmann und Heiner Goebbels; der herausragende Rembetika-Sampler; Ringsgwandl und die Bayern-Stars Embryo und Hans Söllner. Beide sind bis heute Trikont treu geblieben. Andere Namen bei Trikont sind Attwenger, Bernadette La Hengst, Funny van Dannen. Dazu kommen weitere herausragende Kompilationen wie Finnischer Tango, Songs of Emigration, La Paloma, Dope & Glory, Songs of Gastarbeiter, Beyond Addis, Mariachi, radikale schwarze Soulmusik und viel, viel mehr.

Das vorliegende Buch stellt all diese Perlen bestens vor. Franz Dobler, welcher im Palace Trikont-Buch und Trikont-Musik vorstellt, hat seinerseits einige Kompilationen beigesteuert, so zu Hank Williams oder zu den Perlen deutschsprachiger Popmusik. Insgesamt veröffentlichte er fünf Kompilationen bei Trikont. Dazu schreibt er starke Romane wie Ein Bulle im Zug, die Johnny Cash Biografie The Beast In Me sowie Sachbücher und Gedichtbände.

492 «Trikont – Unsere Stimme»-Produktionen sind bis heute erschienen. Weitere werden folgen.

Bilder: Heyne-Verlag

 

 

 

 

 

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Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

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Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

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Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover