Als wir beim Jugendkulturraum flon ankommen, öffnet uns eine gut gelaunte Vera Heinzelman die Tür. Noch sieht man nicht viel vom Fest, das hier am Samstag steigen soll. Vera und ihr Kollege Severin Lutz vom JungKult-OK laden uns auf ein Getränk ein. Man kann fast gar nicht glauben, dass in diesem Raum mehrere hundert Leute Platz haben. 300 dürfen sie am Samstag reinlassen – bedeutend weniger als die über 1000 Personen, die normalerweise am JungKult-Festival vorbeischauen.
Dieses Jahr stand das Festival unter keinem guten Stern, wie so viele Veranstaltungen. Doch absagen war für das OK aber keine Option. «Natürlich wäre das einfacher gewesen, doch das spielt für uns keine Rolle», sagt Vera, die Medienverantwortliche. «Gerade nach dieser langen Zeit, in der viele Künstlerinnen und Künstler wenig von sich zeigen konnten, waren alle Jugendlichen sehr motiviert. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen dieses Jahr eine Light-Version des Festivals durchzuführen.»
Anders als sonst findet diese drinnen statt – die eine Hälfte im flon an der Davidstrasse, die andere im talhof am Platztor. Am Eingang müssen die Besucherinnen und Besucher ihre Kontaktdaten abgeben und natürlich die Abstände einhalten, wie überall. Kleiner Vorteil: «Dieses Jahr können wir länger feiern», sagt Vera und lacht. «In den letzten Jahren war immer um 21 Uhr Schluss, jetzt dauert es bis 1 Uhr morgens.»
Noch ist die flon-Bühne leer, aber die Aufbauarbeiten sind in vollem Gang.
Trotz der Umstände sind auch dieses Jahr viele junge Künstler und Künstlerinnen am Start. Neben verschiedenen Solokünstlern und Bands, die ab 18 Uhr im flon ihr Können zeigen, läuft auch im talhof ab 13 Uhr gehörig was: Live Painting, Siebdruck zum Mitmachen, eine Kunstausstellung und natürlich auch das beliebte Breakdance-Battle. «Das ist jedes Jahr eines der Highlights!», schwärmt Vera. «Und ich freue mich vor allem auf die Band Drill», fügt Severin Lutz an, Tontechniker am JungKult. «Sie spielen als Letzte des Abends. Das sollte man sich nicht entgehen lassen.»
JungKult 2020: 8. August
Dance & Art Jam: 13 bis 18 Uhr, talhof St.Gallen
JungKult in Concert: 18 bis 1 Uhr, flon St.Gallen
jungkult.ch
Die Idee hinter dem Festival ist es, Jugendliche dazu zu animieren, kreativ zu werden und zu zeigen, was sie alles können. Mitmachen dürfen alle unter 25. Auf die Frage, ob das JungKult sich auch als Sprungbrett für junge Talente sehe, antwortet Vera mit breiten Grinsen: «Natürlich! Darauf sind wir auch ein wenig stolz. Viele haben bei uns ihren ersten Auftritt vor Publikum und könne so Bühnenerfahrung sammeln.»
Was das JungKult so einzigartig macht, ist die Vielfalt und dass hier die unterschiedlichsten Menschen zusammenkommen, alle mit einer Gemeinsamkeit: Sie sind kreativ und wollen ihr Talent zeigen. «Dieses Jahr ist es besonders spannend, weil alle Acts auf der gleichen Bühne spielen werden», sagt Severin. «Vorher hatten alle ihren eigenen Platz in der Stadt und haben von einander nicht allzu viel gesehen – dieses Jahr ist das nicht so.» Ein weiterer «Vorteil» trotz Corona.
Die Motivation sei gross, sagen Vera und Severin, und auch wenn das JungKult-Festival dieses Jahr nicht auf der Strasse stattfinden könne, lohne es sich vorbeizukommen. «Es ist für alle etwas dabei, von Pop über Rock bis zu Hardcore Metall – und die Kunst sowieso.»
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