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Rumhängen und Kultur konsumieren

Diesen Samstag findet in St.Gallen das vierte JungKult statt. Über 200 Leute beteiligen sich am Festival: Künstlerinnen, Tänzer, Poetinnen, Sänger, Bastlerinnen, Rapper und
 was die Region sonst noch so hergibt in Sachen Kultur und Freizeit unter 25.
Von  Corinne Riedener
Bilder: JungKult

Wenn es in der Innenstadt von jungen Leuten nur so wimmelt und neugieriges Publikum den Bärenplatz verstopft, wenn in der Marktgasse gesprayt, getanzt, gesungen, gesiebdruckt und anerkennend genickt wird, wenn sich Stadtvater Vadian dezent hinter einer grossen Bühne versteckt und die Schaufenster für einmal gar nicht so verlockend sind – dann ist JungKult in St.Gallen.

Dieses Jahr findet das einstige Siegerprojekt des kantonalen Jugendprojektwettbewerbs bereits zum vierten Mal statt: am 12. August ab 10 Uhr, bei jedem Wetter – wobei es Petrus bisher ja immer mehr als gut gemeint hat mit dem löblichen Festival.

Breaken bei 30 Grad im Schatten: das JungKult 2015.

Entstanden ist das Projekt aus einer gewissen Not heraus. In der Öffentlichkeit herrsche häufig ein Bild von herumhängenden und konsumierenden Jugendlichen, kritisierten die JungKult-Gründer damals, 2014. «Wir Jungen nehmen uns ganz anders wahr. Viele von uns nutzen ihre Zeit dazu, ihrer Leidenschaft nachzugehen. Wochen und Monate verbringen wir damit, die Kunst- und Kulturlandschaft mitzugestalten.»

JungKult 2017: 12. August, 10 Uhr bis 20:30 Uhr, St.Galler Innenstadt

Verständlich, dass sie etwas von
 all dem, was in ihren Zimmern, Bandräumen, Ateliers und Quartieren tagtäglich passiert, auf die Strasse tragen und herzeigen wollen. Und der Blick lohnt sich definitiv, wie die letzten Jahre gezeigt haben – besonders für jene, die ernsthaft an die Mär von 
der achso bösen Jugend glauben.

Wobei… Stress mit der Polizei gab es ehrlich gesagt auch schon, aber nur einmal: 2015 hat die Stapo den JungKult-Leuten mit einer Ordnungsbusse gedroht, weil sie sich am Stadtbild vergangen haben. Böse Jugend von heute.

Littering? Sprayereien? Verkotzte Bushüsli? Nein, viel schlimmer: Sie hatten es doch tatsächlich gewagt, das JungKult-Logo mit Strassenkreide auf den Marktplatz zu malen, zu Werbezwecken. Ohne Bewilligung. Hailanzack. Zur Strafe mussten sie die Kreide wegputzen – es regnet ja so selten in St.Gallen.

Einer der «Tatorte».

Dieses Jahr wird es hoffentlich keine derart lächerlichen Zwischenfälle geben. Die in St.Gallen so beliebten Lärmklagen jedenfalls dürften schonmal ausbleiben, schliesslich endet das JungKult bereits um halb neun Uhr abends. Afterparty gibt es dieses Jahr keine.

Laut und farbig und voll wird es in der Stadt aber voraussichtlich trotzdem an diesem Samstag, denn auch in diesem Jahr haben sich wieder über 200 Leute angemeldet: Künstlerinnen, Tänzer, Poetinnen, Sänger, Bastlerinnen, Rapper und
 was die Region sonst noch so hergibt in Sachen Kultur und Freizeit unter 25.

Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.

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