von Charles Pfahlbauer jr.
Hier nochmals der bereits auf diesem Blog veröffentlichte Konzertbericht von Charles Pfahlbauer jr. – als Vorschau auf morgen:
Kurzer Spielbericht Jochen Distelmeyer, 10.12., Spielboden, Dornbirn. (Und am 10.2. im Palace St.Gallen!).
The Return Of The Magnificent Meister-Scheitel, der Verstärker von everything! Dafür fahren zwei Brüder nach Dornbirn, über den Rhein und dann über die Dornbirner Aach, allein der geländerlose Bachübergang belohnt das Vorhaben. Im neuen, im Gegensatz zu den 80er- und 90er-Jahren noch nicht zu oft besuchten Spielboden (was für ein schöner Clubname, immer noch): Der Live-Test von Jochen, nicht im Band-Verbund von Blumfeld, sondern mit vierköpfiger namenloser Begleitcombo. Natürlich beginnt er mit Feedback und dem treibenden „Wohin mit dem Hass?“. Packt schon mal sehr, und erst recht ein neuer Song: „Einfach so“, eindringlich monoton, Anklänge von Wire, Ära „Pink Flag“, mit sarkastischen Statements zur Zeit. Keine Angst, „wir beissen nicht“, es wird noch viel Liebe folgen.
Jochen, im weissen Hemd und schwarzen Gilet, die Haare aus dem Gesicht gewischt wie seinerzeit Eugen-Ramming, freundlich dem Publikum zugeneigt. „Deutschland hat eine neue Regierung, Guido Westerwelle ist Aussenminister, er schaut auch gleich vorbei, das nächste Lied heisst: Eintragung ins Nichts.“ Wow, selbstverständlich ist das noch politisch gemeint; ein erster Höhepunkt, und von da geht’s nur aufwärts, immer dichter, und bald haben wir das letzte „Aber“ vergessen: Seine Mitmusiker wirken zwar wie Pappkameraden, aber sie sind so gut, wie sie sein müssen. Jochen in Hochform mit wechselnder Gitarre, oder auch mal ohne, dafür im Tanz mit einer Zigarette: „Hiob“ kommt als extended Dance-Monster, fantastisch, Distelmeyers „Hit The North“ oder „Blindness“; ja, dies ist auch für The-Fall-Fans, und Smiths, Prefab Sprout, Go-Betweens sind hier sowieso tonangebend.
Old Nobody bringt New Wave auf den Punkt und zieht „Indie“ nach vorne. Alle vor der Bühne in Bewegung. Nur noch schiere Verzückung, als drei Gitarren auf Feelies machen, dabei ist es Patti Smiths „Dancing Barefoot“. Das könnten jetzt nur noch die Feelies selbst übertreffen, doch Jochen schraubt sich noch höher: „Pro Familia“, aus dem Blumfeld-Frühwerk, ekstatisch-grandios. „Mein System kennt keine Grenzen“, ein jeder begreift jetzt diesen Titel.
Und zum Ende, nach zwei Zugabeblöcken und zwei Stunden, ist es mit „Murmel“ selbstredend nur ein Song. Wir sind hin und weg, berauscht und bereichert, überglücklich, dass er zurück ist. Es gibt in Deutschland keinen Besseren – Weltklasse, danke, Jochen, heavy brillant! So angeregt zufrieden war unsereiner diesen Herbst nur nach Peter Licht mit Band im Theater Basel. Ein hoffentlich prallvolles Palace in St.Gallen darf sich auf eine Distelmeyer-Sternstunde mit Blumfeld-Nachhilfehappen gefasst machen.
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