Als erste Partei hatte die FDP eine Gegenkandidatin gegen Beni Würth vorgestellt: Susanne Vincenz-Stauffacher (51). Selbst das der FDP nahestehende St.Galler Tagblatt schrieb von einem chancenlosen Unterfangen und einer Alibi-Kandidatur. Die Rechtsanwältin aus Abtwil hat sich bisher in vielen sozialen Organisationen engagiert, darunter als Präsidentin der Opferhilfe St.Gallen und beider Appenzell. Sie amtet als Ombudsfrau Alter und Behinderung, sie engagierte sich bei der Spitex und bei der Frauenzentrale des Kantons St.Gallen. Im Kantonsrat sitzt sie aber erst seit der Septembersession 2018. Noch ist sie ein parlamentarisches Greenhorn.
Am 24. Dezember warteten die Grünen mit ihrer Kandidatur auf: Der Zürcher Soziologieprofessor Patrick Ziltener – auch er ist 51 – soll Beni Würth den Sitz streitig machen. Zwar kennt man ihn in der Stadt St.Gallen dem Namen nach, ist er doch der Sohn des 2014 verstorbenen früheren Stadtrates Erich Ziltener. Doch politisch ist auch er im Kanton St.Gallen unbekannt, und Parlamentserfahrung hat er gar keine.
Und nun kommt die SVP mit ihrem Parteisoldaten: Mike Egger (26), gelernter Metzger und heute Betriebswirtschafter aus Berneck, rutscht gerade für Toni Brunner in den Nationalrat nach. Doch er will – noch bevor er auf Brunners Sitz Platz genommen hat – direkt in den Ständerat. Was da an stramm rechter Politik auf uns zukommen könnte, ergibt sich aus seinen rund drei Dutzend Motionen, Interpellationen und Einfachen Anfragen, die er seit 2012 im St.Galler Kantonsrat alleine oder zusammen mit Fraktionskollegen eingereicht hat: Asyl, Sozialhilfe, Polizei, Verhüllungsverbot, KESB, Spitalprivatisierung, aber auch Nein zur St.Galler Theatersanierung sind seine Themen.
Rein rechnerisch könnte es bei vier Kandidaten mindestens im ersten Wahlgang eng werden. In inhaltlichen, politischen Fragen werden die drei Sprengkandidaten dem Politfuchs aber kaum etwas anhaben können. Drum die Prognose: Der Nachfolger von Karin Keller-Sutter wird Beni Würth heissen. Eine Ausgangslage für eine Wahl, die diesen Namen verdient, ist das nicht.
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.
Es ist seine letzte Session nach zehn Jahren im St.Galler Kantonsrat. SP-Kulturpolitiker Martin Sailer setzt künftig ganz auf den Zeltainer. Das Geld für den Neubau in Wildhaus ist fast zusammen, 2027 soll es losgehen.
Die Ansiedlung des Internet Archive Switzerland in St.Gallen ist Piero Stinelli zu verdanken. Er kontaktierte vor zehn Jahren die Verantwortlichen von archive.org aus eigenem Antrieb. In den 90er-Jahren war der Mitgründer von Vadian.net und Klang und Kleid ein Internetpionier.
Ohm41 stellen wieder aus
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.