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Ein Hauch von Kulturkonsens

Knapp, aber immerhin: Das St.Galler Stadtparlament nimmt die Kürzungen im Kulturkredit zur Hälfte zurück. Dazu beigetragen haben unter anderem zwei Stimmen der CVP - hier die Argumente.

Von  Peter Surber

Hauchdünne Mehrheit für den 90’000-Franken-Zusatzkredit für das neue Naturmuseum, hauchdünne Mehrheit für den Antrag, statt 80’000 nur 40’000 Franken bei der freien Kulturförderung zu streichen: Im Stadtparlament wurde am Dienstag mit grossem Einsatz um kleine Kulturbeträge gerungen.

Am Ende gab beim Naturmuseum den Ausschlag, dass FDP und CVP trotz vorheriger Kritik am Timing des Kredits dennoch zustimmten; die SP unterlag mit ihrer Trotz-Argumentation (wenn kein Geld für freie Projekte, dann auch kein Geld fürs Museum).

Bei den Geldern für freie Projekte setzte sich der Kompromissantrag der Grünen/Grünliberalen am Ende dank zwei einsamen CVP-Stimmen durch. Hochgelobt seien sie dafür: Maria Huber und Martin Würmli brachen aus der bürgerlichen Nein-Allianz aus und setzten damit mehr als ein Zeichen.

Die Fragen an Maria Huber: Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?

Maria Huber: Mein Entscheid, das kulturelle Schaffen der eher alternativen Kultur  mit meinem Abstimmungsverhalten zu unterstützen, beruht auf ein paar Überlegungen:

Die etablierte Kultur (Kunstmuseum  und andere) «spült Geld in die Kasse». Die Ausstellung z.B. von Pipilotti Rist verzeichnete eine grosse Besucherzahl. Damit wurden auch die grossen finanziellen Aufwendungen gedeckt. Ähnliche Publikumsmagnete fördern den Standort St. Gallen. Nicht nur aus ökonomischen Gründen sind Ausstellungen und Preisverleihungen der etablierten Kultur unbedingt beizuhalten. Sie sind auch Zeichen der Wertschätzung gegenüber KünstlerInnen, die einmal klein und jung angefangen haben und bestimmt auch einen langen Weg der Entwicklung gegangen sind, bis sie die notwendige Anerkennung  auch von der politischen Seite erreicht haben.

Die Politik hat die Pflicht, das kulturelle Bewusstsein zu fördern. Darunter fällt auch die sog. Subkultur. Junge KünstlerInnen brauchen ideelle  und finanzielle Unterstützung, damit sie auf ihrem langen Weg der Entwicklung den Mut nicht aufgeben, ihre Visionen zu verwirklichen.  Nicht immer wird ja die Kunst der jungen Menschen verstanden, manchmal sogar belächelt. Mit solchen Reaktionen haben sie zu leben. Wer aber erfüllt ist von innerem Drang, muss öfters auch auf angenehme Seiten des Lebens verzichten. Dann aber sind Anreize, wie sie die Stadt St. Gallen zur Kulturförderung bereit hält, sehr wichtig.

Mein Abstimmungsverhalten hat schliesslich auch mit demokratischem Verständnis zu tun. Die Sparmassnahmen müssen von allen mitgetragen werden. Somit ist die Reduktion von Fr. 40 000.- ein verständlicher Kompromiss.

Und warum, glauben Sie, stehen Sie mit dieser kulturfreundlichen Haltung in Ihrer Partei fast allein?

Maria Huber: Weshalb die Bürgerlichen die Sparmassnahmen unterstützt haben? Einerseits ist es der Sparwille. Andererseits fehlt das Verständnis für «Prozesskultur». Das noch Unfertige, Komische, manchmal Provozierende in Literatur, Musik und darstellender Kunst macht Angst und fragt nach dem Sinn und Zweck. Entscheidend ist aber trotz allem nicht allein, wie viele Steuerfranken der Staat in die Kultur investiert, sondern auch mit welchem Bewusstsein er dies tut. Daran müssen wir noch arbeiten –  ein Auftrag auch an die Schulen. Was klein beginnt und gross endet, hat ja den Boden in der Schule erhalten. Deshalb sind handwerkliche, musische Fächer  wichtig im Lehrplan und sollen nicht der IT-Euphorie zum Opfer fallen.

Soweit Maria Huber, CVP-Stadtparlamentarierin und frühere Primarlehrerin. Ihr Parteikollege Martin Würmli ergänzt, hier werde nach seiner Meinung am falschen Ort gespart: «Wir sind eine Stadt, und eine Stadt braucht ein städtisches Leben.» Dazu gehöre eine vielfältige Veranstaltungskultur – hinter der zudem sehr viel unentgeltliche Arbeit stecke. Dass sich um die Kulturgelder eine Art «Grabenkampf» zwischen den Blöcken entzündet habe, sei für ihn der zweite Grund fürs Ja gewesen: «Ich politisiere gern über die Parteigrenzen hinweg. Es soll um die Sache gehen, nicht um eine Imagefrage.»

«Mehr als symbolisch»: Die Stimmen von Grün und SP

Auch wenn die Beträge klein scheinen – sie sind in der Tat mehr als symbolisch. Das hebt Franziska Ryser von den Jungen Grünen hervor. Schon 3000 Franken von der Stadt könnten bei kleineren, knapp finanzierten (Jugend-)Projekten entscheidend sein, sagt sie und spricht aus eigener Theater-Erfahrung. 40’000 Franken weniger seien immer noch schmerzlich – aber doch gegenüber der ursprünglich geplanten 80’000-Franken-Kürzung ein Lichtblick, meint Ryser, deren Fraktion den Kompromiss ein- und am Ende durchgebracht hat.

Trotz der kulturfreundlichen Ergebnisse könne von einem neuen «Kulturkonsens» über den Links-Rechts-Graben hinweg (noch) nicht die Rede sein, bilanziert SP-Vertreter Etrit Hasler. Umso weniger, als die Gelder im Grunde schon verpflichtend vorbestimmt seien: Als Stadt und Kanton die Subventionsordnung für das Theater St.Gallen neu regelten, stand im Vertrag auch, dass die bei der Stadt frei werdenden Beträge (rund 2,5 Millionen Franken) weiterhin zwingend für Kultur eingesetzt werden müssen.

Den knappen Parlamentsentscheid kommentiert Hasler augenzwinkernd ökonomisch: Mit den Kulturkrediten für die «Kleinen» würden genau solche Projekte gefördert, «die auf ganz ganz ganz viel Freiwilligenarbeit» beruhen und die einen «Return on Investment» bewirkten wie kaum ein anderer Kulturfranken.

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