Auf dem Gallusplatz steht ein grosser Holzwagen, der auf einer Seite aufgeklappt und zur Bühne umgewandelt ist. Ein Artist probt mit Jonglierkeulen, dazu spielt die Band eine wilde Version von Lucy in the Sky with Diamonds. In einer improvisierten Küche mit Gaskocher und Festbank wird nebenan für die Zirkusleute gekocht.
«So funktioniert es bei uns: Alle helfen mit, jeder hat mehrere Aufgaben», sagt Valentin Schroeteler vom Luzerner Strassenzirkus «Compagnie Trottvoir». Schroeteler ist zum Beispiel nicht nur Produzent der Show, sondern auch noch Diabolo-Künstler und Akrobat.
Die zehn jungen Künstler der «Compagnie Trottvoir» haben sich gegenüber einer Luzerner Regionalzeitung auch schon als «ein Haufen Hippies» charakterisiert. Als Beobachter der Proben auf dem Gallusplatz in St.Gallen denkt man: Stimmt irgendwie nicht ganz, vielleicht eher Hipster. Jedenfalls sind die Bärte der Zirkusleute wuchernd oder zum Schnauz getrimmt, die Stimmung ist gut, der Kleiderstil genau in der richtigen Dosierung verchillt.
Das das kein normaler Zirkus ist, zeigt auch die Musikauswahl: Gespielt werden Songs, die auf dem Beatles-Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band basieren – einem psychedelischen Meilenstein der Popmusik.
Zeitgeistige Probleme auf der Bühne
Diesen Sommers reist die «Compagnie Trottvoir» während einem Monat durch sieben Schweizer Städte. Die zehn Zirkusleute haben aber schon einige Tourneemeilen mehr auf dem Buckel: 2012 bespielten sie Plätze in Süd- und Osteuropa, 2014 folgte dann die erste Tour durch die Schweiz.
Verschrieben hat sich die Truppe dem Cirque Nouveau – einer Kunstform, die Zirkus mit Theaterlementen kombiniert. Das Stück Sofort Savoir Vivre, hat also eine Handlung, die mit artistischen Einlagen, Komik und Bandauftritten unterlegt wird.
Sofort Savoir Vivre dreht sich um eine gestresste Feriengesellschaft, die von einer Crew um die Kunstfigur Captain Savoir Vivre betreut werden. Zeit- und Leistungsdruck, die Sehnsucht nach Erholung – die Compagnie zielt mit ihrem Stück also auf zeitgeistige Probleme ab.
Allzu verkopft soll es dabei aber nicht zugehen: «Wir machen Theaterzirkus für alle, die auf der Strasse vorbeikommen und stehen bleiben», sagt Produzent Schroeteler. Interessant sei, dass man als Strassenzirkus sehr direkte Rückmeldungen vom Publikum bekomme. «Der Humor ist überall etwas anders. Das gilt auch für die Plätze, die wir in den Städten bespielen: Wir müssen unsere Show immer wieder etwas neu erfinden», sagt Schroeteler.
Der Trailer zum Stück:
Sehnsucht nach grosser Tournee
Anders als traditionelle, grosse Zirkusse ist die Compagnie schlank und beweglich: Der einzige Bühnen- und Materialwagen kann direkt in die Städte zu den Spielorten fahren und ist innerhalb einer Stunde spielberet. Die Artisten leben nicht in Wohnwagen, sondern kommen bei Freunden und Bekannten unter.
Einziger Nachteil ist laut Schroeteler zurzeit, dass der Bühnenwagen von einem Traktor gezogen wird. «Da wir damit nicht auf die Autobahn können, sind grosse Strecken für unseren Zirkus nicht möglich.» So sei auch die Anzahl der Tourneeorte beschränkt. Insgeheim träumten die Künstler der Compagnie Trottvoir nämlich davon, eine längere Zirkustournee auf die Beine zu stellen: Weiter zu reisen, von ihrem Herzensprojekt zu leben.
Compagnie Trottvoir: Dienstag, 28. Juli, 20 Uhr und Mittwoch, 29. Juli, 16 und 20 Uhr, Gallusplatz St.Gallen
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