Es waren ungewohnte Klänge, die am Mittwochabend den Waaghaussaal erfüllten. Eröffnet wurden die fünften kurdischen Kulturtage mit einem Erbane-Vortrag. Erbane oder auch Endêr sind traditionelle mesopotamische Rahmentrommeln, die in der kurdischen Musik als Solo- oder Begleitinstrument gespielt werden.
Richtig Stimmung kam dann auf, als sich sechs Bağlama-Spielerinnen und -Spieler (türkische Laute) vom kurdischen Gesellschaftszentrum in St.Gallen dazugesellten. «Bîjî Rojavayê Kurdîstanê» – Es leben Rojava und Kurdistan –, sagen alle im Chor und es war nicht zu überhören, welche Bedeutung der «Rojava Marşı» für die gut 60 Anwesenden hat.
Angesichts der schwierigen Situation in Kobanê, Syrien, Iran oder Irak sei es wichtig, die kurdische Kultur feiern zu können, sagte SP-Nationalrätin Barbara Gysi in ihrer Begrüssungsrede. Sie sei keine Nahostspezialistin, wolle mit ihrer Teilnahme an den Kulturtagen aber ein Zeichen der Solidarität setzen. Und an die Verantwortung der Schweiz erinnern: «Wir müssen und sollen mehr Flüchtlinge aufnehmen, als dies im Moment geschieht und unbürokratische Hilfe leisten.» Als reiches Land sei man zudem verpflichtet, sich auch auf internationaler Ebene aktiv für das kurdische Volk einzusetzen.
Basil Oberholzer, für die Grünen im St.Galler Kantonsrat, zeigte sich beeindruckt vom Zusammenhalt, dem Willen und der Ausdauer im Kampf für Kurdistan. Er berief sich auf gemeinsame Ziele wie soziale Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie. Und erntete prompt Applaus für seine Bemerkung zu Abdullah Öcalans Buch über Umweltpolitik.
Peter Tobler vom städtischen Amt für Gesellschaftsfragen betonte, wie wichtig es für den Zusammenhalt sei, dass die kurdischen Traditionen in der Diaspora gepflegt werden – auch bei den nachfolgenden Generationen – und bedankte sich beim Kurdischen Kulturverein für die wertvolle Integrationsarbeit, die er in St.Gallen leiste. «Der Kulturverein ist die erste Anlaufstelle, wo die kurdische Bevölkerung ein Stück Heimat findet.» Er sei eine wichtige Brücke.
Dass der Verein definitiv in allerlei Richtungen Brücken schlagen kann, beweis er am Mittwochabend in musikalischer Form: Mit «Bella Ciao», dem bekannten Soundtrack der italienischen Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg – arrangiert für Bağlama, gesungen von allen.
Weiteres Programm am Donnerstag:
Freitag:
Samstag:
Alle Anlässe finden im Waaghaus St.Gallen statt.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Es war das Jahrzehnt der Kultur: In den 80ern kam die Stadt St.Gallen zu einer Kunsthalle, einem Programmkino, der Frauenbibliothek, der Grabenhalle, genossenschaftlichen Beizen und anderem. Wie das gelang und wer die Fäden zog, zeichnen Ralph Hug und Corinne Schatz im Buch Der grosse Aufbruch nach.
Das Filmdrama Fuori erzählt ein kurzes Kapitel der aussergewöhnlichen Lebensgeschichte italienischen Schriftstellerin, Schauspielerin und Widerstandskämpferin Goliarda Sapienza.
Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
Die St.Galler Festspiel-Oper spielt dieses Jahr im Haus statt auf dem Klosterplatz – ein Glücksfall für Verdis Aida, die menschlich und musikalisch in die Tiefe geht. Modestas Pitrenas dirigiert ein letztes Mal, Ben Baur inszeniert bildstark.
Im Werk 2 in Arbon dreht sich derzeit alles um Mythen. «Sehnsucht Mythos. Wie Geschichten unsere Welt gestalten» ist eine ästhetische Ausstellung, die mit ihrem sehr breiten Mythosbegriff arbeitet und vielfältige Geschichten unter einem Dach vereint.
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.