Die Grabenhalle war zum Bersten voll am Freitagabend. Schulter an Schulter gedrängt warteten die Zuschauer gespannt auf den Beginn des Jubiläumsslams, denn neben Etrit Hasler feierte auch SlamGallen sein 15-Jähriges. Das Line-Up war entsprechend vielversprechend, die Erwartungen gross.
«Es ist mir scheissegal, dass man eine gute Bolognese einen ganzen Tag ziehen lassen sollte, ich habe jetzt Hunger!», startete Nik Salsflausen aus Konstanz als erster Poet des Abends in den Wettbewerb. Moderiert wurde dieser von Richi Küttel und Ralph Weibel, während «Altmeister» Etrit Hasler von der Ersatzbank aus das Spektakel mitverfolgte.
Neben internationalen Gästen wie Nik Salsflausen, Christian Ritter, Marvin Suckut, Katja Hoffmann und René Sydow fanden sich auch Poeten aus allen Ecken der Schweiz auf der Bühne wieder. Neben dem amtierenden Schweizermeister Christoph Simon, traten Dominik Muheim, Remo Zumstein, Marco Gurtner und der Lokalmatador Daniel Wirth im Wettkampf an.
Viel zu erzählen. Wenig Neues.
Neben Klagen über den einen Freund, welcher das Kochen etwas zu ernst nimmt, über den Weihnachtswahn, ungewollten Besuchen im Zoo und internationalen Heldensagen, wurde den Zuschauern Storytelling im grossen Stil geboten. Die Qualität stimmte, sowohl die Texte als auch die Performances konnten sich sehen lassen.
Ausreisser gab es jedoch keine und während politische, sozialkritische oder emotionale Themen kaum oder gar nicht erwähnt wurden, trainierte man zumindest die Lachmuskeln, während alle sechs Minuten ein neuer Protagonist auf eine neue Handlung traf. So war es also nur recht, dass ein Roasting etwas Abwechslung in den Abend brachte.
Charakter. Stil. Persönlichkeit.
«Etrit ist der Beweis, dass man Leute auch dann hassen darf, wenn sie albanische Wurzeln haben», liess die bösartigste Frau der Schweiz, Hazel Brugger, verlauten.
Etrit Hasler, der sich zu seinem 15-jährigen Bühnenjubiläum roasten liess, amüsierte sich sichtlich, als er erst von seinem langjährigen Slam-Kollegen Richi Küttel, dann von Hazel Brugger und schliesslich von seinem langjährigen Freund Juri Santschi gedisst– oder eben geroastet – wurde.
Santschi roastet, Küttel und Brugger könnens sichs nicht verkneifen
Während sich Richi und Juri mit Anekdoten und Vergleichen über den alten Hasen beklagten, ging Hazel unter die Gürtellinie: «Kaum zu glauben, dass du mal ein Ultraschallbild warst, über das sich wer gefreut hat!»
In einem waren sich jedoch alle einig: Etrit würde solange auf der Bühne stehen, bis er tot umfällt. Wie gut das jedoch für die Allgemeinheit sei, ist fraglich.
Finale Gegensätze
Im Slam-Wettbewerb setzten sich Marvin Suckut und Remo Zumstein gegen die anderen Poeten durch und traten in einer finalen Runde gegeneinander an. Während Suckut mit brummiger Stimme seine Liebeslyrik auspackte, liess sich Zumstein in seinem Berner Dialekt über Situationen im Öffentlichen Verkehr aus: «Me laht d’Lüt zersch la usstiege!»
Nach einer spannenden Finalrunde entschied schliesslich die Lautstärke des Applaus: Remo Zumstein ist der Gewinner des Abends!
Zumstein, der Sieger
Während sich die Dichterinnen und Dichter den Whiskey teilten und Etrit seinen Roast noch einmal Revue passieren liess, leerte sich die Grabenhalle allmählich.
Ein schöner Abend ging zu Ende. Oder wie sagte der Sieger des Abends in seinem ersten Text? «Hey! Dankä viu mau. Fü di Isatz!»
Pierre Lippuner, der für Saiten berichtet hat, kommt aus St.Gallen und ist Teil des Slam-Duos Pink im Park.
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