Als Tanz- und Performancekünstlerin wurde Cynthia Gonzales bereits beim Fernsehsender «Arte» ausgestrahlt. Jetzt kommt sie mit ihrem Projekt ¡!WindspeedF400 nach St.Gallen in die Grabenhalle. Das Thema: Autismus. Gonzalez setzt sich darin mit der Wahrnehmung und der Welt eines Menschen mit Autismus auseinander und stellt die Frage, was es bedeutet, «anders» zu sein.
Dem Savant-Syndrom auf der Spur
Protagonistin der Handlung ist eine autistische Frau, gespielt wird sie von Cynthia Gonzales selber. Diese Bühnenrolle ergab sich aus der Summe der Begegnungen, die Gonzales in den letzten vier Jahren mit autistisch veranlagten Menschen und Personen, die mit Autistinnen und Autisten zusammenarbeiten, machte.
Nebst verschiedenen Interviews, Arbeitsgesprächen und alltäglichen Begegnungen mit Menschen, die Erfahrung mit Autismus haben, war für Gonzales vor allem die Gruppe der Autisten mit Savant-Syndrom von besonderer Bedeutung. Das Savant-Syndrom steht für Menschen mit Inselbegabungen, die angeblich vor allem bei männlichen Autisten bekannt sind. Auch die Protagonistin des Stücks hat eine Inselbegabung, die einen zum Schmunzeln bringen kann.
Mit wenigen Worten umschreibt Gonzales ihre Rolle folgendermassen: «Wetter – laut – schrill – Ruhe – innere Ruhe – Ruhepol – Sehnsucht nach Zärtlichkeit – Kontakaufnahme – scheitern – Sturm – Menschensturm – Wut – Entladung – Glücklich sein.»
Spielstadt als Bühnenbild
Die Lichteffekte auf der Bühne sind einfach und unmittelbar gehalten: Die kaltbeleuchtete Aussenwelt des Alltags umgibt eine warme Innenwelt, die durch die Spielstadt der Protagonistin abgebildet wird. Diese Spielstadt als Bühnenbild wird durch eine Komposition aus Papphäusern, bunten Holzklötzen und abstrakten Tonfiguren Teil der Handlung. Auf den ersten Blick hat diese Objektkomposition etwas Kindliches und Verspieltes, und man fragt sich wie bunte Holzklötze und Figuren, die Knetfiguren ähneln, die Welt einer Erwachsenen darstellen können.
Die Soundeffekte umfassen ein breites Spektrum von schönen Klängen bis zu irritierenden, teils unangenehm klingenden Lauten, die von einer tiefen, durchdringenden Stille begleitet werden. In der Inszenierung nehmen die irritierenden Geräusche metaphorisch Anklang auf den Wahrnehmungszustand von Autisten, die selbst kleinste Veränderungen im Alltag irritieren oder beängstigen können. Die durchdringende Stille verweise auf den Charakter ihrer Protagonistin, erklärt Gonzales.
Einstieg in die Inklusionsdebatte
Mit dem thematischen Schwerpunkt «Autismus» wird man dazu eingeladen, sich in die Protagonistin hineinzuversetzen und sich auf den Wahrnehmungszustand von autistischen Mitmenschen einzulassen. Auch gibt das Stück einen Einstieg auf die Integrations- und Inklusionsdebatte unserer Zeit. Gonzales geht auf die hochkomplexe Wahrnehmungslücke zwischen Autisten und Nicht-Autisten ein und gibt damit Raum zur Reflexion gegenüber Vorurteilen in einer Gesellschaft, in der jede und jeder anders ist.
¡!WindspeedF400: 16. und 17. Januar, 20 Uhr, Grabenhalle St.Gallen
grabenhalle.ch
Auch im Bezug zum Standort St.Gallen findet diese Kunstproduktion einen Anschluss. Die Heilpädagogische Schule (HPS) St.Gallen etwa bietet Menschen mit andersartigem Wahrnehmungsspektrum und Ausdrucksvermögen durch die Affolter-Methode (die auch bei Kindern mit Autismus angewendet wird) einen individuellen Ansatz, um mit den Hürden des Alltags umzugehen. Hierzu stellt sich die Frage: Wie trägt das Stück ¡!WindspeedF400 zu einem Arbeitsalltag mit autistisch veranlagten Personen bei?
Am Dienstag und Mittwoch erwartet das Publikum in der Grabenhalle jedenfalls ein durchdachtes Bühnenkonzept, das mit Tanz- und Schauspielelementen über einen klassischen Unterhaltungswert hinausgeht – ein Abend voller Bewegung, Kunst und gesellschaftspolitischem Diskussionspotenzial.
Anja Wein lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.