Ein geschickter Schachzug in der Programmierung, Maurice Ravels Alborada del gracioso als Ouvertüre zu setzen. Ein Brückenschlag zu den folgenden Kompositionen des Abends. Dieses impressionistische Morgenständchen aus dem Klavierzyklus Miroires, von Ravel später orchestriert, hat es in sich.
Es gibt auch ein Zeugnis davon, dass das Herz des Komponisten für die Musik Spaniens schlug. Unzimperlich und mit grossem Bogen malten Chefdirigent Modestas Pitrenas und «sein» Orchester das hochvirtuose Capriccio auf. Leuchtende Farben, sprühende Tonbilder, kecke Rhythmen zum lustvollen Hören.
Die Liebe und der Tod
Peter Lieberson vertonte 2005 fünf der Hundert Liebessonette des chilenischen Dichters Pablo Neruda. Den Zyklus Neruda Songs komponierte er für die Stimme seiner Frau, der Mezzosopranistin Lorraine Hunt Lieberson. Kein Geringerer als Esa-Pekka Salonen mit den Los Angeles Philharmonic leitete die Uraufführung des Kompositionsauftrages. 2006 verstarb Lorraine Hunt Lieberson an Krebs. Ein Abschiedsgeschenk also, aufwühlend.
Inhaltlich künden die Sonette von der Furcht und dem Schmerz der Trennung, davon, dass der Tod keine Macht hat über die Liebe. Die Aura dieses Werkes zum Hörer zu bringen, schien ein sehr persönliches Anliegen von Dirigent Modestas Pitrenas zu sein. Die litauische Mezzosopranistin Ieva Prudnikovaite sang den gut halbstündigen Zyklus ergreifend, ebenfalls mit persönlicher Note. Auswendig und in akzentfreiem Spanisch. Das bleibt hängen!
Amerikanisches Komponieren
Mit den amerikanischen Komponisten ist es so eine Sache! Tonsprachlich bewegen sie sich meistens freier und unbelasteter als ihre europäischen Kollegen. Da ist keine Avantgarde, sind keine Anzeichen von «Neuer Musik».
Bei den Neruda Songs ist zu beobachten, dass die Spannung nach den ersten beiden Liedern zusammenfällt. Es kommt nichts Neues mehr. Nirgends ein Ausbruch, alles bewegt sich im gleichen Lamento-Ton. Der Versuch des Komponisten, dem Stück mit einem Kastagnetten-Rhythmus folkloristisches Lokalkolorit zu verleihen, wirkt schlicht kitschig.
Am Ende sind die Neruda Songs mit ihrer halbstündigen Dauer einfach zu lang. Der Verdacht, dass da einiges mit dem Voicing-Verfahren für Orchester komponiert wurde, liesse sich bei genauerer Betrachtung vielleicht erhärten. Gelangweilt geht man in die Pause.
Applaus, Applaus!
Ein ungleicheres Paar als Modest Mussorgski und Maurice Ravel lässt sich kaum denken. Und doch eroberen die vom Russen original für Klavier komponierten Bilder einer Ausstellung in der Instrumentierung des Franzosen die Konzertsäle, weltweit. Ravel verpasste dem rohen Original ein ästhetisches Korsett, aus dem es kein Entrinnen gibt. Man darf diese feinnervigste Orchestrierung nur genial nennen.
Modestas Pitrenas und dem Sinfonieorchester St.Gallen gelang eine mit- und hinreissende Aufführung des ebenfalls gut halbstündigen, hochkomplexen Werks. Sämtliche Register des Orchesters, können nur hochgelobt werden.
Alle Soli aufnahmereif! Zauberisch in Das alte Schloss, mit aller Schwerkraft in Der Ochsenkarren. Die variierten Tempi von Pitrenas verliehen dem Ballett der Küken in ihren Eierschalen zusätzlich rhythmische Pikanterie. Und erregte Schmunzeln in den Zuhörern. Mit höchster Kraftentfaltung wurde am Ende Das grosse Tor von Kiew errichtet. Applaus, Applaus für eine Aufführung der Extraklasse!
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat
1976 lässt sich Gerd Zikeli in der evangelischen Kirchgemeinde St.Gallen-Straubenzell zum Pfarrer wählen. Drei Jahre später wird er als gut vernetzter Holocaust-Leugner und Vorstandsmitglieder der ersten Neonazigruppe der Schweiz enttarnt. Heute beobachtet er Laufenten.
Bildhauer Peter Kamm haut keine Steine mehr im Atelier. Trotzdem entstehen neue Skulpturen, die aktuell in Steckborn zu sehen sind. Wie geht das?
In vielen Ausserrhoder Dörfern klapperten früher Webstühle und später Stickmaschinen. Inzwischen sind sie alle verstummt. Der Film Das Ende einer Ära porträtiert die Sticker Walter Sonderegger Senior und Junior aus Rehetobel und setzt der Branche ein Denkmal.
Der Schweizer Filmemacher Kaspar Kasics überlässt in seinem neuen Film Das unendliche Jetzt Menschen, die mit Demenz leben, die Bühne. Ein Experiment mit einem aussergewöhnlichen Storytelling, auf das es sich einzulassen lohnt.
Die Schweizer Rocklegenden Krokodil haben kürzlich ihr neues Album Beyond The Eye veröffentlicht. Ur-Krokodil Düde Dürst schwärmt von der Energie der 2019 wiederbelebten Band – und hat noch lange nicht genug. Am Freitag spielen sie in der Grabenhalle.
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Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.