Der Innenhof der Lokremise ist zurzeit ein guter Ort, um laue Sommerabende zu verbringen. Als Alternative zu den grossen Openair-Kinos in Arbon oder im St.Galler Kantipark zeigt das Kinok dort seit letzter Woche Klassiker und Schräges unter dem Titel «Blond!». Heute Abend zum Beispiel läuft mit À bout de souffle von Jean-Luc Godard aus dem Jahr 1960 eines der Highlights des Openair-Programms.
Der Film erzählt die Geschichte des Kleingangsters Michel Poiccard (Jean-Paul Belmondo), der mit einem gestohlenen Auto von Marseille nach Paris unterwegs ist. Nachdem er bei einer Kontrolle einen Polizisten erschiesst, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich bei der amerikanischen Studentin Patricia (Jean Seberg) zu verstecken.
Das Kino revolutioniert
«Bei À bout de souffle war sofort klar, dass er einer der 20 Filme sein wird, die wir im Sommer zeigen werden», sagt Marina Schütz vom Kinok. «Er ist einer meiner Lieblingsfilme. Ein Kultfilm, mit dem Godard mit seiner Jump-Cut-Schnitttechnik, also sprunghaften Bildübergängen, das Kino revolutioniert hat. Bis heute ist er Vorbild für viele junge Regisseurinnen und Regisseure.» Die Kinobesucher werden sich demnach schnell verlieben in dieses Road Movie, das Krimi und Liebesgeschichte zugleich ist.
Match Point (2005) von Woody Allen ist ein weiterer genialer Film, der im Juli am Openair in der Lokremise laufen wird. Die Spannung ist kaum auszuhalten. Nie ist klar, ob der raffinierte Mord des skrupellosen Ex-Profispieler Chris Wilton (Jonathan Rhys Meyers) an seiner Geliebten Nola (Scarlett Johansson) aufgeklärt wird oder nicht.
Unschuld und Verführung
Hauptkriterium für die Filmauswahl waren die Schauspielerinnen. «Bei Scarlett Johansson etwa ist es unglaublich, wie gut sie mit dem Image von Marilyn Monroe spielt», sagt Marina Schütz. Im Kinok ein Programm zum Thema Blond zusammenzustellen sei schon länger geplant gewesen – ein Thema mit vielen Facetten: «Allein das Wort Blond weckt unzählige Assoziationen wie etwa Unschuld und Verführung oder lässt einen an Sex-Symbole wie Marilyn Monroe und Brigitte Bardot denken.» Das Kulturmagazin «Du» hat dem Phänomen Blond schon im Juli 1999 eine gesamte Ausgabe mit dem Titel Die Blondine. Eine Enthüllung gewidmet.
Auch Alfred Hitchcock, der mit seinem Film Rear Window (1954) in der Lokremise vertreten ist, ist bekannt für seine Affinität zu blonden Darstellerinnen. «Bei seinen Filmen ist das gängige Geschlechterverhältnis allerdings genau umgekehrt. Die blonde Frau ist nie naiv und sie ist immer, auch sexuell, der aktive Part. Die Männer hingegen sind passiv und oft Versager», sagt Schütz.
So ist es auch in Rear Window: Der Fotoreporter Jeff (James Stewart) ist in seiner Wohnung an den Rollstuhl gefesselt, während seine Verlobte Lisa (Grace Kelly) in der gegenüberliegenden Wohnung ein Verbrechen aufzuklären versucht.
Kino wie früher
Nicht nur die Filme führen das Publikum im Kinok zurück in die Vergangenheit, sondern auch das Filmerlebnis selbst. So werden alle Openair-Filme im Format 35 Millimeter gezeigt – was im digitalen Zeitalter normalerweise kein Kino mehr macht. Die Bildqualität wird HD-Verwöhnte vielleicht enttäuschen, dafür ist der Film aber spürbar, mit Nebengeräuschen, ursprünglichen Farben und richtigen Filmrollen.
Laut Marina Schütz handelt es sich bei den Filmen zum Teil um heikle Kopien aus Archiven. Es sei daher schwierig gewesen, alle gewünschten Filme zu bekommen. «Marilyn Monroe ist wohl die berühmteste Blondine. Es war klar, dass ein Film mit ihr ins Programm muss. Leider konnten wir keine einzige 35mm-Kopie mit Untertiteln bekommen», sagt sie. «Deshalb haben wir uns entschieden, Gentlemen prefer Blondes im Kinosaal digital zu zeigen.»
Die meisten Filme, die im Kinok-Sommerprogramm laufen, haben Kultstatus. «Passend zum Sommer haben wir aus ihnen ein heiteres, beschwingtes und spannendes Programm zusammengestellt», sagt Schütz. Es gebe von allem etwas: Wunderbare Komödien, mitreissende Actionfilme und mit L.A. Confidential auch eine Liebeserklärung an den klassischen Film Noir und seinen Star Veronica Lake.
Alle Filme und Infos auf kinok.ch. Bei Regen werden alle Filme im Kinosaal gezeigt.
Gestaltung: Michael Schoch
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