Kategorie
Autor:innen
Jahr

Eine Wucht

Die ersten zwei Busperron-Dächer auf dem St.Galler Bahnhofplatz lösen Kritik aus: zu wuchtig, zu unsensibel platziert und viel zu hoch.
Von  René Hornung

An der Kornhausstrasse, zwischen den historischen Gebäuden der UBS und des früheren Tourismusbüros, stehen die ersten beiden Exemplare der neuen Busperron-Dächer. 4,5 Meter hoch, massive Stahlbauten, in einem Allerweltsgrau und jenes auf der Ostseite fast direkt an die historischen Fassaden des Bankgebäudes platziert. Die Kritik folgt auf dem Fuss: zu wuchtig, rücksichtslos und so hoch, dass man bei Regen nass wird. Der Architekt sieht das anders – seine Stellungnahme ist hier.

dach1

Für Giraffen? Für Doppelstöcker!

Stadtingenieur Beat Rietmann erklärt, dass die Dimension das Resultat einer «Optimierung aus den zahlreichen, unterschiedlichen Anforderungen» sei. Gefordert wurde, dass ein vier Meter hohes Doppelstock-Postauto unter die Dächer fahren kann. Man wollte Dächer, die über die Trottoirkante in die Strasse hinausragen, damit die Fahrgäste auch beim Ein- und Aussteigen ein Dach über dem Kopf haben. Das Resultat sind die gut 4,5 Meter über dem Boden schwebenden Balken.

Die Kritik, dass ein so hoch liegendes Dach bei Regen wenig nützt, relativieren sowohl der Stadtingenieur als auch Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner. Würde man tiefer liegende Dächer bauen, könnten diese nicht bis zur Trottoirkante reichen, denn die sich seitlich neigenden Busse – die so das Ein- und Aussteigen erleichtern — würden sonst die Dachkante touchieren. Ein tiefer montiertes, dafür aber schmaleres Dach nütze bei Regen nicht mehr als das höher liegende, aber breitere Dach. Dies hat Rechsteiner am Beispiel eines mit 30 Grad einfallenden Regens skizziert. Der Praxistest steht aber noch aus, denn die Dächer sind erst provisorisch mit Blachen abgedeckt. Die Gläser haben «einige Wochen» Lieferverzögerung, wie der Stadtingenieur kürzlich mitteilte.

stleonhard1914

St.Leonhard 1914

Die Denkmalpflege wurde nicht gefragt

Die betrieblichen Anforderungen sind das eine, die Platzierung direkt vor den historischen Fassaden der beiden Häuser an der Kornhausstrasse, das andere. In den Jahren 1907/1908 entstanden die beiden Gebäude gleichzeitig. Zum einen das Eckhaus zur St.Leonhardstrasse als Sitz der Toggenburger Bank, geplant von den Architekten Curjel und Moser. Zum anderen, direkt angebaut, das Haus Kornhausstrasse 7 ursprünglich der Sitz der Stickerei Labhard, geplant von den Architekten Pfleghard und Haefeli. Vor den beiden grünlichen Sandsteinfassaden stehen nun die massiven, alltagsgrauen Stahlkonstruktionen. «Wir wurden nicht konsultiert», ist Denkmalpfleger Niklaus Ledergerber mit öffentlicher Kritik zurückhaltend.

Visualisierung2

Visualisierung der neuen Bahnhofshalle

Wie wirken die Dächer, die in den gleichen Dimensionen auch auf dem Bahnhofplatz aufgestellt werden? Man werde sie dann zusammen mit dem neuen Dach, das über dem Treppenaufgang zwischen Bahnhof und Rathaus erstellt wird, als Ensemble wahrnehmen, sagt Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner. Die Gestaltung sei die konsequente Umsetzung des siegreichen Projekts des Bahnhofplatz-Wettbewerbs. Die Jury hatte sich damals für den Vorschlag «Akari» des Zürcher Architekturbüros Giuliani Hönger entschieden. Auf den Visualisierungen waren die hohen Dächer bereits erkennbar. Rechsteiner räumt aber ein, dass das Dach vor den historischen Gebäuden an der Kornhausstrasse «diskutierbar» sei. Allerdings falle es als besonders massiv auf, weil es relativ kurz ist und die Strasse zudem noch ein Gefälle aufweist. In der Längsrichtung auf dem Bahnhofplatz ergebe sich eine andere Wirkung.

Ob die 4,5 Meter hohen, mit Gittern und Glas abgedeckten Dächer den Blick auf den baugeschichtlich wichtigen St.Galler Bahnhofplatz beeinträchtigen werden, wird sich erst in einer späteren Bauphase zeigen. Immerhin wird der Lämmlerbrunnen mit seiner Höhe von 8,5 Meter die neuen Dächer noch überragen.

«Zerdächerung der Bahnhofplätze»

St.Gallen ist nicht die einzige Stadt, die sich mit Busperron-Dächern schwer tut. Die Architekturzeitschrift «Hochparterre» kritisierte schon vor drei Jahren die «Zerdächerung der Bahnhofplätze» und schrieb: «Dachmonster fressen Bahnhofplätze.» Perfektionismus, Geldüberfluss und Gestaltungswut seien die Ursachen. Der Text nannte 18 Beispiele, darunter Aarau Baden, Lenzburg, Sitten oder die Tramperron-Dächer am Flughafen Zürich. Zum Projekt St.Gallen hiess es damals: «Auf den bisherigen Bildern sieht man die neuen Perrondächer auf dem Bahnhofplatz kaum. Das ist ein gutes Zeichen. Darf hier Dach wieder einmal Dach sein?»

In St.Gallen wird nicht zum ersten Mal über Haltestellendächer diskutiert. Die beiden sehr unterschiedlichen, gestalterisch ambitionierten Beispiele – das eine an der Haltestelle Blumenbgerplatz, das andere am Spisertor – sind in die Kritik geraten, weil sie beide schlecht vor Regen schützen – das Dächlein am Spisertor nützt gar nichts.

Bilder: Giuliani Hönger (Visualisierungen) / Sammlung Uhler / Su.

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3.

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558