Kategorie
Autor:innen
Jahr

Es kamen Menschen und Musik

Das Nachtasyl bietet noch bis am 9. Juni Konzerte, Filme und Gespräche für eine menschliche Asylpolitik. Den Auftakt machten die Musikdozenten von AYKU mit ihren deutsch-türkischen Gastarbeiter-Songs.
Von  Corinne Riedener

Die zweite Nachtasyl-Reihe startete mit einem Rückblick im gutbesuchten Palace, mit einer musikalischen Reise durch 50 Jahre Deutsche Einwanderungsgeschichte. Nacherzählt wurde diese vom Berliner Autor Imran Ayata (rechts) und dem Münchner Künstler Kullukcu – zusammen sind sie AYKU. Im Oktober erschien ihre Compilation Songs of Gastarbeiter Vol. 1 bei Trikont, seit März ist sie auch auf Vinyl zu haben.

aykuDas Rezept der beiden ist so simpel wie genial: Sie durchforsten Archive, Plattenläden oder Musiksammlungen von Verwandten und Bekannten, immer auf der Suche nach musikalischen Perlen der ersten Einwanderergeneration. Diese stellen sie anschliessend samt Hintergrundinfo ihrem Publikum vor, manchmal mit eigenen Remixes. Kommentiertes Auflegen nennt sich das Ganze. Oder betreutes Nachdenken, aber das ist Ansichtssache.

Jedenfalls ist diese türkische «Geschichtsstunde» eine ganz fantastische Idee. Nicht nur, weil Ayata und Kullukcu ein politisch und gesellschaftlich hoch sensibles Thema anpacken und erst noch humoristisch verpacken – gekonnter übrigens als die eidgenössische Komik-Gilde. Das erfrischende an dieser Lektion ist vor allem die Attitüde: nicht am Gestern zu leiden.

Das bedeutet nicht, dass Ayata und Kullukcu die Sorgen und Schwierigkeiten der Gastarbeiterinnen und -arbeiter nicht ernst nehmen würden, im Gegenteil, viele der vorgestellten Songs handeln von Themen wie Arbeit, Heimweh, Ausgrenzung oder Religion. Cem Karaca, Frontmann von «Die Kanaken» etwa zitiert auf seinem gleichnamigen Album (1984) sogar explizit den Schriftsteller Max Frisch. «Es wurden Arbeiter gerufen. Doch es kamen Menschen an», singt Karaca im Refrain.

Ayata und Kullukcu wissen definitiv um die schweren Herzen ihrer Eltern und Grosseltern damals, aber sie wissen eben auch, wie man konstruktiv auf Problemen rumhackt. Abgesehen davon ist es ja nicht so, dass diese nicht immer noch dieselben wären, nur dass heute andere darunter leiden. Auch das wird deutlich beim Hören der Gastarbeiter-Songs.

Konstruktiv ist das kommentierte Auflegen aber auch, weil Ayata und Kullukcu es nie ohne Selbstironie tun, weil sie den Skeptikern von damals und heute dauernd einen fast schon bemitleidenswerten Spiegel vorhalten und weil sie weltgeübt hin- und herpendeln zwischen «Almanya» und «Türkiye», im Kopf wie im Auto.

AYKU kommen offenbar gar nicht erst auf die Idee, sich oder die einstigen Gastarbeiter als zu Opfer präsentieren. Das ist erfrischend, denn so haben die Ewiggestrigen immerhin keine Macht über die Gefühle. Vielleicht nehmen sie damit auch jenen etwas Wind aus den Segeln, die immer so wahnsinnig unentspannt sind, wenn es um Humor in Verbindung mit Migration geht – jene, die sich für «Opfer» einsetzen statt für Menschen.

 

 

Ein AYKU-Portrait des Bayrischen Rundfunks:

 

Weitere Veranstaltungen der diesjährigen Nachtasyl-Reihe:
29.5.: Pingpong vs. Rassismus, 20.30 Uhr, Grabenhalle St.Gallen
30.5.: Volksküche und Vortrag, 20.30 Uhr, CaBi Antirassismustreff
30.5.: The Strapones, Punk um 22 Uhr, Schwarzer Engel
05.6.: Fremd, ein Film über einen jungen Malier, 19.30 Uhr, Frauenpavillon
05.6.: Fortress Europe, Vortrag von Gabriele del Grande, 20.15 Uhr, Palace
06.6.: Débruit & Alsarah, 21 Uhr, Treppenhaus Rorschach
07.6.: Interkulturelles Picknick, 14 Uhr, Kantipark St.Gallen
08.6.: Life in Paradise, 11 Uhr, Kinok
09.6.: 10-Jahr-Jubiläum Solinetz, 14 Uhr, Grüningerplatz

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Mit 1000 Um­dre­hun­gen durch den All­tags­irr­sinn

Das muss­te ja so kom­men! Es konn­te nicht bei ei­nem blei­ben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zwei­te gros­se, schwe­re Psy­cho­buch von Be­ni Bi­schof. Dar­in ver­wir­belt der Künst­ler er­neut Ei­ge­nes, Frem­des, Be­fremd­li­ches, Be­kann­tes, Neu­es, Un­kennt­li­ches mit lo­cke­rer Hand, Hu­mor und Hin­ter­sinn.

Von  Kristin Schmidt
2606 Psychobuch 2

Auf­he­ben, ver­kau­fen oder zer­stö­ren?

Die Son­der­aus­stel­lung «Bau­stel­le Er­in­ne­rung / ‹Hit­ler ent­sor­gen› – Ar­bei­ten am be­las­te­ten Er­be» im Vor­arl­berg Mu­se­um in Bre­genz be­schäf­tigt sich da­mit, wie ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Um­gang mit Ge­gen­stän­den aus der NS-Ver­gan­gen­heit aus­se­hen kann. Aus­ser­dem be­rät das Mu­se­um Pri­vat­per­so­nen, die sol­che Ge­gen­stän­de be­sit­zen.

Von  Sieglinde Wöhrer
S0 A2501 Ausstellung Baustelle Erinnerung Foto Petra Rainer 1

Ge­trennt ge­mein­sam und mit gu­ter Aus­sicht

For­rer Stie­ger Ar­chi­tek­ten ge­lingt mit dem Drei­fach­kin­der­gar­ten und der Ta­ges­be­treu­ung im Hei­lig­kreuz­quar­tier in St.Gal­len die Qua­dra­tur des Krei­ses.

Von  Ursula Badrutt
01 260504 GBO2602 0101 MAX web

Should I Stay or Should I go

Es geht um uns Men­schen und un­ser son­der­ba­res und ver­hee­ren­des Ver­hal­ten. «Hu­mans» heisst die gros­se Ein­zel­aus­stel­lung des Ost­schwei­zer Künst­lers Olaf Breu­ning. Vie­le Ar­bei­ten sind spe­zi­ell für die Schau im Mu­se­um Al­ler­hei­li­gen in Schaff­hau­sen ent­stan­den. 

Von  Ursula Badrutt
2025 06 02 Ausstellungsaufnahmen 14

25 Jah­re Rock am Wei­er

In Wil fand am Wo­chen­en­de das Rock am Wei­er statt. Seit 25 Jah­ren gibt es das Fes­ti­val, und trotz in­zwi­schen grös­se­rer Na­men ist es im­mer noch kos­ten­los. Ein Ver­ein or­ga­ni­siert es nicht-pro­fit­ori­en­tiert und för­dert re­gio­na­le Acts. Un­se­re Au­torin ist an den Ort ih­rer mu­si­ka­li­schen So­zia­li­sa­ti­on zu­rück­ge­kehrt. Ei­ne Re­por­ta­ge. 

Von  Elisa Faes
Rock am weier elisa faes 1

Kolumne: 24/7 Traumacore

Spring Is Co­ming Wi­th A 425mg Pas­si­ons­blu­men-Dra­gée In The Mouth

Von  Mia Nägeli

Ausstellung im Museum Rosenegg

Fri­sches Wis­sen fürs Mu­se­um

Von  Vera Zatti
Uu Kirchenfenster

Kabarett in Herisau

Apo­ka­lyp­se ist auch nicht al­les

Von  Vera Zatti
P1200733 x jpg

«Es geht dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein»

De­bat­ten um Ma­chis­mus, Deepf­ake-Por­nos, häus­li­che Ge­walt und Fe­mi­zi­de sind bei­na­he all­täg­lich. Was kön­nen Män­ner ge­ra­de tun, wenn sie un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­ra­ten? Frau­en­haus­lei­te­rin Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, Flo­rance Hil­de­brand vom fe­mi­nis­ti­schen Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann vom Fo­rum Mann dis­ku­tie­ren Lö­sungs­an­sät­ze.

Von  Daria Frick , Bilder:  Lea Le
Bildschirmfoto 2026 06 11 um 12 25 26

Kommentar zur SVP-Chaosinitiative

Aus­län­der:in­nen sind nicht nach­hal­tig

Von  Christoph Keller
Nachhaltigkeitsinitiative

30 Jah­re Ar­chi­tek­tur­ver­mitt­lung

Das AFO, das Ar­chi­tek­tur Fo­rum Ost­schweiz, dis­ku­tiert und ver­mit­telt seit 30 Jah­ren Bau­kul­tur. Am kom­men­den Frei­tag wird das Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und die neus­te Ar­ti­kel­se­rie der gu­ten Bau­ten als Buch prä­sen­tiert.

Von  René Hornung
2511 Gutes Bauen 1 Ladina Bischof

Im zwei­ten An­lauf: Kan­tons­rat sagt Ja zu Mi­na­sa 

Mi­na­sa be­kommt al­so doch Geld aus dem Lot­te­rie­fonds: Der Kan­tons­rat hat dem von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur.ch auf­ge­bau­ten Pro­jekt, das den gröss­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Ost­schweiz er­mög­licht, die Fi­nan­zie­rung für drei wei­te­re Jah­re ge­si­chert.

Von  David Gadze
Kantonsrat Sommersession 2026 Benjamin Manser St Galler Tagblatt

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

In eigener Sache

Ein Be­kennt­nis zu Mi­na­sa 

Von  Marc Jenny

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von  Daria Frick

Theateraufführung

Des Nachts im Wal­de

Von  Vera Zatti
VLT Sujet WEB Sommenacht2

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher

Wor­an soll man noch glau­ben?

In ei­ner neu­en Aus­stel­lung wagt sich das Kunst­mu­se­um Thur­gau in der Kar­tau­se It­tin­gen an ei­ne Neu­ver­mes­sung des Ver­hält­nis­ses von Kunst und Re­li­gi­on.

Von  Michael Lünstroth
O0 A5990 02

St.Gal­len plant Kon­sum­raum für Sucht­kran­ke

Hin­ter dem St.Gal­ler Haupt­bahn­hof soll ein Kon­sum­raum für Men­schen mit schwe­ren Sucht­er­kran­kun­gen ent­ste­hen. Die­se Wo­che ha­ben die Stadt und die Stif­tung Sucht­hil­fe An­woh­ner:in­nen ein­ge­la­den, um ei­nen ers­ten Dia­log zu star­ten. 

Von  Philipp Bürkler
Liegeschaft Lagerstrasse 2 4