Eigentlich ist doch alles gut bei uns: Ein Eggersrieter Bauer räumt sein Feld für ein schottisches Trio, das in der Royal Albert Hall das Publikum Shame on you für Premierministerin Theresa May singen liess (Young Fathers). Berns Popband der Stunde, Jeans for Jesus, wird uns hoch über dem Bodensee die schönste Reminiszenz an die Bratwurst säuseln («Estava-yeah, Bratwurscht am Meeeer»). The German Wunderkind Konstantin Gropper wird als Get Well Soon über goldene gebrochene Herzen singen, getragen von Glockenspiel und Beach-Boys-esken Harmoniestimmen.
Das alles findet vor dunkelgrünen Tannen und einem Backdrop direkt aus der hochauflösenden Broschüre von Bodensee Standortmarketing statt: Sur Le Lac wird zehn Jahre alt und feiert sich mit gewohnt überzeugender Programmierung und nicht-musikalischen Stimmungsaufheiterern – Wald und See, Pastrami und Lichterketten. Sowie, dem runden Geburtstag zuliebe, mit einer Bonusnacht.
Zum ersten Mal wird also der Hügel an zwei Tagen zum Festgelände: Zum Jubiläumskonzert am Freitagabend spielen Get Well Soon (DE) und Ex-Batman Crimer, der sich aus dem Rheintal an die grossen Schweizer Openairs gespielt und getanzt hat. Am Samstag gehts ab dem Mittag los, bis tief in die Nacht, bevor es dann für die meisten mit Spezialbussen und viel zu vielen Kurven zurück ins Tal geht.
Sur Le Lac 2017: 11. und 12. August, Eggersrieter Höhe surlelacfest.ch
Seit 2008 ist das Sur Le Lac stetig gewachsen: Zur ersten Ausgabe kamen 350 Leute, neun Spätsommer-Wochenenden später waren es bereits über 2000. Gewachsen sind auch die Eintrittspreise: von 15 auf 40 Franken (Ticket für Samstag). Wer das diesjährige Festival-Lineup mit früheren vergleicht, ahnt schnell, wo das Geld hinfliesst: Die Acts sind internationaler geworden, auch grosse Namen in der Alternative-Szene konnten gebucht werden, ohne jedoch die lokale – oder bisweilen nationale – Szene zu vergessen.
Bei allem Jubel könnte man einwenden, dass beim Jubiläum ein weiblicher Act fehlt (bis auf das gemischte Indiepop-Kollektiv All XS (CH)), oder dass das M4Music in Zürich die Hälfte der Acts bereits für seine Ausgabe im März gebucht hat.
Auch die richtig düsteren Klänge bleiben dieses Jahr aus, aber allen Recht machen wird man es bei grösseren Veranstaltungen bekanntlich sowieso nie, und ohne Noise bedeutet ja auch nicht nur leise: Die eingangs erwähnten Young Fathers aus Schottland, Mercury Prize-Gewinner mit Attitüde, tanzen auf der Bühne mit Fäusten in der Luft und verspielen sich in ihrer Heimat trotz eingängigen Refrains mit Sozialkritik das Airplay und auch die Tantiemen («Nothing but a bare faced lie / Is all you cunts can hold on to»).
Manifeste aus Rap, Rock’n’Roll, Soul, Gospel, mal wütend, mal euphorisch: Es wird wieder laut auf dem Hügel, lass uns hingehen!
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.