«Der Durchbruch ist noch nicht gelungen»: Das sagte Stadtrat und Schulvorstand Markus Buschor vor ziemlich genau zwei Jahren an der letzten Orientierung zur Flade-Zukunft. «Der Durchbruch ist gelungen» hiess es heute jetzt.
Der Durchbruch: Stadt und katholischer Konfessionsteil haben sich nach mehrjährigen Verhandlungen auf die künftige Stellung der Flade innerhalb der städtischen Oberstufe geeinigt. Nötig wurde die Neuordnung, weil der Kanton im Entlastungsprogramm 2013 seinen traditionellen Beitrag an die Schule gestrichen hatte.
Diskriminierungsfrei
Die wichtigste Änderung: Die Flade bleibt zwar eine unabhängige Schule, wie Schulratspräsidentin Margrit Stadler vor den Medien erklärte – jedoch ohne den bisherigen «Katholikenvorrang». Sie wird, so Markus Buschor, «diskriminierungsfrei und unentgeltlich» für alle Oberstufen-Schülerinnen und -Schüler der Stadt zugänglich, ungeachtet von Geschlecht, Einkommen und Konfession.
Das war der Knackpunkt: Bislang galten und gelten für die Flade unterschiedliche Zugangsbedingungen. Einerseits religiöse: Katholische Kinder besuchen die Schule gratis, Kinder anderer Konfessionen zahlen ein Schulgeld von 8000 Franken jährlich. Andrerseits leistungsmässige: Heute ist die Flade ausschliesslich eine Sekundarschule, Realklassen gibt es nicht.
Beides, so hat es ein Gutachten des HSG-Juristen Bernhard Ehrenzeller festgestellt, ist nicht verfassungskonform. Im Klartext: Die Stadt St.Gallen wäre schon heute verpflichtet, für die vollen Kosten aller eigenen städtischen Schülerinnen und Schüler aufzukommen – ob an der städtischen Oberstufe oder an der Flade. Die Flade ihrerseits wäre schon heute verpflichtet, allen Jugendlichen offen zu stehen, ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Leistungsfähigkeit, ihrer sozialen oder religiösen Herkunft.
Soviel juristischen Klartext hat es offensichtlich gebraucht, bis die Flade-Verantwortlichen den entscheidenden Schritt zu machen bereit waren: auf die Privilegierung der katholischen Kinder und Eltern zu verzichten.
Türe auf: die Buebeflade im Stiftsbezirk.
In allen Schulhäusern Real und Sek
Und so sieht die Oberstufen-Schule der Zukunft in der Stadt St.Gallen mit ihrer doppelten Schul-Trägerschaft aus:
Die Flade führt künftig sowohl eine Real- wie eine Sekundarschule. Sie wird rollend eingeführt ab dem Schuljahr 2019/20. Sie erhält von der Stadt Schulgelder in der Höhe von rund 3 Millionen Franken jährlich – der katholische Konfessionsteil wird um diesen Betrag entlastet.
Die Stadt führt ihrerseits in allen Oberstufen-Schulhäusern sowohl Sek- als auch Realklassen ein, und dies bereits ab Sommer 2017 – bisher waren die Schulhäuser Buchental und Engelwies ausschliesslich für Realschüler reserviert. Damit gelingt, so Stadtrat Markus Buschor, ein entscheidender erster Schritt im Hinblick auf eine künftige integrierte Oberstufe, wie sie das Konzept «Oberstufe 2020» des Stadtrats vorsieht.
Die Wahl – und das Los
Die Eltern können wählen, ob sie ihr Kind in die Flade oder in die städtische Oberstufe schicken wollen. Für die Flade gilt dabei vorerst eine Obergrenze von maximal 30 Prozent aller Sechstklässlerinnen und Sechstklässler – ob diese Zahl richtig ist, damit will man Erfahrungen sammeln. Die Flade könnte laut Stadler bis etwa 500 (statt heute 310) städtische Schülerinnen und Schüler beschulen. Wird die Obergrenze bei den Anmeldungen überschritten, entscheidet (unter notarieller Aufsicht) das Los unabhängig von der Konfession.
Stadtrat Buschor spricht von einem historischen Entscheid: «Erstmals in der Geschichte des städtischen Schulwesens gibt es auf der Oberstufe einen unentgeltlichen Bildungsplatz für alle». Damit werde das wichtigste Ziel erreicht: die gleichberechtigte schulische Integration aller Schülerinnen und Schüler auf Stadtgebiet.
Türe auf: die Meitleflade an der Moosbruggstrasse.
«Katholische Prägung» bleibt
Allerdings: Die beiden Schulträger behalten je ihre Unabhängigkeit. Das heisst zum einen, dass eine künftige integrative Oberstufe in den städtischen Schulen anders aussehen kann als in der Flade. Und es heisst zum zweiten, dass die Flade ihre Besonderheiten behält: Weiterhin werden die Buebeflade (im Klosterareal) und die Meitleflade (im Gallusschulhaus) separat geführt, neben dem gemischten dritten, dem Notkerschulhaus an der Lindenstrasse. Und weiterhin verstehe sich die Flade, so Margrit Stadler, als «christliche Schule katholischer Prägung». Gemeinschaftliche Projekte wie Besinnungstage oder auch eine Wallfahrt soll es weiterhin geben, doch würden für nichtkatholische Kinder Parallelprogramme angeboten.
Die Flade bietet damit auch in Zukunft geschlechtergetrennte (se-eduzierte) Klassen an. Und das könnte, wie die Schülerzahlen bereits jetzt andeuten, vermehrt auch für moslemische Eltern attraktiv sein, die ihre Mädchen gern in einer getrennten Schule sehen.
Für die städtische Oberstufe fällt mit der Zusammenführung von Real- und Sekklassen in allen Schulhäusern ein Stück Schubladendenken weg. Buschor sieht darin die grosse Chance, weiterzukommen auf dem Weg Richtung Chancengerechtigkeit und Förderung der individuellen Fähigkeiten aller Schülerinnen und Schüler.
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