Kategorie
Autor:innen
Jahr

Flade: Schluss mit «Katholikenvorrang»

Die Flade wird zu einer normalen städtischen Oberstufe – beinah. Das steht jetzt, nach langen Verhandlungen zwischen Stadt St.Gallen und katholischem Konfessionsteil, fest. Am Mittwoch wurde orientiert.
Von  Peter Surber

«Der Durchbruch ist noch nicht gelungen»: Das sagte Stadtrat und Schulvorstand Markus Buschor vor ziemlich genau zwei Jahren an der letzten Orientierung zur Flade-Zukunft. «Der Durchbruch ist gelungen» hiess es heute jetzt.

Der Durchbruch: Stadt und katholischer Konfessionsteil haben sich nach mehrjährigen Verhandlungen auf die künftige Stellung der Flade innerhalb der städtischen Oberstufe geeinigt. Nötig wurde die Neuordnung, weil der Kanton im Entlastungsprogramm 2013 seinen traditionellen Beitrag an die Schule gestrichen hatte.

Diskriminierungsfrei

Die wichtigste Änderung: Die Flade bleibt zwar eine unabhängige Schule, wie Schulratspräsidentin Margrit Stadler vor den Medien erklärte – jedoch ohne den bisherigen «Katholikenvorrang». Sie wird, so Markus Buschor, «diskriminierungsfrei und unentgeltlich» für alle Oberstufen-Schülerinnen und -Schüler der Stadt zugänglich, ungeachtet von Geschlecht, Einkommen und Konfession.

Das war der Knackpunkt: Bislang galten und gelten für die Flade unterschiedliche Zugangsbedingungen. Einerseits religiöse: Katholische Kinder besuchen die Schule gratis, Kinder anderer Konfessionen zahlen ein Schulgeld von 8000 Franken jährlich. Andrerseits leistungsmässige: Heute ist die Flade ausschliesslich eine Sekundarschule, Realklassen gibt es nicht.

Beides, so hat es ein Gutachten des HSG-Juristen Bernhard Ehrenzeller festgestellt, ist nicht verfassungskonform. Im Klartext: Die Stadt St.Gallen wäre schon heute verpflichtet, für die vollen Kosten aller eigenen städtischen Schülerinnen und Schüler aufzukommen – ob an der städtischen Oberstufe oder an der Flade. Die Flade ihrerseits wäre schon heute verpflichtet, allen Jugendlichen offen zu stehen, ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Leistungsfähigkeit, ihrer sozialen oder religiösen Herkunft.

Soviel juristischen Klartext hat es offensichtlich gebraucht, bis die Flade-Verantwortlichen den entscheidenden Schritt zu machen bereit waren: auf die Privilegierung der katholischen Kinder und Eltern zu verzichten.

flade1

Türe auf: die Buebeflade im Stiftsbezirk.

In allen Schulhäusern Real und Sek

Und so sieht die Oberstufen-Schule der Zukunft in der Stadt St.Gallen mit ihrer doppelten Schul-Trägerschaft aus:

Die Flade führt künftig sowohl eine Real- wie eine Sekundarschule. Sie wird rollend eingeführt ab dem Schuljahr 2019/20. Sie erhält von der Stadt Schulgelder in der Höhe von rund 3 Millionen Franken jährlich – der katholische Konfessionsteil wird um diesen Betrag entlastet.

Die Stadt führt ihrerseits in allen Oberstufen-Schulhäusern sowohl Sek- als auch Realklassen ein, und dies bereits ab Sommer 2017 – bisher waren die Schulhäuser Buchental und Engelwies ausschliesslich für Realschüler reserviert. Damit gelingt, so Stadtrat Markus Buschor, ein entscheidender erster Schritt im Hinblick auf eine künftige integrierte Oberstufe, wie sie das Konzept «Oberstufe 2020» des Stadtrats vorsieht.

Die Wahl – und das Los

Die Eltern können wählen, ob sie ihr Kind in die Flade oder in die städtische Oberstufe schicken wollen. Für die Flade gilt dabei vorerst eine Obergrenze von maximal  30 Prozent aller Sechstklässlerinnen und Sechstklässler – ob diese Zahl richtig ist, damit will man Erfahrungen sammeln. Die Flade könnte laut Stadler bis etwa 500 (statt heute 310) städtische Schülerinnen und Schüler beschulen. Wird die Obergrenze bei den Anmeldungen überschritten, entscheidet (unter notarieller Aufsicht) das Los unabhängig von der Konfession.

Stadtrat Buschor spricht von einem historischen Entscheid: «Erstmals in der Geschichte des städtischen Schulwesens gibt es auf der Oberstufe einen unentgeltlichen Bildungsplatz für alle». Damit werde das wichtigste Ziel erreicht: die gleichberechtigte schulische Integration aller Schülerinnen und Schüler auf Stadtgebiet.

flade3

Türe auf: die Meitleflade an der Moosbruggstrasse.

«Katholische Prägung» bleibt

Allerdings: Die beiden Schulträger behalten je ihre Unabhängigkeit. Das heisst zum einen, dass eine künftige integrative Oberstufe in den städtischen Schulen anders aussehen kann als in der Flade. Und es heisst zum zweiten, dass die Flade ihre Besonderheiten behält: Weiterhin werden die Buebeflade (im Klosterareal) und die Meitleflade (im Gallusschulhaus) separat geführt, neben dem gemischten dritten, dem Notkerschulhaus an der Lindenstrasse. Und weiterhin verstehe sich die Flade, so Margrit Stadler, als «christliche Schule katholischer Prägung». Gemeinschaftliche Projekte wie Besinnungstage oder auch eine Wallfahrt soll es weiterhin geben, doch würden für nichtkatholische Kinder Parallelprogramme angeboten.

Die Flade bietet damit auch in Zukunft geschlechtergetrennte (se-eduzierte) Klassen an. Und das könnte, wie die Schülerzahlen bereits jetzt andeuten, vermehrt auch für moslemische Eltern attraktiv sein, die ihre Mädchen gern in einer getrennten Schule sehen.

Für die städtische Oberstufe fällt mit der Zusammenführung von Real-  und Sekklassen in allen Schulhäusern ein Stück Schubladendenken weg. Buschor sieht darin die grosse Chance, weiterzukommen auf dem Weg Richtung Chancengerechtigkeit und Förderung der individuellen Fähigkeiten aller Schülerinnen und Schüler.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 4

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 4: Cy­prien Gail­lard – «When you ex­pect flu­tes, it whist­les», «Komm Glüückck» und Je­re­my Reeds Buch Du stirbst nur zwei­mal – Ein Syl­via Plath-/Vic­to­ria Lu­cas-Ro­man.

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Emma Kunzs grotte copy

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Flip­per im Mi­li­tär­dienst

Von  Jeremias Heppeler

Bad­hüt­te Ror­schach: Re­kon­struk­ti­on bis zum Tür­schar­nier

Die Bau­plä­ne sind ge­zeich­net, das Bau­ge­such liegt zur Vor­prü­fung bei der Stadt – doch noch ist ei­ni­ges rund um den Wie­der­auf­bau der Ror­scha­cher Bad­hüt­te zu klä­ren. Was pas­siert zum Bei­spiel mit all den an­ge­ros­te­ten und teils ver­bo­ge­nen Schar­nie­ren, Schlös­sern und an­de­ren Ei­sen­tei­len, die die Tau­cher aus dem See her­auf­ge­bracht ha­ben?

Von  René Hornung
Badhuette rorschach

«Sie wis­sen, dass ih­nen Ge­fäng­nis oder der Tod droht, wenn sie an Pro­tes­ten teil­neh­men. Und sie tun es trotz­dem.»

Moh­sen Ma­sou­di ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz ge­flo­hen. Heu­te lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Op­po­si­ti­on. Er er­zählt, war­um es die Schlies­sung der ira­ni­schen Bot­schaft braucht und was sich mit den Pro­tes­ten An­fang Jahr ver­än­dert hat.

Von  Matthias Fässler , Bilder:  Sara Spirig
260708 Redeplatz Mohsen Masoudi

Ein Pi­ra­ten­schiff am Bo­den­see­ufer

Das See-Burg­thea­ter macht aus sei­ner Pi­ra­tin­nen­ge­schich­te Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny ein akro­ba­ti­sches Spek­ta­kel vom Feins­ten. Bei al­ler Som­mer­thea­ter-Leich­tig­keit hät­te man aber doch ein biss­chen mehr Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te er­war­tet.  

Von  Maria Schorpp
Piratencrew Bildnachweis Ilja Mess

Ei­ne ein­ma­li­ge Ge­burts­tags­par­ty

Zu sei­nem 20. Ge­burts­tag hat das Kul­tur­fes­ti­val am Wo­chen­en­de Bands aus St.Gal­len und der Re­gi­on zu ei­nem zwei­tä­gi­gen Kon­zert­fest ein­ge­la­den. Die­ses war so viel­fäl­tig wie ge­lun­gen – auch we­gen der Idee, Co­vers aus der Grün­dungs­zeit des Fes­ti­vals in die Sets ein­zu­bau­en. 

Von  David Gadze
Kulturfestival 20 Jahre Jubilaeum 2026 Kasimir Hoehener

Bregenzer Festspiele

Mehr als die See­büh­ne: Ent­de­ckun­gen an den Bre­gen­zer Fest­spie­len

Von  Nathalie Grand
Pressetag broucek anjakoehler 260236

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 3

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 3: «Was der Kai­ser noch sah», Olaf Breu­ning – «Hu­mans» und Oria­na Bruseghi­ni  – Das ver­las­se­ne Ret­tungs­boot. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Colazione Sull Erba Pfister Noemi copy

Von Mo­de und Kör­pern

Wie setzt Fo­to­gra­fie Mo­de in Sze­ne? Und wer fo­to­gra­fiert da­bei ei­gent­lich wen? Das Tex­til­mu­se­um St.Gal­len gibt mit «Mi­se en Scè­ne» Ein­bli­cke in 120 Jah­re Mo­de­ge­schich­te. Es ist die letz­te Schau vor dem Mu­se­umsum­bau. 

Von  Vera Zatti
TMF 22 4 1 V

«Ich ma­che das für al­le, die auf ei­nen Ent­scheid war­ten.»

Seit elf Ta­gen be­fin­det sich Ve­lat Ay­din vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in St.Gal­len im Hun­ger­streik. Im Ge­spräch mit Sai­ten er­zählt der Kur­de, wo­her er kommt und wes­halb po­li­ti­scher Ak­ti­vis­mus so wich­tig ist.

Von  Daria Frick
DSC 6579

Lus­ti­ges Mas­sen­ar­ten­ster­ben

Die St.Gal­ler Fest­spie­le sind vor­bei. Oper war in­door, draus­sen im Stadt­park spiel­te die End­zeit­ko­mö­die Pla­net B. Näh­me man die Bot­schaft des Stücks ernst, müss­te die Fest­spiel-Oper auch künf­tig res­sour­cen­scho­nend drin­nen blei­ben.

Von  Peter Surber
Festspiele planet b tanja dorendorf 1095

Zwi­schen Pon­gal und Turn­ver­ein

Sin­du­jan* lebt schon sein gan­zes Le­ben in der Schweiz. Die Ein­bür­ge­rung ist fast ab­ge­schlos­sen, war aber mit ho­hen Kos­ten und ei­nem un­an­ge­neh­men Ge­spräch ver­bun­den.

Von  Andi Giger
260707 Saiten 0807 08

Ei­ne kur­ze In­dus­trie­ge­schichg­te des Sit­ter­tals

Be­vor die Kunst Ein­zug hielt, war das Sit­ter­tal in­dus­tria­li­siert. Hier wur­de ge­stickt, ge­wirkt, ge­färbt, mer­ceri­siert – aber auch ge­streikt und ge­liebt.

Von  István Scheibler
260708 Sitterwerk Industriegeschichte Das Sittertal zu Zeiten der Motorenstickerei Rittmeyer Staatsarchiv W 054 51 D 8

Kolumne: Stimmrecht

Wer ist die ukrai­ni­sche Dia­spo­ra?

Von  Liliia Matviiv

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 2

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 2: Ki­nok-Open-Air, So­lar­ki­no, Chris­ta Nä­her – «Ex­cess», Li­ving Mu­se­um, Pool­bar Fes­ti­val, Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny und SP-Spa­zier­gän­ge. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps 7 The Long Seat

Wie ein Fisch im Was­ser

In der Kunst­ka­bi­ne bei der St.Le­on­hard-Brü­cke in St.Gal­len stel­len bis Sep­tem­ber vier Per­so­nen mit Be­ein­träch­ti­gung ih­re Kunst aus. Den An­fang macht Son­ja Lip­pu­ner mit ih­rer «Roll­stuhl­kunst».

Von  Roman Hertler
Whats App Image 2026 07 01 at 22 09 10

«Kul­tur ist nicht de­mo­kra­tisch, aber zen­tra­le Grund­la­ge der De­mo­kra­tie»

Die Kunst­gies­se­rei St.Gal­len und die Stif­tung Sit­ter­werk strah­len weit über die Re­gi­on hin­aus. Fe­lix Leh­ner, Grün­der und Lei­ter der Kunst­gies­se­rei, Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied Till Jäck­li so­wie Pa­tri­cia Hart­mann, Co-Lei­te­rin der Stif­tung Sit­ter­werk, spre­chen im In­ter­view über die letz­ten 40 Jah­re, ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen und Zu­kunfts­plä­ne.

Von  Daria Frick  und  David Gadze
260708 Sitterwerk Andri Voehringer 01

«Schwei­gen gibt der Ge­walt Raum»

Ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Ge­walt ist auch in Ap­pen­zell Rea­li­tät, und doch wird zu we­nig dar­über ge­re­det. Mit der Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung «we­r­om – schwät­ze statt schwi­ige» lu­den drei jun­ge Ap­pen­zel­le­rin­nen zum of­fe­nen Aus­tausch über Ge­walt, Prä­ven­ti­on und Zi­vil­cou­ra­ge.

Von  Marion Loher
Werom 4

Wenn Hei­mat flim­mert

Hei­mat – ein viel­schich­ti­ger Be­griff. Das Kunst­mu­se­um St.Gal­len spürt ihm ge­mein­sam mit der Werk­samm­lung der Schwei­ze­ri­schen Post nach. Zu se­hen ist die ent­stan­de­ne Schau «Hei­mat­flim­mern» bis En­de Ok­to­ber in St.Gal­len.

Von  Lisa Steurer
Ausstellungsansicht stian Stadler 1

Jung­brun­nen für den Dom

Die St.Gal­ler Fest­spie­le la­den, nach der letzt­jäh­ri­gen Pau­se, wie­der zum Tanz in die Ka­the­dra­le. Cho­reo­graf An­to­nio Ruz und die Tanz­kom­pa­nie neh­men den Raum mit Re­spekt in Be­schlag – samt dem Klos­ter­platz.

Von  Peter Surber
Bildschirmfoto 2026 06 29 um 11 44 42