Wenn das Finale des bandXost-Contests ansteht, ist die Grabenhalle garantiert ausverkauft, das Programm ziemlich vielfältig und die Mosh-Pits grundsätzlich schlecht getimet, da die mitgereisten Fans nur 15Minuten Zeit haben, um zu den Freunden auf der Bühne abzugehen. Aber das Schöne am Event: Das Publikum ist wegen Konzerten hier, feiert meistens auch die anderen Bands und so haben alle das Gefühl, die Konzertkultur sei bei den Schulabgängern ein grosses Ding.
Sieger mit grossen Plänen
Von insgesamt 54 Bands – zum ersten Mal meldeten sich mehr Musiker an als Slots zur Verfügung standen – landete die Churer Mundart-Pop-Band Kaufmann auf dem ersten Platz. Das passt: Dachs räumten bereits 2012 mit Schweizerdeutschen Texten ab und 2015 gewann mit dem Singer-Songwriter Marius eine ähnliche Whiskey-Stimme, wie diejenige des heurigen Siegers und Sängers Reto Kaufmann. Und Kaufmann waren dieses Jahr schlicht die besten, was vor allem heisst: Die Abgebrühtesten, nicht nur was das Auftreten und Spielen, sondern auch was die Songs angeht.
Was etwas weniger passt: Kaufmann crowdfunden gerade ihr Album, über 8000 Franken sind bereits zugesprochen, welches in den Alterna Recording Studios produziert und beim Zytglogge Verlag publiziert werden soll. Verglichen mit anderen Finalbands, die an improvisierten Proberaumaufnahmen arbeiten, ist das Gewicht der Förderung durch den bandXost-Sieg bei Kaufmann wohl weniger heftig. Aber: Die Jungs haben sich den Preis (eine EP-Produktion und diverse Gigs) fair erspielt.
Endlich richtig guter Rap
Auf dem zweiten Platz (eine Demo-Produktion) landete das Schaffhauser Hip-Hop Duo Megan. Während immer wieder Rap-Combos im Finale vertreten sind, gabs am bandXost aber lange nicht mehr derart guten Hip-Hop zu hören: Clevere Texte ohne Klischees, ein Feature mit einem Indie-Sänger, eine solide Show. Gerade da rund die Hälfte der Bands – ums mal grob zu schubladisieren – rockige Gitarrenmusik spielt, ist ein starker Rap-Act umso willkommener.
Platz 2: Megan.
Apropos klassische Gitarrenmusik: Ebenfalls auf dem Treppchen landeten die St.Galler Barefoot To The Moon, wohl vor allem dank ausgefallenen und gut gespielten Lines, die wohl allen Fans der 70s ziemlich gut gefallen dürften. Die Metalheads feierten die Maienfelder Mirkwood Spiders und auffallend cool waren auch Mr. Linus aus Igis, deren beide Sängerinnen im Oldschool-Nina-Hagen-Style hübsch garagig in die Mikros kreischten.
Grosse Vielfalt
Die Rocker im Publikum kamen auch ansonsten gut weg: Bei den sehr starken Abtwilern Nøø, die mal Prog-Tracks, ein andermal beinahe schon College-Punk-Refrains spielten oder bei den Kreuzlinger Garage-Rockern OGMH, die bereits am Musig uf de Gass eine ziemlich gute Figur machten.
Die St.Galler Closed Eyes brachten am bandXost seit langem auch etwas südamerikanische Musik auf die Bühne und ganz ehrlich: So vielfältig wie dieses Jahr waren nicht viele Finalrunden der letzten Jahre.
Platz 3: Barefoot ToThe Moon
Während die ausverkaufte Grabenhalle für alle Bands eh schon die Bandcontest-Teilnahme wert war, muss man sich trotzdem fragen, ob man vielleicht nicht lieber Bands früher in ihrer Laufbahn supporten möchte, statt diejenigen auszuzeichnen, die bereits gut unterwegs sind. Dann hätte man die Rapper Megan krönen können (aber ganz ehrlich: So schnell wird kein Rap-Act am bandXost den ersten Preis erhalten), Nøø und Barefoot To The Moon ebenfalls.
Aber: Das bandXost ist eben genau so Wettbewerb, wie auch Förderverein und Szenenevent. Und da muss Kaufmann gewinnen, denn: Niemand unter den Finalisten textet so gut, niemand spielt so professionell und niemand hat bereits den Albumrelease bei einem traditionsreichen Schweizer Verlag geplant.
Infos: bandxost.ch
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