Das «Rote Velo» rollt wieder an: Die Tanzkompanie um Exequiel Barreras und Hella Immler spielt in der Grabenhalle ihr neues Stück «Uppercut». Und will die freie Szene in St.Gallen beleben.
«Uppercut» spielt in einer Art Boxring: Drei Frauen auf einem weissen Quadrat, umringt vom Publikum, kämpfen um einen «Bräutigam». Inspirationsquelle für die Spielanlage war das Stück «Ring-side» des Argentiniers Daniel Veronese. Es erzählt von einem solchen Ritual in einem «Dorf der Blinden und noch Sehenden». Das Kampffeld ist eine gleissende Fläche, wer zu lange hinschaut, erblindet…
«Es geht brutal zu und her, aber wir versuchen die Brutalität nicht so direkt zu zeigen, sondern in Bewegung zu übersetzen», sagt Hella Immler, die eine der drei Frauen spielt. Ihre Konkurrentinnen sind Zaida Ballesteros und Emma Skyllbäck, die Männerrollen tanzen Yannick Badier und Tobias Spori. Das Publikum sitzt nah um den Ring, wird als «Dorfbevölkerung» Teil des Geschehens. «Uppercut» zeigt eine Extremsituation, die sich für eine tänzerische Umsetzung geradezu anbietet – das neue Stück der Truppe sei denn auch «kraftvoller und radikaler» als die Vorgänger-Produktion «Alberto, der Mann, der geht» von 2012.
Gegründet 2011, hat die Rotes Velo Tanzkompanie bis jetzt neben den zwei Eigenproduktionen einen Dokumentarfilm, «Tanz im Alter» gedreht. Und will sich weiter in der Ostschweiz bemerkbar machen. Noch gehören die Mitglieder der Kompanie zum Ensemble des Theaters St.Gallen unter Marco Santi. Momentan sind sich parallel auch dort auf der Bühne zu sehen, im Stück «Frida Kahlo», das der frühere St.Galler Tanzchef Philipp Egli choreografiert hat. Es folgen noch zwei weitere Produktionen, dann ist Schluss: Nach der Vertragsauflösung mit Marco Santi heisst es auch für den Grossteil der Truppe ab Sommer 2014 «alles neu». Nur vier heutige Ensemblemitglieder wurden verlängert: Exequiel Barreras, Cecilia Wretemark, Jasmin Hauck und David Schwindling.
Hella Immler hat sich entschieden: «Für mich war nach sechs Jahren in St.Gallen klar, dass ich hier bleiben und etwas Eigenes machen will.» Mit einem Gastvertrag bleibt sie dem Theater verbunden, daneben aber will sie sich mit ihren Kollegen vom Roten Velo in der freien Szene behaupten. Die Voraussetzungen seien gut: In der Ostschweiz gebe es wenig freie Tanzschaffende und damit auch wenig Konkurrenz. Und mit der Grabenhalle stehe ein guter und zahlbarer Raum zur Verfügung.
Inzwischen habe die Kompanie auch einen guten Ruf bei den Kulturförderstellen, nicht zuletzt dank der Teilnahme am Festival «Tanzplan 2012». «Darum habe ich sehr viel Hoffnung», sagt Hella Immler. Und: «Veränderung ist immer auch eine Chance.» Das Rote Velo will die Chance packen. Jetzt wagt es sich erstmal in den gleissenden Boxring.
Uppercut: 2. März (Premiere), 9. und 12. März je 19.30 Uhr, Grabenhalle St.Gallen.Weitere Aufführungen: 2. Mai am Tanzfest St.Gallen, 23. Mai in der Lokremise.
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