Ich frage mich, warum es der Feminismus heutzutage so schwer hat. Hier zwei Erklärungen:
Eines der Probleme ist unsere Hyperindividualität, dieses allgegenwärtige «Ich interessiere mich nur für mich». Das Gesamtgefüge wird vergessen. Mir scheint, es liegt daran, dass wir als postideologische Generation Mühe haben, uns zu einer Ideologie zu bekennen. Daraus resultiert eine gewisse Sprachlosigkeit. Beim Feminismus ist diese besonders folgenreich, da sich eine gewisse Verhärtung in der politischen Diskussion einstellt: Wer sich zu Wort meldet, muss damit rechnen, platt gemacht zu werden. Viele lassen darum die Finger davon, egal ob Mann oder Frau.
Das zweite Problem liegt im eigenen Lager: Jung wettert gegen Alt, Frauen gegen Frauen und nicht etwa Frauen gegen Männer und umgekehrt. Viele haben Angst, eigene Positionen einzunehmen, diese zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
Doch machen wir uns nichts vor: Derzeit ist ein gigantischer Backlash im Gang. In Europa haben wir keine gleichberechtigte Gesellschaft hinbekommen, und rundherum ist es noch viel dramatischer: Fundamentalisten unterdrücken Frauen im Namen der Religion, in der Türkei sagt Erdogan, dass Gleichberechtigung «unnatürlich» sei, und aus Russland kommt eine Staatsdoktrin, die alles, was von der Norm abweicht, als krank deklariert und verfolgt.
Für mich ist entscheidende Frage, wie wir uns der Welt gegenüber verhalten wollen, diesem männergeprägten System aus Politik, Wirtschaft und Medien. Ich stelle fest, dass sich vor allem Frauen bewusst davon abwenden, sich dem Guten im Kleinen zuwenden und das auch feministisch oder zumindest mit betont weiblichen Argumenten begründen: Das System ist krank und tut uns nicht gut.
Dieser Ansatz ist lobenswert, untergräbt aber den Feminismus, da er gerade in der heutigen Zeit auch im grossen Ganzen, in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung präsent sein sollte und sich ganz grundsätzlich für eine bessere Welt einsetzen sollte.
Christof Moser, 1979, ist freier Journalist unter anderem bei der «Schweiz am Sonntag» und Redaktionsleiter von infosperber.ch.
Dieser Text erschien im März-Heft von Saiten.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
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Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty