Kategorie
Autor:innen
Jahr

Gebändigte Bilderflut

Im Kulturraum am Klosterplatz ist noch nicht Schluss mit schlauen Ausstellungen. Jetzt ist Teil II des Mnemosyne-Bilderatlas von Aby Warburg zu sehen: eine augenöffnende Bild-Überforderung.
Von  Peter Surber
Bilder: Roberto Ohrt

An dem Faltenwurf eines Kleids konnte er erkennen, welchen Lauf die Kunstgeschichte genommen hat über Jahrhunderte – von der Antike bis zur Renaissance und Neuzeit. Aby Warburg (1866 – 1929) war ein begnadeter Bildersammler und -Entzifferer. Als Hamburger Bankierssohn hatte er die Mittel dazu, als Kunstgeschichtler mit interdisziplinärer Neugier wurde er zu einem der Begründer der Kulturwissenschaften.

Konfliktlinien der Kunstgeschichte

Seine Büchersammlung, die Warburg Bibliothek, wurde legendär in ihrem Grenzen sprengenden Horizont, ebenso seine Bildersammlung, der Atlas Mnemosyne. Der blieb allerdings Fragment, weil Warburg früh an einem Herzinfarkt starb. Der Hamburger Salon 8 hat ihn in jahrelanger Arbeit rekonstruiert. Dank Vermittlung durch den Warburg-infizierten St.Galler Künstler Peter Kamm war bereits im Oktober 2013 rund die Hälfte der insgesamt 73 Bildtafeln mit über 1000 Bildern in St.Gallen zu sehen, mehr dazu hier.

Damals ging es bis Tafel 39, jetzt folgt der zweite Teil. Man findet Bilder von Meistern wie Botticelli, Mantegna, Dürer oder Rembrandt – im Vordergrund seien für Warburg aber nicht die prominenten Namen, sondern die Konfliktlinien der Kunstgeschichte und das intellektuelle Umfeld der Bildproduktion gestanden. Ihn interessierten die «Nebenschauplätze» der Kunstgeschichte, wie Warburg-Spezialist Roberto Ohrt an der Vernissage gestern im Kulturraum sagte.

Gute Nachbarn

Was man hier studieren kann, sind Motivgeschichten und Bildthemen und deren «Transport» über die Zeiten und Kulturen hinweg. Warburg sortierte dabei Bücher wie Bilder nach dem «Prinzip der guten Nachbarschaft» – ein bemerkenswertes Wort in damals wie heute eher nachbar-feindlichen Zeiten.

Der Bilderatlas, wenn man sich denn vertieft in ihn, öffnet Grenzen. Und ist damit auch Symbol und Plädoyer für den freien Austausch von Bildern und Wissen. Der hat in St.Gallen auch diesmal stattgefunden: Waren es vor zwei Jahren die Stiftsbibliothek, die Vadiana und das Sitterwerk, die Bücher und Objekte zur Ausstellung beigetragen haben, so sind es diesmal Kostbarkeiten aus dem Textilmuseum. In Vitrinen in der Ausstellungsmitte sind Textilien plaziert, die Motive aus der rundherum auf schwarzen Tafeln aufgenadelten Warburg-Bildersammlung aufnehmen.

Kulturraum_635

Klick zum Vergrössern

Ergänzt wird die Schau durch künstlerische Beiträge von Mathis Gasser, Elin Gonzalez, Rolf Graf, Peter Kamm und Barbara Signer, die den Dialog mit Warburg aufnehmen. Unter anderem grüsst ein wüster Silvesterchlaus die schönen und wüsten Götterfiguren auf den Warburg-Tafeln.

Verzögerung als Glücksfall

Der Kulturraum am Klosterplatz hätte bereits auf Ende Jahr an den Stiftsbezirk übergehen sollen, sagte Ursula Badrutt, die Leiterin der Kulturförderung beim Kanton und Initiantin des Ausstellungsprogramms. Dank der Verzögerung, die dieser Wechsel erfährt, war es möglich, doch noch Teil II der Ausstellung von Hamburg nach St.Gallen zu holen. Und voraussichtlich zum letzten Mal öffnet der Raum Ende März posthum für Peter Liechti und sein filmisches Vermächtnis Dedications.

Von 12. bis 14. Februar kann sich, wer Zeit hat, in die Bilderflut stürzen: Der Salon 8 führt in einem «Crashkurs» durch die Tafeln 39 bis 79, jeweils 11-13 und 14-16 Uhr. Dazu kommen Vorträge, u.a. der Kulturanthropologin Aleida Assmann (Freitag, 19 Uhr) oder der Warburg-Spezialistin Giovanna Targia (Samstag, 19 Uhr).

Die Ausstellung dauert noch bis 20. März, Infos: kultur.sg.ch

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1