Die Covid-Pandemie hat vieles ins Wanken gebracht, was uns bisher selbstverständlich erschien. Plötzlich wurde klar, wie verletzlich eine Wirtschaft ist, die einzig auf Rendite getrimmt ist: Kleine Margen und geringe Eigenkapitalreserven liessen vielen Unternehmen und Selbständigen wenig Spielraum für die Bewältigung der Krise. Und unsere Abhängigkeit von fragilen internationalen Handelsketten zeigte die negativen Seiten der Globalisierung auf.
Was braucht es, um das Immunsystem unserer Wirtschaft zu stärken?
Alles zurück zum Zustand vor der Krise? Das ist der falsche Weg. Und eine verpasste Chance. Die Investitionen zur Bewältigung der Covid-Krise müssen zugleich Investitionen in eine grüne und soziale Zukunft sein. Wir brauchen einen Green New Deal!
Ein Wirtschaftsprogramm, das in der Dimension an Franklin D. Roosevelts New Deal angelehnt ist, mit dem er die USA aus der Wirtschaftsdepression der 1930er-Jahre führte. Damals wurde mit einem bunten Strauss an politischen Massnahmen und öffentlichen Investitionen die Gesellschaft in einem Jahrzehnt komplett umgebaut. Verschiedenste Massnahmen wurden realisiert, vom Mindestlohn über öffentliche (Verkehrs-)Infrastrukturen bis hin zu einem Begrünungsprogramm mit zwei Milliarden Bäumen.
Saiten hat sich zum Jahresschluss ein Heft zur Immunstärkung vorgenommen. Wir wollten Anregungen und Überlegungen aller Art zur politischen, gesellschaftlichen und individuellen Kräftigung des Immunsystems sammeln.
Zusammengekommen sind 24 Beiträge aus allen möglichen Richtungen, ein Adventskalender der resistenten Art: Kurzgeschichten, Selbsterfahrungen, Appelle, Wutausbrüche, Tiefgang und Smalltalk, Rezepte und Rezeptverweigerungen. 24 Stimmen, 24 Seiten, eine geballte Dosis Immunium® Akut, garantiert mit Risiken und Nebenwirkungen.
Im Angesicht der Klimakrise brauchen wir auch heute ein solches Programm, das unsere Gesellschaft transformiert, den verschwenderischen Konsum reduziert und unsere Wirtschaft ins postfossile Zeitalter führt. Autorinnen wie Naomi Klein und Ann Pettifor haben bereits in den 90er-Jahren dazu Visionen entwickelt.
Ein Green New Deal bedeutet grundlegende Veränderungen. Denn auch in der Schweiz brauchen wir eine Wirtschaft, die lokaler funktioniert, die Kreisläufe schliesst und die verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen umgeht. Wir brauchen ein Wirtschaftssystem, das Arbeit, Einkommen und Vermögen gerecht und volkswirtschaftlich sinnvoll verteilt, und das auf die Befriedigung unserer realen Bedürfnisse ausgelegt ist.
Genau das ist das Ziel des Green New Deals: eine ökosoziale Transformation, eine umfassende Ausrichtung der Wirtschaft hin auf eine emissionsarme Zukunft.
Illustration: Joël Roth und Zéa Schaad
Wie könnte ein Green New Deal bei uns konkret aussehen? Es braucht übergeordnete nationale Vorstösse, wie eine Reform der Steuer- und Subventionspolitik, eine Solaroffensive, die 10ʼ000 neue Arbeitsplätze schafft, und ein Ausbildungsprogramm, um den Menschen, die vom Strukturwandel betroffen sind, eine Perspektive zu geben.
Und es braucht Initiativen auf lokaler Ebene, wie Reparaturwerkstätten und Märkte für lokale Produkte und Lebensmittel. Durch das Zusammenkommen von grossen und kleinen Initiativen können wir eine andere, grünere und krisenresistentere Wirtschaft bauen.
So werden die Auswirkungen der ökonomischen Krise beschränkt und gleichzeitig der ökologische und soziale Umbau der Wirtschaft vorangetrieben. Mit einem Green New Deal haben wir die Chance, gestärkt aus dieser Pandemie heraus zu gehen.
Franziska Ryser, 1991, aus St.Gallen, ist Maschineningenieurin ETH und Nationalrätin der Grünen.
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.