Viel Lob kriegte der Berner Musiker Baze für sein letztes Album Bruchstück. Ane Hebeisen im «Bund» zog gar Miles Davis Bitches Brew zum Vergleich heran. Zukunftsweisend sei es, etwas «nie Dagewesenes» und: «Baze steigt aus diesem Hip-Hop-Hamsterrad aus.»
Wer Baze schon länger kennt, weiss, dass dieser nie gross Gefahr lief, sich lange in Hamsterrädern aufzuhalten. Baze steigt nicht aus Hamsterrädern aus, er wirft sie um. Ich erinnere mich an das verwirrt-ratlose Publikum eines ausverkauften Konzerts im Bierhübeli Bern vor etwa zehn Jahren, als der Rapper als eigene Vorgruppe vor seinem Konzert auftrat, begleitet von einer unfassbar lauten Metalband.
Der Journalist Adrian Schräder beschreibt Baze aka Basil Anliker zurecht als «Meister der Mehrgleisigkeit». Baze ist kein Selbsterfinder, auch auf seinem 18. (sic!) Album erfindet sich der 37-Jährige nicht neu, sondern findet durch seine Offenheit für Kollaborationen lediglich neue Methoden, Stilistiken, sich und seiner Welt Ausdruck zu geben.
Das Album Bruchstück ist eine Hymne an die Unberechenbarkeit in einer durchgetakteten Welt, musikalische Skizzen zufälliger Begegnungen an Tankstellenstopps auf Roadtrips in den Osten. Atmosphärischer als die 17 Vorgänger bietet das Album dem Berner mehr Raum für Improvisation.
Baze live: 13. Oktober, 21 Uhr, Palace St.Gallen palace.sg
Das ist unter anderem einem St.Galler zu verdanken: Massgeblich geprägt hat den Sound der in Bern lebende Pianist und Komponist Fabian M. Müller. Getroffen haben sich die beiden auf dem Weg in die Sauna, zusammen mit Fabian Bürgi, Schlagzeuger in Müllers FM Trio. Bürgi begleitet Baze wiederum, wenn er mit den Tequila Boys das einzig hörbare Cover von Bon Jovis Bed of Roses an Dorfopenairs hinschmettert, als ob wir uns alle bloss nur noch zurücksehnten an die unfassbaren Emotionen der ersten Male, den Reminiszenzhöckern der Jugend. Ein Meister der Mehrgleisigkeit eben.
«Ig ha eh ke Fans in San Gaue», sagt der Träger des Berner Musikpreises 2017 am Telefon. Am 13. Oktober können wir ihm im Palace das Gegenteil beweisen, wenn er uns ein paar hundert Meter weit weg vom Olma-Wahnsinn mit Fabian M. Müller und Band an die «beschissä schöni Aaglägeheit» Leben erinnert.
Dieser Beitrag erschien im Oktoberheft von Saiten.
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