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Im Fragengewitter

Das Theater St.Gallen bombardiert die Lokremise mit Max Frischs „Fragebögen I-XI“. Am Freitag hatte die Gemeinschaftsproduktion von Tanz und Schauspiel Premiere: viel Stoff zum Weiterfragen.

Von  Peter Surber , 

Eine Frage beantwortet der lange Abend einmal mehr klar: Tanzchef Marco Santi wird in St.Gallen fehlen. Zusammen mit der Regisseurin Katja Langenbach füllt er beide Theaterräume der Lokremise mit einer vollgepackten, anspielungsreichen und witzigen Trilogie des Fragens. Tanz und Schauspiel wirbeln durcheinander, der spartenübergreifende Anspruch der Lok wird für einmal fraglos eingelöst.

Wer von den 17 Ausführenden zum Tanz gehört, wer zum Schauspielensemble, wäre, wenn mans nicht wüsste, kaum zu unterscheiden. So wenig wie die acht Frauen – alle im circa Sechzigerjahr-Look, blaugeblümter Rock, Stöckelschuhe, Föhnperücke – und die neun zum Verwechseln gekleideten Frisch-Männer. Spiel und Tanz ist eins, es geht um Mann und Frau an sich. Beziehungsweise, bei Frisch notorisch: in erster Linie um den Mann.

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Zum Start aber, in Saal zwei, ein surrealistisches Fragengewitter. Einer (Sebastian Gibas) sieht aus wie der Autor höchstpersönlich. Mit fünf Bürogenossinnen und -genossen hämmert er auf seine Hermes Baby ein, die Fragen aus den insgesamt elf Fragebögen Frischs jagen sich, unterbrochen, rhythmisiert, aufgepeitscht von E-Gitarre, Bratsche, Schlagzeug, Klavier, Ukulele, Maultrommel, Klarinette, Trompete. Die Musik  (konzipiert von Roderik Vanderstraeten) spielen die sechs Frageakrobaten gleich selbst, rund um, auf und unter dem Frisch-Tisch.

Antworten sind zwecklos, die Szenerie ist urkomisch, die Einfälle grandios (besonders wo es um Freundschaft oder ums Geld geht) und selten (bei den „Heimat“-Fragen) auch mal platt. Frischs moralisch hoher Frageton wird mit einer musikalischen Ironie dekonstruiert, die an Marthaler erinnert. Mit einem Fragensturm im Kopf geht es hinüber in Saal zwei.

Dort spielt, nach einer eher ratlos vereinzelten „Choreografie der Fragen“, das Hauptstück: „Biographie. Ein Spiel“. Kürmann (Marcus Schäfer) kann sein Leben nochmal neu anpacken, um die fatale Ehe mit Antoinette (Meda Gheorgiu-Banciu) zu umgehen. Das Experiment geht bekanntlich in immer wieder neuen Anläufen schief, bis Antoinette selber am Ende die Sache in die Hand nimmt.

Das ist rasant gespielt und choreographiert, Text  und Tanz virtuos verspiegelt, der Bühnenraum von Katrin Hieronimus ein Identitäts-Puzzle. Und in Einschüben kommen die Fragen wieder – jetzt tönen sie neu, aufgeladen mit Leben, eingebettet ins Drama einer Ehe, verschattet vom tödlichen Krebsbefund Kürmanns. Wem wären Sie lieber nie begegnet? Was hoffen Sie? Möchten Sie Ihr Mann sein? Möchten Sie Ihre Frau sein? Warum weinen Sterbende nie? Die Fragen rattern lang nach der Vorstellung weiter.

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Aber auch der Ärger rattert weiter. Frisch, der „male chauvinist“, wie er im Roman „Montauk“ selber schreibt, schiebt im Stück der Frau wieder einmal alle Schuld zu – sie verführt und betrügt den Kür-Mann, und dem setzt das Regieduo noch eins drauf mit der Überzeichnung der erotisch aufgetakelten Stöckel-Antoinettes. Auf diese alles andere als frische, muffige Männer-Optik hat die Produktion keine zeitgemässe Antwort gefunden.

Weitere Vorstellungen bis 26. November. Bilder: Tine Edel

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Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

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Zumthor plant in Wildhaus

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Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

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Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

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Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

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Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

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Klimaseniorinnen besuchen Bern

Hit­ze und Dür­re im Bun­des­haus

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Gruppenfoto

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Alte Steinach Karlstor Zukunft

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Del­fi­ne, Her­zen und Flag­gen. Die «Il­lo Kon­stanz Vol. 5» zeigt über 60 Ar­bei­ten von in­ter­na­tio­na­len Il­lus­tra­to­ren. Die Schau lässt viel Raum für ei­ge­ne Zu­gän­ge, übt aber auch Kri­tik und zeigt Hal­tung.

Von Vera Zatti,
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«Die­ser Ort braucht ei­ne Per­spek­ti­ve»

Der Ver­ein Lat­tich im Gü­ter­bahn­hof­are­al St.Gal­len fei­ert das 10-Jahr-Ju­bi­lä­um. Noch im­mer kämpft er mit Ein­spra­chen. Der Vor­stand der Grün­dungs­pha­se hat auf­ge­ge­ben. Seit gut ei­nem Jahr bil­den Adel­heid Kar­li und Flo­rim Ša­ba­ni das Co-Prä­si­di­um.

Von Andi Giger, Bilder: Nayla Baumgartner,
2610 Redeplatz

Nachruf auf Urs Ullmann

«Wir nann­ten ihn ‹Sun­ny› we­gen sei­nes auf­ge­stell­ten Ge­müts»

Von Urs Oskar Keller,
Urs Ullmann Maerz 2023 Altnau Urs Oskar Keller