Vo Sanggalle of Sampfide Do hätts en Tunnel, Wemmer ine chonnt, werts tunkel, Wemmer use chonnt, werts hell.
So haben wir als Kinder gesungen. Heute zeichnet sich am Bahnhof St.Fiden, hinter dem Tunnel, vielleicht die hellleuchtende St.Galler Stadt-Zukunft ab. Das weiträumige Gebiet, als «Planerisches Intensivgebiet» deklariert und weitgehend im Besitz der Stadt, ist eine der letzten verbleibenden Brachen. Gerade ist im Oktober eine Machbarkeitsstudie zu diesem Bahnareal diskutiert worden, samt Idee einer Gleisüberdachung – realistisch? «Hier baut höchstens die Migros», orakelt in diesem Heft Architekturexperte René Hornung. «Hier besteht die Chance zur Stadtreparatur», hält Historiker Peter Stahlberger entgegen. Und Lika Nüssli entwirft kurzerhand einen neuen Stadtteil: Gross-St. Fiden…
Dabei hatten wir dieses Quartier-Heft bereits vor Monaten im Auge und im Sinn, als noch niemand von Machbarkeitsstudien sprach. St.Fiden nahm uns wunder, doppelt. Einerseits natürlich mit Blick auf den schlafenden Riesen unten am Bahnhof. Andrerseits aber vor allem auch im freundschaftlichen Gefühl für ein Quartier, das von der Grossen Stadtaufwertung, dem Ökonomisierungsdruck oder, wie man das heute so schön nennt, vom Gentrifizierungsprozess noch nicht so sehr erfasst worden ist.
Ob und inwiefern das stimmt und was «Sampfide» ausmacht, erkunden wir im Titelthema in Gesprächen, Expeditionen und Erinnerungen – letztere trägt in diesem Heft Walter Siering bei, der dort aufwuchs und durch den Silberturm und den Autobahnbau politisiert wurde. St.Fiden, das bestätigte bei einem Geplauder über «sein» Kindheitsquartier auch der St.Galler Buchhändler Pius Frey, der allerdings schon mit sechzehn von dort abgehauen war: St.Fiden war damals in den Sechzigern und Siebzigern ein bunter, kirchlich geprägter und doch toleranter Schmelztiegel.
Bunt, tolerant, wohnlich: Das gilt, soweit unser Eindruck in diesem Heft, auch heute noch in erstaunlichem Mass. Drum loben wir St.Fiden und hoffen, man könne auch in zwanzig Jahren sagen: …wemmer use chonnt, werts hell.
Peter Surber
DER INHALT:
Reaktionen
Blickwinkel von Sebastian Stadler
PositionenRedeplatz mit Cenk BulutEinspruch vom Amt gegen AusschaffungenFreihandel von Jochen KelterKuhhandel von Peter Surber
St.Fiden
Ein Nachmittag in HadleyvilleBarockperle und Westernstadt.von Peter Surber
Kirche – Kinder – KernkraftWie mich das Quartier politisierte.von Walter Siering
Die Italiener, der Hort und die KircheIm Quartier der vielen Nationen.von Corinne Riedener
Der MedizinturmEine Besteigung.von Katharina Flieger
Noch gar nichts unter DachDie Pläne auf dem Bahnhofsareal.von René Hornung
Gross-St.FidenEine Chance zur Stadtreparatur.von Peter Stahlberger
Die neue Stadtvon Lika Nüssli
Die Bilder zum Titelthema fotografierte Daniel Ammann.
FlaschenpostThailand von Richard Butz
PerspektivenRapperswil-JonaSchaffhausenThurgauVorarlbergStimmrecht von Leyla Kanyare
Report
Den Tod umarmenFrau Vogels letzte Entscheidung.von Corinne Riedener
Ruedi Widmer zeichnet den November-Comic.
Kultur
Theater:Und ewig lockt die Lok.von Peter Surber
Fragen an Schauspiel-Direktor Tim Kramer.
Auf der freien Theaterwildbahn.Von Sebastian Ryser
Literatur:Die geplante Edition «Literatur Ostschweiz».von Eva Bachmann
Musik:Soundästhet – ein Nachruf auf Mark Bell.von Silvan Lassauer
A Great Day in HarlemDie Ostschweizer Jazzszene auf einen Blick.von Claude Diallo
Kunst:Sophie Täuber-Arp – in Aargau und Trogen.von Jolanda Bucher
Film:HR Giger noch einmal lebendig: im Film «Dark Star».von Ralph Hug
Geschichte:Arbeiterschriftsteller Paul Ilg – eine Spurensuche.von Harry Rosenbaum
Weiss auf schwarzvon Niklaus Meienberg
AbgesangKellers GeschichtenBureau ElmigerBoulevard
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
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«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
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