Radio FM1 und Tele Ostschweiz (TVO) wollen bis Anfang Herbst ein neues Onlineportal lancieren. Das Mutterhaus NZZ lässt sich das einiges kosten: Es wird eine neue Redaktion aufgebaut, bis zu zehn Stellen sollen neu geschaffen werden. Gesucht wird derzeit in Inseraten nebst Online-Redaktoren auch ein Social Media-Manager.
Das zeigt, auf wen das Portal abzielt: Die «mobile und jüngere Bevölkerung in der Region», wie die NZZ-Kommunikationsabteilung auf Anfrage von Saiten schreibt. Diese jungen (und alten) Mobilen können mit dem wenig dynamischen, seit Jahren gleich aussehenden Onlineportal tagblatt.ch tatsächlich wenig anfangen. Zumal es für dieses bis heute keine vernünftige Smartphone-App gibt.
Die NZZ will nun offenbar durch interne Konkurrenz für Belebung sorgen: FM1 und TVO gehören ebenfalls zum Tagblatt-Medienkonzern. Das Tagblatt als langjähriges Flaggschiff des Konzerns muss bereits erste Ausbremsmanöver einstecken: So wird ein langjähriger Mitarbeiter von tagblatt.ch zum neuen Onlineportal wechseln.
Offene Rechnungen auf hoher Ebene
Projektleiter des neuen Onlineportals ist Christian Ortner. Der Vorarlberger war Blattmacher der mit grossen Ambitionen lancierten Ostschweiz am Sonntag. Nach einem Jahr ging Ortner im April 2014 – wohl als Resultat eines erbitterten Machtkampfs zwischen ihm und Tagblatt-Chefredaktor Philipp Landmark. Es ist spätestens seit einer längeren Oas-Geschichte im Branchenblatt «Schweizer Journalist» klar, dass sich Landmark und Ortner spinnefeind sind. Ortner wurde von der Ostschweiz am Sonntag in ein Projektbüro der NZZ nach Zürich geholt.
Die NZZ-Kommunikationsabteilung schreibt, dass es sich beim neuen Onlineportal nicht um Konkurrenz sondern eine Ergänzung zu Tagblatt.ch handle. Zumindest Ortner dürfte das wohl anders sehen.
Derzeit arbeitet sein Team mit Hochdruck an der neuen Plattform. Kürzlich absolvierte Ortner einen Arbeitsbesuch in Zürich im konvergenten Newsroom des Schweizer Marktführers 20 Minuten. Offenbar, um sich Inspirationen für das eigene Projekt zu holen: Auch die Radio-, TV- und Online-Redaktionen sollen dort künftig stark konvergent arbeiten.
Ausbau inmitten des Sparkurses
Bemerkenswert ist der nun anstehende Ausbau auch deshalb, weil im NZZ-Haus ansonsten bei den regionalen Medien Sparkurs herrscht: Beim Tagblatt werden seit Jahren schleichend Stellen abgebaut. Und mit den anstehenden «Synergien» mit der Neuen Luzerner Zeitung (ebenfalls in NZZ-Besitz) dürfte die Zahl der Arbeitsplätze auf den Redaktionen langfristig weiter sinken.
Allerdings spielen FM1 und TVO im NZZ-Haus auch eine Sonderrolle: Sie gehören nicht zum Geschäftsbereich Regionalmedien, sondern sind in einem Projektteam zu einer «Innovationszelle» zusammengeschlossen. Der Luzerner Jürg Weber, der die NZZ-Regionalmedien leitet, sagte dazu im vergangenen Herbst: «Eine organisatorische Separierung ist sicher förderlich für den innovativen Charakter.»
Innovativer soll aber auch tagblatt.ch werden: Die NZZ-Kommunikationsabteilung schreibt weiter, dass auch tagblatt.ch neu positioniert und ausgebaut werde, nennt jedoch weder Zahlen noch Zeitpläne. Im Gegensatz zum Onlineportal von FM1 und TVO sollen dort dereinst auch bezahlte Inhalte angeboten werden. Auch inhaltlich werde sich tagblatt.ch vom geplanten Onlineportal, das ein «klassisches Reichweitenportal» werden soll, unterscheiden.
(Bild: Sascha Erni)
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