In der Kultur ist der Grat zwischen Sympathie und Antipathie zum lieben Geld oft schmal: Bei zu viel Erfolg hagelt es schnell Vorwürfe des kommerziellen Ausverkaufs. Andererseits protestieren Kulturschaffende, wenn sie zu wenig finanzielle Unterstützung für ihr Schaffen erhalten. Darüber sollte am vergangenen Dienstagabend in Schaffhausen diskutiert werden: «Wie kommerziell muss Kultur sein?» – Ein Podiumstitel, der allein bereits zu diskutieren gäbe, könnte man das «müssen» doch auch durch ein «dürfen» ersetzen.
In der Munotstadt wird dieser Tage allerdings bitter ums Dürfen gebangt. Kommende Woche findet die jährliche Budgetberatung des Grossen Stadtrats statt, die im Dezember 2015 fast zum Untergang des Haberhauskellers geführt hatte, der am Dienstag – eben genau deswegen – Austragungsort der Podiumsdiskussion war, die das hiesige Kulturbündnis organisiert hat.
Dreifache Wertschöpfung
Geladen waren Katharina Epprecht, seit einem Jahr Direktorin des Museums zu Allerheiligen; Katharina Furrer, Leiterin des Theaters Schauwerk sowie Präsidentin des Vereins Haberhaus Bühne; Adrian Brugger, Veranstalter des Festivals «Stars in Town»; und Christoph Schärrer, Delegierter der kantonalen Wirtschaftsförderung.
Kultur sei kein primäres Thema bei Angestellten anzusiedelnder Unternehmen, konstatierte Schärrer eingangs, «es zählen die harten Faktoren», so der Wirtschaftsförderer, der wenig überraschend Löhne, Steuern, Wohnpreise aufzählte. Brugger, für eine der grösster Kulturverstanstaltungen Schaffhausens verantwortlich, argumentierte, dass jeder in die Kultur investierte Franken dreifach in die Wertschöpfung der Kultur fliesse. Während Epprecht in konkreten Zahlen von den vielen Museumsbesucherinnen und -besuchern schwärmte, meinte Schärrer denn auch wohlwollend, dass Leute leistungsfähiger seien, wenn es ihnen in der Region gefalle. «Ich will das nicht messen», sagte hingegen Furrer freundlich, aber mit spürbarem Widerwillen.
Und doch: Sie muss. Vergangenes Jahr erhielt der Haberhauskeller eine Ohrfeige, die ihm fast den Kellerboden unter den Füssen weggerissen hätte. Eine knappe Mehrheit des städtischen Parlaments (eine Stimme Unterschied!) beschloss, die Kulturbeiträge in der Stadt nicht zu erhöhen, womit der Leistungsvereinbarungs-Beitrag von 20’000 Franken an die Haberhaus-Bühne überraschend gestrichen worden war. Furrer reagierte schnell: Drei Benefizveranstaltungen und zahlreiche Spenden generierten gar mehr als den versprochenen Betrag und retteten so den Kulturraum vorübergehend.
Aus der Wut über die Budgetstreichung entstand zudem das Kulturbündnis (ehemals «Freunde der Kultur»), momentan 270 Mitglieder zählend, das mit der Podiumsdiskussion zum ersten mal an die Öffentlichkeit trat. Der Zusammenschluss aus Kulturschaffenden und Kulturinteressierten will sich nach eigenen Angaben für «Raum, Mittel und Wohlwollen für das hiesige Kulturschaffen» einsetzen. Auf Mittel und Wohlwollen hofft man in der nahenden Budgetberatung; entsprechende Politikerinnen und Politiker waren an der Podiumsdiskussion aber nur spärlich anzutreffen.
Mehr Mäzenatentum!
Wie man an das begehrte Geld für kulturelle Anlässe rankommt, wurde am Podium rege diskutiert. Neben Floskeln («Mut zum Engagement», «Graben aufbrechen», «mehr Selbstbewusstsein») fielen auch konkrete Vorschläge: «Die Bereitschaft, dass Steuergelder in die Kultur fliessen, muss aktiv geschaffen werden», forderte Schärrer. Brugger appellierte an «wohlhabende Kulturaffine» für ein intensiveres Mäzenatentum.
Epprecht betonte, dass mit Kultur, etwa im Falle eines grossen Museumsarchivs, kein Geld zu verdienen sei und man das Bewusstsein für die langfristige und tiefergreifende Bedeutung von Kultur geweckt werden müsse. Und Furrer schwärmte von Kulturräumen als lebendigen Treffpunkten – nicht zuletzt auch im Hinblick auf den seit zwei Jahren leerstehenden Kammgarnflügel West, dessen Bestimmung ebenfalls angeschnitten wurde und für dessen Zwischennutzung sich das Kulturbündnis einsetzt.
Die im Veranstaltungstitel gestellte Frage wurde an diesem Podium im Grunde genommen als Tatsache vorausgesetzt: Kultur muss kommerziell sein. Passionierte Publikumsvoten am Schluss des Anlasses machten klar, dass die Schaffhauser Kulturaffinen von Herzen Anspruch auf finanzielle Unterstützung erheben. Das führte an der Diskussion nicht nur einmal zu zweitweise absurd anmutenden Monetarisierungen: Wenn durch Kultur beschäftigte Junge dadurch zum Beispiel keine Dummheiten anstellten, koste das langfristig auch weniger, fand Schärrer – der davor und danach allerdings zahm davon redete, dass der Wert von Kultur schwierig in Geld zu messen sei.
Die Diskussion gestaltete sich friedlich und thematisch breit; das Bündnis hatte der nahenden Budgetdebatte wegen darauf verzichtet, einen hitzigen Bühnenkampf anzuzetteln. So blieb der Anlass weitgehend ein kollektives Einrennen offener Türen – und ein gemeinsames Bibbern um baldige politische Entscheidungen, die den Wert von Kultur eben doch in Zahlen reinzwingt.
Infos: kulturbuendnis-sh.ch
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