von Charles Pfahlbauer jr.
O ja, hier bin ich, schauen Sie mich genau an, kein Erbarmen und keine falsche Rücksichtnahme, geben Sie alles, erzählen Sie mir von der Chronic Obstructive Pulmonary Disease und von ihrem Grossvater oder dem Marlboro-Man, wie er qualvoll sterben musste mit verengten Lungen, kleben Sie mir die Augen auf und lassen mich mit hundert Stunden Mario Cortesis Kehlkopfmikrokrüppeln allein, schicken Sie mich auf einen letzten verkrebsten Marathon, und halten Sie ein paar träfe Sprüche bereit: Ich bin der letzte Raucher. Ja, zeigen Sie mit dem Besserwisserfinger auf mich und führen Sie mich Ihren Kindern vor, die im Nurnochnichtraucherzugabteil auf und ab rennen und dummes Zeugs daherschreien, und wenn man ihnen mal ein Bein stellt, wie am Spiess schreien und einen als Teufel verraten, bis der Vater kommt und man prompt eine Schlägerei ins Gesicht hat, so friedlich ist es im Nichtraucher. Ja, ich bin der letzte Raucher, demnächst hauptberuflich und zur Knappnochlebend-Ausstellung an Gesundheitsseminaren der Lungenliga verpflichtet.
Durchleuchten Sie meine Atemorgane und stecken Sie mich ins Sauerstoffzelt, wo ich lebendigen Leibes verbrenne vor dem Verlangen nach einem Glühstengel, es ist der Horror, der Horror, mein Auswurf sieht stärker aus als ich. Verdammt, ich bin der letzte Raucher, und ich wollte gar nie darüber reden, sondern wie früher nur ein bisschen saugen und ziehen und gesellig sein, Sie wissen schon, ganz nebenbei, es ist die natürlichste Sache der Welt, «sich eine jämmerlich zermatschtetote Pflanze in den Mund zu stecken und zu denken, man sei cool» (Frank Stebbing), ja, es ist cool, manchmal, weil es tröstet und wenigstens irgendetwas anstellt mit der Zeit, es ist wie etwas erledigen, ohne etwas zu erledigen, und es öffnet, wenn rundherum alles zu geht.
Die Kolumne von Charles Pfahlbauer jr. erschien übrigens im Februarsaiten 2007.
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.