«House of Love and Pain» – das weckt spontan Erinnerungen an den Aufenthalt von Gelitin, damals noch als Gelatin, im Haus Birli der Schlesinger-Stiftung. 2002 war das und ziemlich wild. Doch das Motto des Wochenendes will weder einen Ort sadomasochistischer Spielchen ankündigen noch das Bauernhaus in einen Dark Room verwandeln. Dunkel war am vergangenen Wochenende nur die Kleidung der anwesenden Künstler und Künstlerinnen und ihrer Freunde.
Lena Münch, die derzeitige Stipendiatin der Schlesinger-Stiftung, hatte zum Kunstgipfel geladen. Der Garten der Lüste sollte wiederauferstehen, inklusive Sündenfall und erweitert um Schlaraffien. Also blubbert das Käsefondue über offenem Feuer, just an jener Stelle, an der im vergangenen Jahr die Mitglieder der Künstlergruppe Palatti die zwei Schweine Flekki und Spekki gemästet hatten. Zum Knistern des Feuers mischt sich elektronische Musik, dazu Kuhglockengetön und Mobilgerätegeklingel. Wir sind schliesslich im Hier und Heute, auch wenn die Aussicht nach Rehetobel die grosse Welt vergessen lässt.
Was findet hier statt – ein gemütliches Zusammensein unter Gleichen? Die Kunst ist erst auf den zweiten Blick zu sehen, etwa in einer fragilen Installation aus Schnüren und Zweiglein am Baum, Gemälden im Garten und gebündelten Palisaden auf der Weide. Dramatischer wird es dann zwischen den Hecken: Ein Skelett in der frisch ausgehobenen Grube. Haben Liebe und Schmerz ein erstes Opfer gefordert?
Zum Glück wurde das Motto des Wochenendes nicht überall so wörtlich genommen. Zum Beispiel vom Kunstkollektiv WBNG: Im Erdgeschoss des Hauses nahmen sich die Stuttgarter des Weltschmerzes an. Da strahlt ein Feuer aus Leuchtstoffröhren kaltes Licht statt Wärme ab, und die tief abgehängte Decke über den alten Tischen schafft eine bedrohliche Atmosphäre wie in einer Edgar Allan Poe-Erzählung. Enge korrespondierte mit Leere. Dazu sind die Fensterscheiben mit Alufolie abgeklebt oder mit Erde zugeschüttet – lebendig begraben, isoliert. Und die Projektionen der meistgeklickten Youtubevideos auf einen toten Fernseher machen deutlich, dass das Individuum zwar Teil einer globalen Gruppe ist, damit aber noch längst keine Empathie oder Nähe hergestellt ist.
Derweil rumpelt es treppauf, treppab im alten Haus. An einer Tür hängt die Nachricht, dass wegen einer «Trommelreise» derzeit geschlossen ist, anderswo wird vor Publikum tätowiert. Die Grenzen zwischen Wohnen und Installation verschwimmen. Matratzenlager können auch Konzertraum sein und das Treppenhaus eine Projektionsfläche, beispielsweise für eine Arbeit der Ausserrhoder Künstlerin Michaela Müller. Sie aber weilte am Wochenende längst wieder in ihrer Arbeitsstätte in New York.
Trotzdem: Initiantin Lena Münch klang zufrieden. Sie hat während ihres Aufenthaltes ihre eigene Arbeit weitergetrieben, hat neu das Schreiben für sich entdeckt, hat das Konzept für dieses Wochenende entwickelt und damit viele Begegnungen gestiftet. Es wird wohl jeder etwas mitnehmen, der am Wochenende hier war, und sei es nur einen Eindruck davon, was in Ausserrhoden zwischen grünen Weiden und unter imposanten Wolkenbergen alles möglich ist.
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
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Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
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Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.