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Lob des offenen Ateliers

5ünfstern, die Aktion «Offene Künstler-Ateliers», geht in die zweite Runde: Am 6. und 7. Mai öffnen rund 150 Kunstschaffende in den Kantonen St.Gallen, Thurgau und beiden Appenzell ihre Räume. Letztes Wochenende war die Stadt St.Gallen dran.
Von  Peter Surber , 

Was ist das Atelier? Ein Ort der Freiheit, sagt Lika Nüssli. Hier gebe es kein Internet und komme kein Telefon – das mache den Kopf frei für konzentriertes Arbeiten. An ihrem Atelier im 4. Stock der Hauptpost, vom Kanton günstig vermietet, schätzt die Zeichnerin zudem, dass der Raum hoch und roh ist und strapaziert werden kann.

Auf dem gleichen Stock hat Iris Betschart seit kurzem ihre «graue Zone» eingerichtet: ein Wunderland mit Nähutensilien, Nähmaschine, Materialien aller Art, Schachteln mit Aufschriften wie Krimskrams, Kordeln, Schnallen oder Murmeln, Notizheften, Fotos. Das Atelier mache es ihr möglich, «in meinen Dingen drin zu sein» – und dies wenn immer möglich jeden Tag.

Annina Thomann hat in ihrem Raum in der Reithalle einige der gequetschten Ziegelsteine aufgestellt, denen momentan ihr künstlerisches Interesse gilt und die sie ab 1. Juni im Lagerhaus zeigen wird in ihrer Werkbeitrags-Ausstellung unter dem schlichten Titel «to build». Das Atelier sei als Werkraum zentral – «eine Insel,  in die ich mich zurückziehen kann». Die Ziegelsteine entstehen allerdings nicht hier, sondern in einer Ziegelbrennerei.

«Materialeigenschaften herausfordern», das ist, was sie interessiert und worüber das Publikum in ihrem Atelier Überraschendes erfährt – etwa dass Stoffe ein Materialgedächtnis haben, das sich für den künstlerischen Prozess fruchtbar machen lässt. Oder dass die Arbeit mit Keramik eine ausgezeichnete Übung in Entschleunigung sei – wenn man pressiert, geht es schief.

Durchwegs positiv äussern sich auch andere in der Reithalle einquartierte Kunstschaffende. Die Ateliers, welche die Stadt günstig vermietet, seien «einfach toll und ein Geschenk», sagt die Fotografin Tine Edel. Sie ist seit zwei Jahren in der Reithalle, davor habe sie in einer kleinen privaten Mansarde gearbeitet, mit weniger Platz und ohne den kollegialen Austausch, der sich in der Reithalle fast von selber ergebe.

Beatrice Dörig schätzt diesen Dialog ebenfalls, auch jetzt an diesem Wochenende der offenen Türen: «Es ergeben sich spannende Auseinandersetzungen mit der eigenen Arbeit.» Hier hatte zuvor der verstorbene David Bürkler gearbeitet – die Grösse des Raums wirke sich auch auf die Formate Ihrer Werke und den ganzen Schaffensprozess aus, sagt die Künstlerin.

Einen Stock höher breiten sich die Auslegeordnungen von Felix Stickel aus. Sein Atelier an der Stirnseite der Reithalle wirkt dank den Halbrund-Fenstern besonders grosszügig. «Das Atelier ist meine Arbeit», sagt er radikal; es sei der Ort wenn möglich «täglicher Praxis» in den Feldern von Theorie, Bildforschung, Materialexperimenten, Lektüre.  Stickel spricht von seiner Skepsis gegenüber dem «Weg der Malerei» und der Fülle der Bilder – und reagiert darauf mit einer Kollektion von «Gefügen, die ständig komplexer werden».

Bei Michael Bodenmann nebenan wuchert es weniger. Das Atelier nennt er sein «Refugium»: geschätzt als Rückzugsort insbesondere jetzt in der Schlussphase seines Masterstudiums in Zürich. «Super, dass eine Stadt wie St.Gallen solche Räume zur Verfügung stellt», sagt Bodenmann.

Kristin Schmidt, Co-Leiterin der Fachstelle Kultur der Stadt, bestätigt, die Ateliers seien begehrt – eine Warteliste gibt es zwar nicht, aber sie werden im Dreijahresturnus ausgeschrieben, mit Verlängerungsmöglichkeit bis zu dreimal drei Jahren. Besonders attraktiv sei natürlich ein Ort wie die Reithalle, wo die eigenen Werke in Resonanz mit anderen Kunstschaffenden kommen.

5ünfstern, ganze Ostschweiz ohne Stadt St.Gallen: Samstag 6. Mai 12-19 Uhr, Sonntag 7. Mai 11-17 Uhr
Infos: fuenfstern.com

Nicht bloss die «üblichen Verdächtigen»

Genau dieses Anliegen – Austausch und Vernetzung – verfolgt Brigitte Kemmann mit ihrer inzwischen zur Tradition gewordenen 5ünfstern-Aktion. Vernetzen, das heisse zum Beispiel: Menschen an Orte zu holen, wo sie sonst nicht hinkämen. Oder: Unerwartete Begegnungen ermöglichen. Und schliesslich vor allem: Kultur zu vermitteln an jene Mehrheit, die sich dafür bis dahin nicht interessiert.

So hat sie es gegenüber Saiten im Aprilheft erklärt und mit einem drastischen Bild begründet: 95 Prozent der Bevölkerung blieben der Kultur fern, die übrigen fünf Prozent bewegten sich in geschlossenen Zirkeln der «üblichen Verdächtigen». Das müsse man aufbrechen und versuchen, einer neuen Klientel all das grossartige Schaffen von Künstlern aller Sparten näher zu bringen. Die direkte Begegnung vor Ort, wie es 5ünfstern möglich mache, sei ein gutes Format, um diese Öffnung der Kultur voranzubringen.

Also: Raus aufs Land zur Kunst, nach dem Motto, das vor Lika Nüsslis Atelier prangt:

 

 

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

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Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

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Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

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Ern­ten in der Grau­zo­ne

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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

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Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

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Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

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Filminstallation über Vergänglichkeit

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Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

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Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

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Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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