Haben Sie auch gewählt oder sind Sie schon vorher eingeschlafen? Das konnte ja durchaus passieren, bei diesem harmonieseligen, braven Wahlkampf, mit dem unsere Stadt in den vergangenen Wochen überzogen wurde (Saiten online hat es am 15. September mit Ludwig Hohl schön auf den Punkt gebracht).
Wir stellen fest: Alle Kandidierenden haben sich eigentlich lieb, und das Revival der Autopartei in Gestalt der Mobilitätsinitiative nimmt niemand ernst.
Diesen Wahlkampf könnte man einfrieren, in Plexiglas verpacken und an der nächsten Expo, wann und wo auch immer diese stattfinden mag, als Objekt mit dem Titel «Der Stadt gewordene Konsens» ausstellen. Wie würden da unsere dannzumal in sozialen Kämpfen gestählten Kinder Augen machen! Sie würden in dieser Installation auch die über die Parteien hinweg austauschbaren Wahlplakate bestaunen können, diese immer gleichen Portraits.
Zugegeben, ein bisschen etwas wurde diesmal schon gewagt in Sachen Wahlwerbung. Die FDP zum Beispiel hat sich mit einer FilterApp vergnügt, die alle ihre Kandidatinnen und Kandidaten wie gemalt aussehen liess. Nur war der Effekt so, dass die Bedauernswerten eher wie auf Gemälden in einer Ahnengalerie daherkamen.
Bei der CVP wurde, ganz verwegen, auf die eine oder andere Krawatte verzichtet (Lockerheit, Bürgernähe), die SP postierte ihr Personal vor einem Hintergrund mit nach unten absinkender Röte (Mässigung, Seriosität).
Die gleichen Plakate könnten in jeder beliebigen Schweizer Stadt hängen, denn überall gibt es diesen Hang zur Vorsicht und Anbiederung der eigenen Klientel gegenüber, der regelmässig in einem Floskelschwall endet. Fast überall wird eine Offenheit suggeriert, welche die Wahlprogramme bei genauerer Betrachtung nicht hergeben.
Gute Wahlwerbung müsste Popkultur sein, denn Politik, die sich jung gibt, ohne es zu sein, wirkt uralt.
Ein kleiner Wahlflyer, der an einschlägigen Veranstaltungen, wie den Fussballlichtspielen, auftauchte, hat mir persönlich aber gut gefallen. Das mit klarem Strich gezeichnete Portrait der Tankstell-Beizerin Maja Dörig hatte tatsächlich diesen popkulturellen Charme, was mich zu einer Nachwahlforderung verleitet: Sollte Maja nicht gewählt werden, starten wir eine Kampagne, um sie zur Lokremise-Gastronomin zu machen. Auf dass dort endlich nicht mehr nur Kinok, Theater und Kunst für Hirn und Leidenschaft stehen, sondern auch die Beiz.
Dani Fels, 1961, ist Dozent an der FHS St.Gallen und Fotograf. Er schreibt monatlich die Stadtkolumne in Saiten.
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.