Am Dienstagabend wurden im Palace insgesamt 16 Werkbeiträge, vier Förderpreise und ein Anerkennungspreis der Stadt St.Gallen an lokale Kulturschaffende verliehen. Sie ehren ihre Leistungen, ermöglichen aber auch die weitere Entwicklung und Umsetzung zukünftiger Projekte.
Das Palace ist voll. Eliane Sutter alias ELYN bringt den Saal mit ihrer Singer-Songwriter-Klavierkomposition zum Schweigen und Lauschen. Sie eröffnet damit den Abend. Rebecca C. Schnyder führt als Moderatorin durch das Programm und übergibt das Wort an Stadtpräsidentin Maria Pappa. Sie beschreibt die Kulturlandschaft St.Gallens als unverwechselbar, reichhaltig, vielfältig und eben auch kompakt. Dies werde von einer Bekannten, die sie vor kurzem traf, in Zürich so sehr vermisst, dass es in ihr «gar Heimweh» auslöse.
Die vier Förderungspreisträger:innen seien im Palace zu Hause, sagt die Stadtpräsidentin. Schliesslich haben fast alle von ihnen bereits auf dessen Bühne gestanden. Für Manuel Stahlberger sei die Wahl der Location sowieso ein Heimspiel. Fair, wenn man bedenkt in wie vielen Konstellationen er über die Jahre hier aufgetreten ist. Das Publikum soll nun die Menschen hinter den Preisen kennenlernen.
Natter, Amboss & Steigbügel, Doré und Kubik
Die darauf folgenden Laudationen – vorgetragen von Mitgliedern der Kommission – ehrt die vier Förderungspreisträger:innen: Imelda Natter, die «exzellente Organistin und erfolgreiche Organisatorin» aus Vorarlberg entwickelte 2017/2018 das Projekt «klanghalt». Dieses war von dermassen grossem Erfolg geprägt, dass ihm bereits die vierte Fortsetzung im Kreuzgang von St.Katharinen bevorsteht. Sie «packt das Publikum am Ohr», besitze ein grosses Improvisationstalent und stelle dieses und sich in den Dienst anderer. Imelda Natter erhält einen Förderungspreis für ihre innovative, beständige und verbindende musikalische Arbeit in der Stadt St.Gallen.
Der während des ersten Lockdowns gegründete Verein «Amboss und Steigbügel» – für ein paar Sekunden auch in «Amboss und Steighügel» umbenannt – erhält ebenfalls einen Förderungspreis. Nach nur drei Jahren gilt ihre regelmässige Konzertreihe im Peronnord bereits als «Fixpunkt der kulturellen Topographie» der Stadt. Ihr vielschichtiges, inspirierendes und zeitgenössisches Programm wird schon jetzt als «Kulturerbe von morgen» betitelt. Der Förderungspreis unterstützt das Bestreben des Vereins, sich im Bereich der experimentellen Musik in der Stadt und überregional zu positionieren und als Veranstalter zu verankern.
Bettina Kugler von der Kulturkommission hält eine Laudation. Gleich hinter ihr (von links): Julia Kubik, Raul Doré, Sandro Heule und Patrick Kessler von Amboss und Steigbügel, Imelda Natter und Stadtpräsidentin Maria Pappa.
Raoul Doré mischt seit 2006 die Bühne im Palace auf. Das Multitalent schafft multimediale Projekte, die auch liebevoll «Bastard aus Kino & Konzert» genannt werden. Auch mit seiner Musik – in Bands wie «Alte Sau» oder zuletzt «Hundefutter» mit Julia Kubik –, seinen Illustrationen und auch seinem Mitwirken im «Geilen Block» mit dem Projekt «P.Q.R.D.» prägt er seit Jahren das kulturelle Bild der Stadt. So wird er bei der Laudatio gar gerühmt mit dem Satz, er gelte nun «fast als Schweizer, oder zumindest als St.Galler». Der Förderungspreis unterstützt Raoul Doré in seinem experimentellen Schaffen und will ihn bestärken, sich auch weiterhin in der Stadt St.Gallen zu vernetzen und für eine lebendige Kunstszene einzusetzen.
Bei Julia Kubik dreht sich sehr viel um das Denken. Absurditäten und Banalitäten des Alltags werden in Worte gefasst, in Illustrationen festgehalten, umgetextet und von der Spoken-Word-Artistin neu dargestellt. «Es denkt, Julia Kubik denkt weiter». Ob bei der WOZ, beim SRF, als monatliche Comiczeichnerin im Saitenmagazin oder als Teil der Stadtgespräche in der Grabenhalle: ihre Denkanstösse, ihre Worte, ihre Bilder gestalten diese Stadt mit. Julia Kubik erhält den Förderpreis für ihre gelungenen Alltagsbeobachtungen in Wort und Bild und ihren grossen Beitrag zum lebendigen und vielfältigen Kulturleben der Stadt St.Gallen.
Nach einer musikalischen Einlage der Band «Hundefutter» – bestehend aus Raoul Doré und Julia Kubik – die unter anderem die Slogans aller Dörfer im Kanton versammeln, erfolgt die Verleihung des Anerkennungspreises an Manuel Stahlberger.
Eine Statue hätts auch getan
Bei ihm kommen diverse Jurys seit über 20 Jahren immer wieder zum gleichen Abstimmungsresultat und zeichnen ihn regelmässig mit Preisen aus. «Simmer wieder glich wit» könnte man da mit Stahlbergers legendärer Comic-Figur Herr Mäder auch an diesem Abend sagen. Die langanhaltende Karriere des «man of many talents», dessen Werk ein gelebtes Hoch auf die Mundart darstellt, wird als «beeindruckend, mit kleinen Expansionsträumen, aber ohne Kompromisse» bezeichnet, dessen Wirken dennoch weit über die Stadt hinaus strahlt. Die Stadt St.Gallen würdigt mit dem Anerkennungspreis Manuel Stahlbergers künstlerische Arbeit und seinen wichtigen Beitrag zum kulturellen Leben in der Ostschweiz und weit darüber hinaus.
Manuel Stahlberger kommt als einziger Preisträger selbst zu Wort mit einer Dankesrede. Seine Französischkenntnisse gibt er mit Hilfe von telefonierenden Illustrationen á la «On y va» preis. Zum Abschluss lässt er durchblicken, dass er bei der nächsten Preisverleihung auch mit einer Statue von sich zufrieden wäre und präsentiert seine Vorschläge in allen Grössen und an allen möglichen Plätzen gleich mit: Mal neben Frosch im Park, mal neben Vadian, mal so riesig, dass man aus der Bahnhofunterführung kommend nur den Fuss sehen kann.
Zum Abschluss der Veranstaltung werden die Empfänger:innen der Werkbeiträge 2022 auf die Bühne geholt und ihr jeweiliger Urkundentext verlesen. Dies waren: GAFFA, Andrea Martina Graf, Andy Guhl, House of Pain, Marlies Pekarek, Lukas Schneeberger, Herbert Weber und Michael Neff. Letzterer performt anschliessend ebenfalls ein Jazzstück mit seiner Band auf der Bühne.
Die Empfängerinnen der Werkbeiträge 2023 wurden aus 45 Beiträgen ausgewählt und ging an acht Frauen: Beatrice Dörig, Elenita Queiróz, Teresa Peverelli, Rebecca C. Schnyder, Julia Sutter, Eliane Sutter, Anita Zimmermann und Luisa Zürcher. Mit einer Dankesrede der Co-Leiterinnen der Kulturförderung – Barbara Affolter und Kristin Schmidt – ging der Abend zu Ende.
Die Empfängerinnen der Werkbeiträge 2023 (von links): Elenita Queiróz, Anita Zimmermann, Teresa Peverelli, Beatrice Dörig, Julia Sutter, Rebecca C. Schnyder (Moderation), Eliane Sutter, Luisa Zürcher und Maria Pappa (Stadtpräsidentin).
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.