Es waren beeindruckend persönliche Worte von Lydia Wenger vor dem versammelten Stadtparlament, als sie schilderte, wie sie Opfer einer sexistischen Belästigung wurde. Nicht nur aufgrund ihrer eigenen Erfahrung, sondern gestützt auf Statistiken – unter anderem des Gleichstellungsbarometers –, die einen bedenklichen Anstieg solcher Übergriffe zeigen, erkundigte sie sich in ihrer Interpellation, ob der Stadtrat bereit sei, ein niederschwelliges Meldetool für sexistische, queerfeindliche oder rassistische Belästigungen einzuführen.
Ein solches Tool gibt es mit «Zürich schaut hin». Inzwischen haben auch Bern und Luzern dieses Tool eingeführt. Auf einer Internetseite können erlebte oder beobachtete Belästigungen gemeldet werden. Auch Diskriminierungen, sexistische, queerfeindliche oder rassistische Bemerkungen oder gar Drohungen können hier erfasst werden. Die Daten werden auch dazu genutzt, stadt- und ortsspezifische Präventions-, Sensibilisierungs- und lnterventionsmassnahmen zu entwickeln. Betroffene bekommen auf der Internetseite ausserdem Informationen zu verschiedenen Anlaufstellen.
Deutliche Worte im Stadtparlament
Schon in der Ratsdebatte gab es deutliche Forderungen nach der Einführung eines solchen Tools, doch Stadträtin Sonja Lüthi musste die Haltung des Stadtrates vertreten: Das Tool koste zwischen 15’000 und 20’000 Franken und dessen Betreuung bis zu 50’000 Franken pro Jahr. Das sei zu teuer. Der Stadtrat verwies als Alternative auf verschiedene bestehende Angebote, von der Opferhilfe über die Schulsozialarbeit und die mobile Jugendarbeit bis zur Polizei.
Doch nun doppeln die Fraktionen von SP, Grüne, GLP und die Mitte nach und stellen fest: «Die bestehenden Angebote sind nicht niederschwellig zugänglich und die Meldetools in anderen Städten haben sich in den letzten Jahren sehr bewährt.» Es bestehe dringender Handlungsbedarf, denn 83 Prozent der Frauen haben laut Gleichstellungsbarometer schon Belästigungen erlebt.
Im Vorfeld der Parlamentsdebatte hatten bereits die queeren Organisationen der Region, unterstützt von den Dachverbänden Pink Cross, LOS (Lesbenorganisation Schweiz) und TGNS (Transgender Network) Stadträtin Sonja Lüthi auf den hohen Anteil von Übergriffen und Belästigungen in der Öffentlichkeit gegen queere Personen Aufmerksam gemacht, auf sogenannte Hate-Crimes (Hassverbrechen). Trans- und nonbinäre Menschen sind überdurchschnittlich oft davon betroffen.
Die aktuelle Kriminalstatistik des Kanton St.Gallen registrierte allein für das zweite Halbjahr 2023 sechs entsprechende Meldungen, die LGBTIQ-Helpline mit ihrer Peer-to-peer-Beratung zählte 2023 sogar 27 Fälle aus dem Kanton St.Gallen – mit stark zunehmender Tendenz und bei einer hohen Dunkelziffer.
Diese Zahlen bestätigt auch die 2023 publizierte nationale Studie «Hate-Crime-Opfererfahrung in der Schweiz» im Auftrag der kantonalen Polizeikommandant:innen: Fast 30 Prozent der Personen einer «sexuellen Minderheit» und fast 35 Prozent einer «geschlechtlichen Minderheit» wurden in den fünf Jahren zuvor Opfer eines Hassverbrechens.
Vier Fraktionen machen Druck
Mit dem diese Woche neu eingereichten parteiübergreifenden Postulat wird der Stadtrat jetzt aufgefordert, konkrete Schritte zu unternehmen. Er soll prüfen und Bericht erstatten, «wie ein Meldetool nach Zürcher Vorbild in der Stadt St.Gallen eingeführt werden kann». Er soll aufzuzeigen, welche personellen, finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen für die Einführung des Tools sowie die dazugehörigen intensivierten Massnahmen zur Sensibilisierung, Prävention und Intervention zu schaffen sind.
Weil die vier Fraktionen zusammen eine komfortable Mehrheit haben, bestehen gute Aussichten, dass das Postulat überwiesen wird und der Stadtrat danach nochmals über die Bücher muss.
Kunst in Oberuzwil
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.