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Mixologie: Radio Suisse Cocktail

Wer war Harry Schraemli? Wie hat er die Schweizer Cocktail-Kultur geprägt – und wieso ging er vergessen? Diesen und anderen Fragen gehen Niklaus Reichle und Philipp Grob in ihrer neuen Saiten-Kolumne nach.
Von  Gastbeitrag

Fruchtige Frische umschwärmt unsere Zunge, und es prickelt wunderbar. Wir kredenzen gerade einen «Radio Suisse Cocktail» und fragen uns, wie der Cocktail wohl zu seinem Namen kam.

Radio Suisse Cocktail:

In den Shaker gebe man reichlich Eis,
 12 Messbecher Ananassaft, 12 Messbecher Apricot Brandy und schüttle gut. Anschliessend giesse man die Mischung
 in ein Champagnerglas. Dieses fülle man mit kaltem Schaumwein auf. Zum Schluss gebe man eine 12 Scheibe Orange dazu.

Nun denn, wir haben versucht, es herauszufinden. Und antworten in Form eines kulturgeschichtlichen Streifzugs durch die helvetische Cocktail-Landschaft. Doch wie ist ein solch banales Unterfangen angesichts allen Übels, das derzeit auf der Welt grassiert, überhaupt zu rechtfertigen? Bräuchte es an dieser Stelle nicht eine Kolumne zu wirklich wichtigen Themen? Steuerreformen, Flüchtlingskrise, IS oder Trump? Vielleicht. Wir wenden uns etwas alltäglicheren Fragen zu. Von mangelnder Relevanz immerhin kann im Fall von Alkohol angesichts seiner Omnipräsenz in Gaststätten, auf Esstischen, in Zugabteilen, bei Geschäftsessen, Hochzeiten und eben in Cocktailbars wohl nicht gesprochen werden.

Wie auch immer, nach einigen «Radio Suisses» schien es unvermeidlich, sich näher mit diesem Thema zu beschäftigen.
Es galt herauszufinden, was es mit diesem orangen Trank und seinem illustren Namen auf sich hat. (Von Vivi Kola wissen wir ja auch, dass es aus Eglisau kommt.) Eine erste Recherche führte uns zum Namen Harry Schraemli. Und als wir unsere Suche
nach den Spuren des Cocktails in der Schweiz intensivierten, stolperten wir immer wieder über Harry Schraemli. Zeit, uns diesen Herrn genauer anzuschauen.

Harry Schraemli Cocktail Club, 1. Folge: 28. April ab 20 Uhr ehemalige Confiserie Pfund St.Gallen

Zur Welt kommt Heinrich Chira Schraemli 1904 in Trier. 1995 stirbt er im luzernischen Hergiswil. In seinen 91 Lebensjahren hat er, so mussten wir bald feststellen, die Schweizer Gastronomie – und nicht nur diese – gehörig aufgemischt. So hinterliess er auch im gesellschaftlichen Alltag einige Spuren. Wer war dieser Charakterkopf, der unter anderem Thomas Mann wegen eines Kochbuchs zu Gast hatte, auf abenteuerlichen Missionen für die UNO in Jugoslawien und Afrika war, in einem Reisebericht «die Volksrepublik China aus der Sicht eines Kapitalisten» schilderte und König Umberto von Italien zu Tränen rührte?

Und wie kam es dazu, dass dieser Herr samt seinem Vermächtnis plötzlich in Antiquariaten verschwand und vergessen ging? Diesen Fragen wollen wir – immer auch mit Aktualitätsbezug und einem Rezept zum anschliessenden Runterspülen –
in dieser Kolumne nachgehen.

Niklaus Reichle, 1986, und Philipp Grob, 1982, Sozialwissenschaftler und Bartender, arbeiten derzeit an einem Projekt zur Aufarbeitung der helvetischen Cocktailkultur.

Jetzt mitreden: 2 Kommentare
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Fritz Germann,  

Die Radio Suisse SA übermittelte im Auftrag des Bundes den gesamten Telegrafenverkehr über die Stationen Riedern/Münchenbuchsee und Colovrex/ Prangins. Zudem leitete sie die 'Seefunkstelle Bern' für die Funkverbindungen mit den Schweizer Schiffen auf See, und später auch die Flugsicherungsdienste in Zürich, Bern und Genf.
Die Funker unterstanden dem Internationalen Telegrafengeheimnis, sie arbeiteten mit dem Morsealphabet, einer Sprache also, die außer ihnen kein Mensch in solcher Perfektion beherrschte. Sie waren deshalb eine ebenso verschwiegene wie verschworene Gemeinschaft - weltweit! Und wenn sie sich in den einschlägigen Bars trafen, 'rasselten' sie ihre Witze und Geschichten in Morse Code, indem sie mit dem Löffel 'morsten!' Was Wunders, dass H Schrämli diesen Leuten einen Cocktail widmete! Di di di dah di dah.

Hanss Dampff,  

Prost Nägeli. Helvetische Cocktailkultur! Bislang kamen mir da spontan Zürich, der Letten, das Bienehüsli in St. Gallen, Drogen und spritzenabgabe-verhindernde Politiker in den Sinn. Doch nun dreht sich der Begriff um Apricot-Brandy – kann man den wirklich irgendwo kaufen? –, Vivi Kola und Rechtfertigung. So wünsche ich als bekennender Himbeersirup-Anhänger den Autoren viel Glück beim Kampf um den erhebenden Kulturbegriff und bin gespannt auf Erhellendes. Vor ein paar Jahren hätte ich mir jedenfalls auch nicht träumen lassen, dass es so etwas wie Fan(atisch)-Kultur gibt.

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