Mehr Platz für Fussgänger und Velos, nicht noch mehr Autos, dafür mehr ÖV: So etwa kann man das Mobilitätskonzept 2040 zusammenfassen, das der Stadtrat dieser Tage vorgestellt hat. Dabei wurde viel von Visionen und Zielen geredet. Weitblick schadet nie und die angestrebten Veränderungen sind zukunftsträchtig.
Aber 2040 ist doch etwas gar weit weg.
Darum hier ein paar Punkte, bei denen die Verwalter der Strassen und Wege sofort etwas für Velofahrer und Fussgänger tun könnten. Meistens braucht es dafür weder einen Millionenkredit noch eine Volksabstimmung – ein Topf Farbe, etwas Improvisation und ein paar wenige Werkzeuge würden genügen.
St. Leonhardstrasse: Hier wurde in den letzte Monaten gebaut, um die Verkehrssituation übersichtlicher zu machen. An dieser Ecke wurde eine echte Todesfalle geschaffen: Das unspektakuläre Mäuerchen im Bild nimmt den Autofahrern, die von der Autobahn kommen und hier Richtung Bogen-/Fürstenlandstrasse abbiegen, die Sicht auf den Fussgängerstreifen. Und den Fussgängern die Sicht auf die Strasse. Wenn die Stadt derzeit an der St.Josefenstrasse für 300’000 Franken einen Hügel wegbaggert (stand so im Tagblatt-Print), kann sie hier auch gleich mit einem Schlagbohrer vorbeikommen.
St.Leonhardbrücke: Diese Veloführung wurde offensichtlich von Menschen geplant, die selber nicht (hier) velofahren. Besser den Veloweg nur auf dem im Bild gezeigten Trottoir führen, dafür in zwei richtungsgetrennten Spuren. Oder die heutige, verwirrende Situation aufheben und die Strasse auf der Brücke wieder freigeben, inklusive Velo-Symbolen auf den Busspuren.
Bahnhof Nord: Bitte endlich dieses oberirdische Parkverbot für Velos aufheben. Es hält sich eh niemand dran (siehe Bild). Und auch der Stadtpolizei ist es wohl zu blöd geworden, dort Bussen zu verteilen. Und wenn wir gerade dort sind, brechen wir auch mal eine Lanze für die Autofahrer: Die Bahnhofvorfahrt, die keine ist, muss wieder eine werden. Halteverbot aufheben, denn Platz hat es genug: Taxis warten dort nämlich kaum.
Fürstenlandstrasse bergab: Nirgendwo ist man als Velofahrer härter im Sandwich zwischen Autos, Lastwagen, 7er-Bus und Randstein als hier. Klar, der Platz auf der Strasse ist knapp – aber ein einfacher Velostreifen auch bergab würde bereits etwas mehr Respekt (und damit Abstand) von den motorisierten Verkehrsteilnehmern bringen.
Gut geklappt hat das ja schon an anderen Orten: Etwa auf der Gottfried-Keller-Strasse, wo sich im Sommer bergauf jeweils die Velofahrer zu den Weieren stauen – und dabei bis vor zwei Jahren zwischen Autos und dem Strassenrand eingeklemmt waren. Heute ist dort ein Velostreifen und die Situation hat sich spürbar entspannt.
Teufener Strasse bergauf: Wer als Velofahrer von der Kreuzung Teufener Strasse/Oberstrasse bergauf fährt, wird ebenfalls bös an den Rand gedrängt. Und weils dort bergauf geht, hängt man umso länger in dieser unangenehmen Situation fest. Auch hier: Der Platz auf der Strasse ist sauknapp, aber ein Velostreifen würde nur schon als optischer Stopper etwas nützen.
Fussgängerstreifen zwischen Neumarkt und Bahnhof: Ohne Zweifel der nervigste Fussgängerstreifen St.Gallens (auch für Autos). Ein unschöner Bremsklotz für Pendler, die auf dem Weg zum Bahnhof sind. Was wir hier brauchen, ist eine Passarelle. Optional mit einem Abgang auf die Strasse und einem Eingang direkt in den 1. Stock der Bibliothek Hauptpost. Dass eine solche Fussgängerbrücke nicht viel Zeit und Geld kostet, sieht man etwa an der provisorischen Passarelle im Riethüsli.
Kreuzung Oberer Graben/Vadianstrasse: Sicher einer der geschäftigsten Verkehrsorte, wo sich ständig Autos, Fussgänger und Velofahrer kreuzen. Trotzdem ist die Signalisation für Velofahrer, die Richtung Altstadt fahren, unklar. Das führt regelmässig zu einer Art Kleinkrieg mit den Fussgängern vor dem Globus. Auch hier: Ein wenig Farbe auf die Pflasterstrasse würde klare Verhältnisse schaffen.
…und sonst
Freies Rechtsabbiegen bei roten Ampeln muss national eingeführt werden. Nach Pilotversuchen in Basel gibts ähnliche Ideen auch in Zürich und Luzern, der Bund will sich vor 2017 aber nicht dazu äussern. Eine Chance für St.Gallen, das Experiment auch jetzt schon zu wagen.
In St.Gallen dürfen die meisten Busspuren mittlerweile auch mit dem Velo befahren werden. Auch die restlichen sollten freigegeben werden, denn: Auf viel befahrenen Strassen wie etwa der Rorschacher Strasse ist die Lage für Velofahrer damit deutlich entspannter geworden.
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung