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Mond-Stadien und Heimatgefühle

Dieses Wochenende entführen die Fussballlichtspiele St.Gallen ihr Publikum wieder in die Welt des gefilmten Fussballs. Zum Auftakt des neu dreitägigen Festivals ging man mit «This is Söderstadion» und einer Podiumsdiskussion dem Stadion als Heimat nach. von Pierre Lippuner
Von  Gastbeitrag
Bilder: Marc Taudien

«Für mich sind die Gläser vom FC Hammarby wichtiger als die Kristallgläser, die wir von Oma bekommen haben.» Es sind Sätze wie diese, die im schwedischen Dokumentarfilm This is Söderstadion (Originaltitel: Vi är bäst ändå, 2014) einen Einblick in die Leidenschaft gewähren, die Fans für ihren Fussballclub hegen.

Der Film von Andreas Bjunér folgt den beiden Stockholmer Fussball-Enthusiasten Kajsa und Magnus, behandelt ihre Ansichten über den bevorstehenden Stadionwechsel und setzt sich dabei mit dem Gefühl des Verlusts und den Auswirkungen der bevorstehenden Veränderung auseinander. «Das Söderstadium ist mitten in der Stadt. Wir sind da zuhause. Im neuen Stadion weiss man gar nicht, wo man ist. Als wäre man auf dem Mond», erklärt Magnus den Zuschauern.

Grün-weisse Gemeinsamkeiten

Die Parallelen zum FC St.Gallen 1879 sind frappant. Nicht nur teilt er sich die Trikotfarben mit dem schwedischen Fussballclub (wobei unser Grün aber etwas schöner ist), die ortsansässige Fankurve machte 2008 dasselbe mit dem Espenmoos durch: Ein urbaner Freiraum wurde durch ein grösseres und vor allem kommerzielles Konstrukt ersetzt. «Es ist wie der Wechsel von einem Eigenheim zu einem gemieteten Lokal», heisst es im Film. Und: «Man verliert Jobs, man verliert Partner, seine Eltern, aber der Fussball bleibt.»

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Gut besucht, trotz schönstem Wetter: der Eröffnungsfilm im Tiffany.

Halbzeit. Die Lichter gehen an, 15 Minuten Pause. Beim Anstehen auf der Toilette sind Gesprächsfetzen zu vernehmen. «Ich kenne den Club da nicht, aber bei denen wars wie bei uns.» Oder: «Seit dem Espenmoos ist es schon nicht mehr dasselbe. Das Gemeinschaftliche ist weg.» Die Zuschauer können sich mit den Fans des Söderstadions identifizieren und fühlen sich in eine andere Zeit zurückversetzt.

Zweite Fussballlichtspiele St.Gallen: 1. bis 3. September, Lämmlisbrunnenquartier St.Gallen

Infos, Konzert und Programm: fussballlichtspiele.ch

«Der Kybun-Park, die ehemalige AFG-Arena, ist ein konstruiertes Gebilde. Er ist nicht der Szene entwachsen», sagt Dani Fels, Städteforscher und Dozent an der FHS, später an der Podiumsdiskussion. «Dadurch ging das Gefühl verloren, dass man Teil von etwas grösserem ist.» Mit dabei sind – unter der Moderation von Corinne Riedener – auch Yvette Sànchez, Professorin für Spanische Sprache und Literatur an der HSG, sowie der Mitherausgeber des 2007 erschienenen Espenmoos-Buchs, Daniel Torgler. «Viele von uns sind im Espenmoos aufgewachsen», erklärt er. «Dort war es urchig, chaotisch – es gab kein System. Im Gegensatz zum Söderstadion hatten wir aber keine Möglichkeit, uns gebührend von unserem Stadion zu verabschieden.»

Ein Auto für ein Match-Ticket

Auf die Frage, ob dieses Heimatgefühl global sei, erklärt Sànchez, dass die Symbolkraft von Fussballstadien in Südamerika sogar noch etwas grösser sei. Und ungewollte Veränderungen gab es auch da. «Seit Stadien von Firmen finanziert und gesteuert werden, werden die Fans nach Kaufkraft und Glamour segmentiert. Man unterscheidet zwischen VIPs und Stehplätzen. So geht der Zusammenhalt natürlich verloren», sagt Sànchez. «Die Preise steigen, die Leidenschaft jedoch bleibt. In Brasilien haben manche ihre Autos verkauft, einfach, damit sie am nächsten Match auch dabei sein können.»

Ob die Fans überhaupt etwas zu sagen haben beim Bau neuer Stadien, will Riedener wissen. Bei der Planung von neuen Stadien wahrscheinlich nicht, meint Fels. Torgler legt nach, dass die Verständigung auch beim Kybun-Park bzw. der AFG-Arena alles andere als einfach war. Mittlerweile gebe es aber zum Glück den Espenblock – dank der Arbeit der Fans.

«Stadien sind sakrale Orte voller Erinnerungen und Emotionen. Daher sollten sie geschützt werden!», fordert ein Zwischenrufer. Applaus. Die Diskussion ist vorbei. Nochmals 15 Minuten Pause, dann folgt der nächste Film.

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Die Tschuttibildli-Ausstellung im Kino Tiffany, wo auch Manuel Stahlbergers Fussballbilder zu sehen sind.

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…Und was wären die Fussballlichtspiele ohne Musik – Am Freitag spielen Dachs, Herr Bitter und Elio Ricca:

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Hans Fässler,  

Die "guten alten Stadien" waren also ein Stück Heimat? So weit, so akzeptabel. Aber muss man den Umzug in den Kommerz, in den Sportkapitalismus, in die Sponsoring- und Transferorgien einfach mitmachen? Halt einfach wegen der sogenannten "Leidenschaft"? Wären AFG-Arena und Kybun-Park einen Deut besser, wenn man sich vom "Sakralraum" Espenmoos hätte verabschieden können? Hat jemand am Podium auch solch grundsätzliche Fragen gestellt? Oder muss das einmal ich machen?

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