Die Abkürzung SENF steht dieses Mal für «Siege erleben, Niederlagen fühlen». Um dieses Spannungsverhältnis, um die «emotionalen Extreme», wie es im Editorial heisst, geht es in der jüngsten SENF-Ausgabe.
Niederlagen. Die kenne man als FCSG-Fan durchaus, erklärt Bruno Zanvit vom SENF-Kollektiv am Donnerstagabend an der Lämmlisbrunnenstrasse. Siege ebenfalls. Hin und wieder. Rational erklären könne man die damit verbundenen Emotionen zwar nicht wirklich, an diesem Abend könne man aber zumindest darüber reden, über diese Gefühle…
Dazu bereit erklärten sich Yvette Sanchez, Professorin für Spanische Sprache und Literatur an der HSG und Expertin für südamerikanischen Fussball und Fussballkultur im Allgemeinen, Jaan Schaller, die dienstältere Hälfte des Adrenalin-Teams von Radio Toxic, und Ruben Schönenberger vom SENF-Kollektiv, das auch regelmässig für Saiten schreibt.
Lebensschule ja oder nein?
Fussball, ob nun im Stadion, auf dem Platz, im Radiostudio, vom Sofa oder von der Badewanne aus, sei Emotion pur. Darüber sind sich die Gäste sofort einig. Ob das Fan-Dasein auch eine Art Lebensschule sei, darüber teilen sich die Meinungen. «Heutzutage wird doch fast alles als Lebensschule verkauft», findet Schaller und darum: «eher nicht». Schönenberger widerspricht, schliesslich lerne man als Fan nicht nur mit Siegen und Niederlagen, sondern auch mit allen möglichen Leuten umzugehen.
Klar doch, pflichtet ihm Basel-Fan Sanchez bei. Man projiziere unheimlich viel in den Fussball hinein; Frust, Triumphe, Ängste und Hoffnungen. Dabei könne man immer wieder etwas dazulernen, gerade auch, wenn es um den Umgang mit problematischeren Fussball-Aspekten wie Gewalt oder Rassismus gehe.
Anmalen, verkleiden und ausflippen
Das tolle am Fussball für Sanchez: Man kann Grenzen austesten. «Im Stadion macht man Dinge, die man sonst nicht tun würde; sich anmalen, verkleiden, ausflippen. Ähnlich wie an der Fasnacht.» Schwierig werde es allerdings dann, gibt sie zu bedenken, wenn die Stimmung ins Aggressive oder Destruktive kippe.
Ha – wereliwer ist das wohl auf dem neuen SENF-Cover?
Verlieren ist also das Stichwort. In St.Gallen habe man damit keine allzu grossen Probleme, sagt Schönenberger. «Schliesslich können wir aus ziemlich vielen Niederlagen auswählen.» Sanchez sieht es ähnlich locker, argumentiert aber dialektisch: «Sieg und Niederlage sind für mich keine Gegensätze. Wenn ich irgendwo triumphiere, auch im Leben, versuche ich das Scheitern immer mitzudenken – und umgekehrt.»
Zürich: Wo bleibt die gesellschaftliche Akzeptanz?
Verloren haben bekanntlich auch die Tsürcher respektive die dortigen Fans, die immer noch ins Letzigrund müssen, wo normalerweise die Leichtathleten kurven. «Zürich ist tot, weil es kein eigenes Fussballstadion hat», sagt Schaller. Sanchez findet es in erster Linie bedenklich, dass eine derart reiche Stadt nein zu einem Stadion sagt und fragt sich: «Wo bleibt da die gesellschaftliche Akzeptanz?»
«Heimatlos» zu sein, sagt Schönenberger, wirke sich durchaus auf die Gefühle aus. «Die grossen Siege zum Beispiel verbindet man immer auch mit einem Stadion – in St.Gallen ist es das Espenmoos.» Schaller nickt zwar, kann aber nur bedingt mitreden, da er während den Spielen für gewöhnlich nicht in der Kurve steht. Ihm geht es währen der Live-Sendung vor allem um eins: «Emotionen rüberbringen, all jenen, die nicht im Stadion sein können.»
SENF #5: Olémine, ab sofort erhältich, im Fanlokal oder via senf.sg. Hier gehts zur Saiten-Kolumne des SENF-Kollektivs.
Aus der Fanszene des FC St.Gallen stammt ein neues Fussballmagazin. Es kommt kaum zufällig in einem Moment heraus, in dem es dem Klub gut geht.
Nach den Gästen aus Solothurn wollen nun auch Einheimische ihre «Brodworscht» mit Senf essen – so zumindest die geheimnisvolle Ankündigung. Wer oder was wohl dahinter steckt?
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.
Nachruf auf Urs Ullmann
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