Vielleicht begegnet man in einem der Ostschweizer Museen, die wie zahllose andere weltweit an diesem Sonntag bei freiem Eintritt zu besichtigen sind, der unermüdlichen Myrtha Bossert. Sie sagt von sich selber: «Ich gehe jeden Tag in ein Museum – quer durch die Schweiz.»
Als Folge der Pandemie hatte der Museumsverband VMS seine Mitglieder angeregt, Videoclips zu produzieren. Das Filmteam der Kurzfilme zu den Appenzeller Museen traf die rüstige ältere Dame aus Stäfa im Brauchtumsmuseum Urnäsch an. Die mehrmonatige Schliessung der Museen im Corona-Jahr habe für sie «wahnsinnige Durststrecken» bedeutet, sagt Myrtha Bossert im Film. «Krass.»
Seit Anfang März sind die Museen wieder offen, privilegiert damals als erste Kultureinrichtungen nach dem Lockdown. Und auch der Museumstag, 2020 der Pandemie zum Opfer gefallen, kann wieder stattfinden unter den inzwischen routinierten Schutzvorkehrungen, in einigen der Häuser mit Anmelde-Obligatorium. Das Motto dieses Jahr heisst: «Museen inspirieren die Zukunft».
Der Museumstag wurde 1978 vom Internationalen Museumsrat ICOM ins Leben gerufen, um die Öffentlichkeit auf die Rolle der Museen, die diese in der gesellschaftlichen Entwicklung spielen, aufmerksam zu machen. Weltweit nehmen mehr als 34‘000 Museen in mehr als 140 Ländern auf allen 5 Kontinenten mit Aktionen und Veranstaltungen am Internationalen Museumstag teil.
museums.ch
Dass das kein leeres Wort ist, beweisen viele Häuser – in hervorragender Weise etwa das Stapferhaus in Lenzburg, das mit alltagsnahen Themen seit Jahren Furore macht und soeben zum Europäischen Museum des Jahres gekürt worden ist. Dessen Direktorin, die Thurgauerin Sibylle Lichtensteiger, hat in einem Interview mit thurgaukultur.ch ihr Museumsverständnis so umschrieben: «Das Museum des 21. Jahrhunderts leistet Orientierungshilfe in einer komplexen Welt – und zwar nicht indem es erklärt, wie die Welt funktioniert, sondern indem es Zusammenhänge aufzeigt, Geschichten erzählt und sich auch getraut, Fragen zu stellen und zur Diskussion anzuregen.»
Frieden und Garten, Gilsi und Walser
Die meisten Ostschweizer Museen zeigen gratis und teils mit Führungen und ergänzt um Familien-Attraktionen das, was auch sonst zu sehen ist: ihre Sammlung und die laufenden Sonderausstellungen. Einige eröffnen eigens zum Museumstag aber auch neue Ausstellungen. Eine Übersicht über die Neuheiten.
Das Dunant Plaza in Heiden, hier noch mit einer früheren Veranda-Arbeit. (Bild: Dunant Museum)
Dunant-Museum Heiden: 11 Uhr Führung «Der Preis für den Frieden» 11.30 Uhr «Was ist Frieden?»
Dunant Plaza Heiden: 14.15 Uhr Eröffnung der Schau-Veranda
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Das Dunant-Museum Heiden bespielt seit einigen Monaten das leerstehende Hotel Krone am Dorfplatz als Dependance, genannt Dunant Plaza. Den ausladenden Wintergarten, genannt Schau-Veranda, gestaltet die im Tessin aufgewachsene und in Zürich lebende Künstlerin Johanna Kotlaris mit einer Arbeit unter dem Titel «Let me get concrete». Eingeweiht wird sie am Sonntagnachmittag im Anschluss an eine «Gedankenreise» von Andreas Ennulat zum Thema «Was ist Frieden?».
Museum Heiden: 11 – 17 Uhr
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Ein paar Schritte nebenan eröffnet auch das Ortsmuseum Heiden seine neue Ausstellung: Karikaturen von René Gilsi. Der Zeichner, 2020 auch in St.Gallen mit einer Ausstellung gewürdigt, war ein Geistesverwandter des legendären «Nebelspalter»-Zeichners Carl Böckli, dem im Museum Heiden eine Dauerausstellung gewidmet ist. Die Originalzeichnungen von Gilsi aus dem Nachlass der Vadiana umspannen die Jahre 1962 bis 1994 und kritisieren mit Schärfe Auswüchse der Moderne wie Mobilität oder Atomkraft: «Karikaturen – aber keine leichte Kost!», wie der Titel der Ausstellung sagt.
Museum Herisau: 11 bis 17 Uhr
museumherisau.ch
Im Museum Herisau ist einer anderen prägenden Persönlichkeit ebenfalls eine Dauerausstellung gewidmet: dem Schriftsteller Robert Walser, Ausserrhoder Bürger und 1933 bis zu seinem Tod 1956 in der Psychiatrischen Klinik Herisau interniert. Das Walser-Zimmer im ersten Stock des Museums ist jetzt neu gestaltet worden und wird am Sonntag eröffnet; es zeigt unter anderem Erstdrucke der Romane und Gedichte Walsers und gibt Einblick in sein Leben.
Das Schlangenhaus, im Hintergrund Schloss Werdenberg. (Bild: Museen Werdenberg)
Museen Werdenberg: 11 Uhr: Eröffnung des Nutzgartens 10 bis 16 Uhr: Setzlingsmarkt im Hinterstädtli
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Outdoor und damit definitiv coronatauglich ist die neuste Errungenschaft der Museen Werdenberg zu besichtigen: Am Museumstag wird der neu gestaltete Garten vor dem Museum Schlangenhaus eingeweiht. «Als anschaulicher Nutzgarten ist er nun Teil der historischen Erzählung der Museen Werdenberg», heisst es in der Einladung. Der leibhaftige Garten, ein «Museumszimmer unter freiem Himmel», verknüpft sich dabei mit der bemalten Fassade des mittelalterlichen Hauses, deren Bilder an den Jahreskreislauf der Natur und dessen Einfluss erinnern: Eine gute oder schlechte Ernte bestimmte die wirtschaftliche Lage der Menschen.
Luftskulpturen, Geräusche und Funde
Museum of Emptiness St.Gallen: Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr
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Eine zweitägige Kurzausstellung kündigt das Museum of Emptiness in St.Gallen zum Museumstag an: «tender breath» von Philippe W. Jahanguir. «Die bewegten Lebenswege des in London geborenen und in Zürich arbeitenden Künstlers werden in seinen schwebenden Luft-Skulpturen sichtbar, die sich sanft durch den Raum bewegen. Ihre weichen Pflanzenlinien zeichnen immer neue Formen in die Luft und scheinen die Leere tänzerisch zu modellieren», schreibt Museumsgründerin Gilgi Guggenheim. Jede Person begeht den offenen Ausstellungsraum einzeln. Das Motto der «Inspiration», das den diesjährigen Museumstag trägt, erfülle sich im MoE sowohl künstlerisch als auch physikalisch.
Kunsthalle Arbon mit Werk von Reto Boller. (Bild: Kunsthalle Arbon)
Kunsthalle Arbon: 13 bis 17 Uhr 16 Uhr: Finissage
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Zur Finissage der aktuellen Ausstellung in der Kunsthalle Arbon ist Norbert Möslang zu Gast. Der St.Galler Künstler und ausgebildete Geigenbauer ist mit seiner «Geräuschmusik», entwickelt aus Konsumelektronik, bekannt geworden. Auch für seine Arbeit als Filmkomponist wurde er mehrfach ausgezeichnet. In der Kunsthalle Arbon interagiert Norbert Möslang nun mit der Ausstellung von Reto Boller und dessen Objekten.
Kunstmuseum Liechtenstein: 10 bis 17 Uhr
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Im Kunstmuseum Liechtenstein werden am diesjährigen Internationalen Museumstag gleich zwei Ausstellungen eröffnet: eine Retrospektive zum Werk des in Rumänien geborenen Künstlers Paul Neagu (1938–2004), der ab 1971 in London lebte und arbeitete, und «Funde aus dem Nachlass» von Bill Bollinger. Beide Ausstellungen können den ganzen Tag über erstmals besucht werden. Das Museum bietet aber noch mehr: In den Ausstellungsräumen der Hilti Art Foundation warten herausragende Werke aus der Liechtensteiner Privatsammlung darauf, entdeckt zu werden. Die Ausstellung heisst «Hauptsache Malerei».
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit
Die alten Fabrikhallen sind aus Winterthurs Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Sie wären aber nichts ohne engagierte und gut vernetzte Menschen. Saiten konnte auf Einladung des Kulturmagazins «Coucou» einige von ihnen treffen. Ein kleiner Stadtrundgang
Das Konzert und Theater St.Gallen zeigt eindringlich auf: Femizide existieren in der Schweiz noch immer im ungeheuren Ausmass. Die Inszenierung von Corinna von Rad setzt auf das Groteske in Georg Büchners Woyzeck und feierte am Samstag Premiere im Grossen Haus. Eine Produktion für «jeder-Mann»!
Viel Energie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neuen Album Now To Ruin der Thurgauer Band S.G.A.T.V.. Getauft wird am 1. Oktober im Winterthurer Kraftfeld. Saiten hat vorab reingehört.
Wie können wir unseren Konsum nachhaltiger gestalten? In «Next Relations – Zukunft gestalten» zeigt das Gewerbemuseum Winterthur anhand von Arbeiten von Studierenden mögliche Ansätze. Eine anspruchsvolle Schau, die Hoffnung macht.
Die Ausstellung «Beyond the Manosphere. Masculinities today» im Kunstmuseum St.Gallen untersucht, wie Männlichkeit dargestellt, geprägt und gelebt wird. Und zeigt dabei auch ihre Widersprüchlichkeit.
Ein Schrebergarten wird im neuen Roman Verteidigung eines Gartens von Christina Walker zum Zufluchtsort. Darin lässt die Vorarlberger Autorin vielschichtige Charaktere ebenso aufblühen wie Apfelbaum und Johannisstrauch.
Der Kanton St.Gallen hat Kunst- und Kulturschaffende zur jährlichen Kulturkonferenz nach Wil eingeladen. Spielerisch wurde versucht, die Ausrichtung der Kulturförderung zu klären und Möglichkeiten der neuen Kulturstrategie zu diskutieren. Doch die zentrale Frage blieb offen: Wie stark kann die Kulturszene den Inhalt der Strategie tatsächlich mitbestimmen?
Wer als Erntehelfer:in in der Schweiz arbeitet, tut dies in einer rechtlichen Grauzone. Das nützt vor allem einem System, das weder die Landwirt:innen noch die Konsument:innen im Alleingang ändern können. Ausserdem im Oktoberheft: zehn Jahre Unterwasser, eine Flaschenpost aus Halle (Saale), Kunst zum Thema Männlichkeit, Musik von The Black Salt und natürlich der Bücherherbst – mit neuer Literatur von Ostschweizer Autor:innen.
Human Human spielen melancholischen und fragilen Indie-Pop, der trotzdem warm und lichtdurchflutet ist. Das St.Galler Duo hat jetzt seine erste EP veröffentlicht und tritt am Wochenende gleich zweimal im Bahnhof Bruggen auf – erstmals mit einer Band.
Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat