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Nach der «Durststrecke»: der Museumstag

«Museen sind nötig – um sich selber und andere zu verstehen», sagt ein Besucher in einem Videoclip der Appenzeller Museen. Nachzuprüfen bei freiem Eintritt an diesem Sonntag: Dann ist der Internationale Museumstag.
Von  Peter Surber
Johanna Kotlaris, zu sehen vom Sonntag an in Heiden. (Bild: Dunant-Museum)

Vielleicht begegnet man in einem der Ostschweizer Museen, die wie zahllose andere weltweit an diesem Sonntag bei freiem Eintritt zu besichtigen sind, der unermüdlichen Myrtha Bossert. Sie sagt von sich selber: «Ich gehe jeden Tag in ein Museum – quer durch die Schweiz.»

Als Folge der Pandemie hatte der Museumsverband VMS seine Mitglieder angeregt, Videoclips zu produzieren. Das Filmteam der Kurzfilme zu den Appenzeller Museen traf die rüstige ältere Dame aus Stäfa im Brauchtumsmuseum Urnäsch an. Die mehrmonatige Schliessung der Museen im Corona-Jahr habe für sie «wahnsinnige Durststrecken» bedeutet, sagt Myrtha Bossert im Film. «Krass.»

 

Seit Anfang März sind die Museen wieder offen, privilegiert damals als erste Kultureinrichtungen nach dem Lockdown. Und auch der Museumstag, 2020 der Pandemie zum Opfer gefallen, kann wieder stattfinden unter den inzwischen routinierten Schutzvorkehrungen, in einigen der Häuser mit Anmelde-Obligatorium. Das Motto dieses Jahr heisst: «Museen inspirieren die Zukunft».

Der Museumstag wurde 1978 vom Internationalen Museumsrat ICOM ins Leben gerufen, um die Öffentlichkeit auf die Rolle der Museen, die diese in der gesellschaftlichen Entwicklung spielen, aufmerksam zu machen. Weltweit nehmen mehr als 34‘000 Museen in mehr als 140 Ländern auf allen 5 Kontinenten mit Aktionen und Veranstaltungen am Internationalen Museumstag teil.

museums.ch

Dass das kein leeres Wort ist, beweisen viele Häuser – in hervorragender Weise etwa das Stapferhaus in Lenzburg, das mit alltagsnahen Themen seit Jahren Furore macht und soeben zum Europäischen Museum des Jahres gekürt worden ist. Dessen Direktorin, die Thurgauerin Sibylle Lichtensteiger, hat in einem Interview mit thurgaukultur.ch ihr Museumsverständnis so umschrieben: «Das Museum des 21. Jahrhunderts leistet Orientierungshilfe in einer komplexen Welt – und zwar nicht indem es erklärt, wie die Welt funktioniert, sondern indem es Zusammenhänge aufzeigt, Geschichten erzählt und sich auch getraut, Fragen zu stellen und zur Diskussion anzuregen.»

Frieden und Garten, Gilsi und Walser

Die meisten Ostschweizer Museen zeigen gratis und teils mit Führungen und ergänzt um Familien-Attraktionen das, was auch sonst zu sehen ist: ihre Sammlung und die laufenden Sonderausstellungen. Einige eröffnen eigens zum Museumstag aber auch neue Ausstellungen. Eine Übersicht über die Neuheiten.

Das Dunant Plaza in Heiden, hier noch mit einer früheren Veranda-Arbeit. (Bild: Dunant Museum)

Dunant-Museum Heiden:
11 Uhr Führung «Der Preis für den Frieden»
11.30 Uhr «Was ist Frieden?»

Dunant Plaza Heiden:
14.15 Uhr Eröffnung der Schau-Veranda

dunant-museum.ch

Das Dunant-Museum Heiden bespielt seit einigen Monaten das leerstehende Hotel Krone am Dorfplatz als Dependance, genannt Dunant Plaza. Den ausladenden Wintergarten, genannt Schau-Veranda, gestaltet die im Tessin aufgewachsene und in Zürich lebende Künstlerin Johanna Kotlaris mit einer Arbeit unter dem Titel «Let me get concrete». Eingeweiht wird sie am Sonntagnachmittag im Anschluss an eine «Gedankenreise» von Andreas Ennulat zum Thema «Was ist Frieden?».

Museum Heiden:
11 – 17 Uhr

museum-heiden.ch

Ein paar Schritte nebenan eröffnet auch das Ortsmuseum Heiden seine neue Ausstellung: Karikaturen von René Gilsi. Der Zeichner, 2020 auch in St.Gallen mit einer Ausstellung gewürdigt, war ein Geistesverwandter des legendären «Nebelspalter»-Zeichners Carl Böckli, dem im Museum Heiden eine Dauerausstellung gewidmet ist. Die Originalzeichnungen von Gilsi aus dem Nachlass der Vadiana umspannen die Jahre 1962 bis 1994 und kritisieren mit Schärfe Auswüchse der Moderne wie Mobilität oder Atomkraft: «Karikaturen – aber keine leichte Kost!», wie der Titel der Ausstellung sagt.

Museum Herisau:
11 bis 17 Uhr

museumherisau.ch

Im Museum Herisau ist einer anderen prägenden Persönlichkeit ebenfalls eine Dauerausstellung gewidmet: dem Schriftsteller Robert Walser, Ausserrhoder Bürger und 1933 bis zu seinem Tod 1956 in der Psychiatrischen Klinik Herisau interniert. Das Walser-Zimmer im ersten Stock des Museums ist jetzt neu gestaltet worden und wird am Sonntag eröffnet; es zeigt unter anderem Erstdrucke der Romane und Gedichte Walsers und gibt Einblick in sein Leben.

Das Schlangenhaus, im Hintergrund Schloss Werdenberg. (Bild: Museen Werdenberg)

Museen Werdenberg:
11 Uhr: Eröffnung des Nutzgartens
10 bis 16 Uhr: Setzlingsmarkt im Hinterstädtli

schloss-werdenberg.ch

Outdoor und damit definitiv coronatauglich ist die neuste Errungenschaft der Museen Werdenberg zu besichtigen: Am Museumstag wird der neu gestaltete Garten vor dem Museum Schlangenhaus eingeweiht. «Als anschaulicher Nutzgarten ist er nun Teil der historischen Erzählung der Museen Werdenberg», heisst es in der Einladung. Der leibhaftige Garten, ein «Museumszimmer unter freiem Himmel», verknüpft sich dabei mit der bemalten Fassade des mittelalterlichen Hauses, deren Bilder an den Jahreskreislauf der Natur und dessen Einfluss erinnern: Eine gute oder schlechte Ernte bestimmte die wirtschaftliche Lage der Menschen.

Luftskulpturen, Geräusche und Funde

Museum of Emptiness St.Gallen:
Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr

museumoe.com

Eine zweitägige Kurzausstellung kündigt das Museum of Emptiness in St.Gallen zum  Museumstag an: «tender breath» von Philippe W. Jahanguir. «Die bewegten Lebenswege des in London geborenen und in Zürich arbeitenden Künstlers werden in seinen schwebenden Luft-Skulpturen sichtbar, die sich sanft durch den Raum bewegen. Ihre weichen Pflanzenlinien zeichnen immer neue Formen in die Luft und scheinen die Leere tänzerisch zu modellieren», schreibt Museumsgründerin Gilgi Guggenheim. Jede Person begeht den offenen Ausstellungsraum einzeln. Das Motto der «Inspiration», das den diesjährigen Museumstag trägt, erfülle sich im MoE sowohl künstlerisch als auch physikalisch.

Kunsthalle Arbon mit Werk von Reto Boller. (Bild: Kunsthalle Arbon)

Kunsthalle Arbon:
13 bis 17 Uhr
16 Uhr: Finissage

kunsthallearbon.ch

Zur Finissage der aktuellen Ausstellung in der Kunsthalle Arbon ist Norbert Möslang zu Gast. Der St.Galler Künstler und ausgebildete Geigenbauer ist mit seiner «Geräuschmusik», entwickelt aus Konsumelektronik, bekannt geworden. Auch für seine Arbeit als Filmkomponist wurde er mehrfach ausgezeichnet. In der Kunsthalle Arbon interagiert Norbert Möslang nun mit der Ausstellung von Reto Boller und dessen Objekten.

Kunstmuseum Liechtenstein:
10 bis 17 Uhr

kunstmuseum.li

Im Kunstmuseum Liechtenstein werden am diesjährigen Internationalen Museumstag gleich zwei Ausstellungen eröffnet: eine Retrospektive zum Werk des in Rumänien geborenen Künstlers Paul Neagu (1938–2004), der ab 1971 in London lebte und arbeitete, und «Funde aus dem Nachlass» von Bill Bollinger. Beide Ausstellungen können den ganzen Tag über erstmals besucht werden. Das Museum bietet aber noch mehr: In den Ausstellungsräumen der Hilti Art Foundation warten herausragende Werke aus der Liechtensteiner Privatsammlung darauf, entdeckt zu werden. Die Ausstellung heisst «Hauptsache Malerei».

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
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Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
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Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
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Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
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Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
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FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
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WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
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FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah